Der Blick auf jede Menge Arbeit: Sylvia Braun steht auf dem Parkdeck, das zurzeit abgerissen wird. Für den Stadtumbau möchte sie jemand an der Seite haben, der "vom Fach ist" und ihr zuarbeitet. Ab März beginnt offiziell ihre Amtszeit, viele Aufgaben einer Bürgermeisterin erledigt sie jedoch schon jetzt. Foto: Holger Weber

Bruchköbel

Sylvia Braun wird bereits als Bürgermeisterin wahrgenommen

Bruchköbel. Eine Frage hat Sylvia Braun in den Wochen seit ihrem überzeugenden Sieg bei den Bürgermeisterwahlen in Bruchköbel sehr oft gehört: Ob sie sich der Komplexität des Jobs bewusst sei, auf den sie sich da eingelassen habe.

Von Holger WeberOftmals schwang bei den Fragenden ein fast mitleidiger Unterton mit. Ja, hat sie dann stets in ihrer unaufgeregten Art zur Antwort gegeben. Sie wisse das sehr genau, was da als Bürgermeisterin von Bruchköbel auf sie zukomme. Und sicher, dass sie die Aufgabe angehen will, sei sie seit dem Augenblick, an dem sie sich zur Kandidatur entschlossen habe. Damals noch als krasse Außenseiterin und Fraktionschefin der kleinsten Partei im Bruchköbeler Stadtparlament.

Es ist ein Donnerstag, Sylvia Braun hat sich im Café I Sapori da Silvana in Bruchköbels Innenstadt einen Kaffee bestellt. „Einen einfachen Kaffee“, wie sie der Bedienung hinterherschickt. Ohne Milch. Ohne Zucker. Sie sitzt noch nicht lange, da kommt eine in Bruchköbel recht bekannte Persönlichkeit zum Tisch. Werner Zimmermann streckt Braun die Hand entgegen: „Frau Braun“, sagt er, „ich freue mich, Sie zu sehen, ich glaube das wird richtig gut“.

Leben seit der Wahl verändert

Wenig später steht auch die Chefin des Cafés vor ihr: „Sie sind die neue Bürgermeisterin, oder?, fragt sie. „Herzlichen Glückwunsch, ich wünsche Ihnen viel Erfolg.“ Das Leben in ihrer Stadt hat sich seit dem 10. November, dem Tag der für Braun siegreichen Stichwahl, für sie merklich verändert.

Offiziell ist Braun noch Polizistin. Sie feiert Überstunden ab und reduziert ihr Lebensarbeitszeitkonto, das sie in den letzten Jahren als stellvertretende Kommissariatsleiterin im Polizeipräsidium Südost-hessen in Offenbach mit vielen Extra-Stunden gefüttert hat.

Die offizielle Amtseinführung als Bürgermeisterin ist erst am 31. März im Rahmen einer Stadtverordnetensitzung mit nur einem Tagesordnungspunkt. Irgendwie ist sie aber jetzt schon drin im neuen Job. Die Bürgermeisterwerdung vollzieht sich nicht von einem auf den anderen Tag. Es ist vielmehr ein Prozess, der sich bis zum Einzug ins Interimsrathaus in Erlensee immer mehr verdichtet.

Pläne für die neue Tennishalle

Am Tag vor dem Treffen im Café hat sie sich die Pläne für die geplante neue Tennishalle des TC Bruchköbel angesehen und einen Termin mit den Verantwortlichen für Januar gemacht. Auch die Lions haben angefragt, ob sie die Schirmherrschaft für deren Jubiläum übernimmt. Da sind Entscheidungen gefragt, die nicht erst im April getroffen werden können. Auch Weihnachtsfeiern und Familienabende einiger Bruchköbeler Vereine hat sie bereits besucht und am Tag danach von ihren Eindrücken auf Facebook berichtet.

Nach der Wahl hatte Braun gesagt, dass Amtsinhaber Günter Maibach diese repräsentativen Termine doch bitte bis zum letzten Tag selbst wahrnehmen solle. Aber die Bürger wollen nicht warten und Braun die Bürger letztlich auch nicht enttäuschen. Überhaupt Maibach: Sie findet es „eigentlich ganz nett“, wie der Amtsinhaber seit ihrem Wahlsieg mit ihr umgeht, sie bei gemeinsamen Veranstaltungen als seine Nachfolgerin vorstellt und dann in seiner für ihn typischen, manchmal auch etwas jovialen Art hinterherschickt, dass „die Sylvia“ das ja auch gut machen werde.

Im neuen Jahr wird sie Maibach auch zu den Bürgermeisterdienstveranstaltungen begleiten, das eine oder andere Rathaus besuchen und das Gespräch mit den künftigen Kollegen suchen. Und sie muss ihren politischen Nachlass regeln, spricht ihre Partei organisieren. Die FDP braucht jetzt einen neuen Vorsitz im Stadtverband und in der Fraktion. „Wir sind da gut aufgestellt“, gibt sie sich zuversichtlich. Im März sollen die Mitglieder entscheiden.

Zusammenspiel aus Politik und Verwaltung

Katja Lauterbach ist für den Fraktionsvorsitz bei den Liberalen gesetzt. Sie bringt Erfahrung in der Position aus ihren CDU-Zeiten mit. Und den Parteivorsitz, so Braun, den werden wir auch mit einer geeigneten Person besetzen. Das Zusammenspiel aus Politik und Verwaltung wird sie nun aus einer anderen Position heraus kennenlernen. Im Amt möchte sie einen kooperativen Führungsstil pflegen. Jeder soll in seinem Bereich das Beste erreichen.

Je besser das Team, desto besser das Ergebnis, heißt ihre Devise. Zunächst gelte es, sich einen Überblick über die Verwaltung zu verschaffen, ein Organigramm anfertigen zu lassen, um zu sehen, wer für was zuständig ist. Sie will alle Abteilungen kennenlernen und möchte hören, wo es hakt. Alles gehöre auf den Prüfstand, auch die städtischen Gesellschaften.

Den Stadtumbau, den will sie, wie im Wahlkampf angekündigt, zur Stabsstelle machen. Braun wünscht sich jemanden, der nur für diese Aufgabe zuständig ist und ihr zuarbeitet. „Jemand vom Fach, meinetwegen auch extern“, sagt sie.

Das Parkraumkonzept, wenn man den seit Monatsbeginn laufenden Shuttlerservice als solchen bezeichnen will, hält sie für nicht ausreichend. Ideen habe sie bereits. Je nachdem, wie sich die Lage in der Innenstadt entwickelt, könnte sie diese auch schon vor dem offiziellen Amtsantritt zur Sprache bringen.

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