Voll motiviert dabei: Unser Praktikant Nicolas Obst erzählt, wie er einen Tag als Zeitungsausträger erlebte. Er war kurzfristig für einen Boten eingesprungen, der sich bei Eisglätte verletzt hatte. Fotos: Obst

Bruchköbel

Unser Praktikant war einen Tag lang Zeitungsausträger in Roßdorf

Bruchköbel. Artikel schreiben, Abläufe kennenlernen, Umfragen machen – der Redaktionspraktikant hat beim HANAUER eigentlich immer etwas zu tun. Zeitungen zu verteilen gehörte bislang nicht zu seinem Aufgabengebiet.

Von Nicolas Obst

Nachdem sich ein Zeitungsbote beim Austragen verletzt hatte, musste der Praktikant allerdings einspringen. Eine lehrreiche Erfahrung für den 18-Jährigen.„Ich habe das auch schon mal bei mir in der Straße gemacht, ist ganz lustig – besonders das Hausnummernsuchen“, erklärt die stellvertretende Chefredakteurin, als sie dem Praktikanten seine Aufgabe vorstellt. Es scheint an diesem Morgen in der Redaktion tatsächlich nur einen zu geben, der dieser Aufgabe gewachsen ist.

Empfang mit offenen Armen

Nach der Einwilligung gehen stellvertretende Chefredakteurin und Praktikant gemeinsam in die erste Etage des Verlagsgebäudes in der Donaustraße. Dort angekommen, wird der Praktikant mit offenen Armen vom Vertrieb empfangen. Ob es denn schon Berufserfahrung im Austragen gebe, möchte man wissen. Nein – die gibt es nicht. Ist aber auch egal! Irgendjemand muss die Aufgabe eben übernehmen.

Da am Morgen extreme Glätte auf den Straßen Roßdorfs und umliegender Orte geherrscht hatte, war der eigentliche Bote ausgerutscht. Die Folgen seines Sturzes führten zu einem Sturm der Entrüstung bei wenigen, aber sehr energischen Lesern, die ihren HANAUER nicht am Frühstückstisch vorfanden.

Hier muss schnelle Abhilfe her, und für die soll der Redaktionspraktikant sorgen. Mit einer Liste aller 92 Abonnenten wird der Praktikant entsandt. Ohne genauere Ortskenntnis, aber ausgestattet mit einer Navigationsapp, geht es Richtung Parkplatz. Drei Stapel frisch gedruckten Lesestoffs landen im Kofferraum.So fährt er los, der Praktikant, ohne sich entschieden zu haben, ob es denn schlauer sei, in der Schießstraße oder in der Hanauer Straße anzufangen – oder ganz woanders? Gibt es einen strategisch cleveren Austragungsstandort mit Parkgelegenheit?

Einfach ausprobieren

All das kann man nicht wissen, man muss es einfach ausprobieren. So nutzt der 18-Jährige die Gunst der Stunde und schnappt sich einen freien Parkplatz in der Schießstraße. Es geht zum ersten Haus, Nummer 38. Die Liste wird gescannt, ein grober Überblick muss her. Wohin danach? Wie geht man vor? Zu Fuß, mit dem Auto? All das wissen erfahrene Zeitungsboten aus dem Effeff, doch in diesem Fall ist man ahnungslos. Der Praktikant entscheidet sich, einfach mal anzufangen – es gibt genug Möglichkeiten, in den kommenden Stunden die Austragungsmethoden zu verfeinern oder zu ändern.

Nachdem das stramme Band, das die Zeitungen zusammenhält, provisorisch mit dem Autoschlüssel zerteilt wird, gilt es, die Zeitungen in die Zeitungsboxen zu legen. Das gelingt gut, mit der Zeit entsteht ein Rhythmus. Viele Leser begrüßen den Praktikanten, er erklärt die Sachlage und stößt auf Verständnis. „Frohes Austragen“, „Ach, die frische Luft schadet Ihnen nicht“ oder „Warum haben Sie meine FAZ nicht dabei?“ sind die gängigstenAussagen, die ihn in den nächsten Stunden begleiten.

Die Schießstraße klappt sehr gut, alle Häuser werden gefunden, auch die anschließende Hanauer Straße wird zügig mit Zeitungen ausgestattet. Sogar durchs Fenster werden sie gereicht, wenn die aufmerksamen Leser den Boten schon von Weitem erblicken. Es kommt fast so etwas wie Freude auf.

Typische Anfängerfehler

Doch diese verschwindet schnell, als klar wird, dass alle Zeitungen des ersten Stapels aufgebraucht sind, das Auto aber noch immer in der nun 20 Minuten entfernten Schießstraße steht. Vermutlich ein typischer Anfängerfehler.Mit der Zeit wird das Auto also strategisch klüger geparkt, die Zeitungen werden noch schneller ausgeteilt und sorgfältig in die Zeitungsrollen gelegt.

Das Ganze allerdings bei recht frischen Temperaturen, die langsam durch die Winterjacke dringen. Nicht jeder Leser empfängt den Boten mit offenen Armen, es herrscht teilweise Unverständnis: „Warum kommt die Zeitung erst jetzt?“ Doch die überwältigende Mehrheit der Zeitungsabnehmer ist glücklich darüber, endlich ihren HANAUER lesen zu können.

Nach rund vier Stunden ist der Praktikant am Ende und völlig erschöpft. Da kommt ihm in den Sinn, dass der eigentliche Austräger diese Aufgabe täglich ohne Murren erledigt. Und das in den dunklen Stunden der Nacht, bei Schnee, Regen oder Wind. Das ist den fleißigen Trägern nicht hoch genug anzurechnen.Damit die Zeitung am Frühstückstisch gemütlich zum heißen Kaffee bereitliegt, arbeiten sich die Zeitungsträger in der kalten Nacht von Straße zu Straße. Das Ganze ist wirklich ein Knochenjob.

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