Bürgermeister Günter Maibach verspricht seiner Nachfolgerin eine ordentliche Amtsübergabe. Sylvia Braun wird jedoch erst am 1. April das Ruder übernehmen. Bis dahin soll es auch keine zwei Bürgermeister geben, sagt die Wahlsiegerin. Foto: Mike Bender

Bruchköbel

Sylvia Braun: Erst zurück zur Polizei, dann ins Rathaus

Bruchköbel. Am Mittwoch wird Sylvia Braun nach vier Wochen erstmals wieder ins Polizeipräsidium nach Offenbach fahren. Sie wird sich mit ihren Kollegen besprechen, sich auf den aktuellen Stand von Ermittlungen bringen lassen und voraussichtlich auch von dem berichten, was sie in den Wochen des Wahlkampfes so erlebt hat.

Von Holger Weber

Es wird ein bisschen so sein wie die Rückkehr nach einer längeren Urlaubsreise. Zwar wird sie mit ihrem Chef auch darüber sprechen müssen, wie man ihren Ausstieg aus dem Polizeidienst am besten und sanftesten für alle Beteiligten organisiert. Doch zunächst einmal ist Braun wieder Polizistin – auch wenn die FDP-Politikerin am Sonntag mit einem überragenden Ergebnis von nahezu 70 Prozent zur Bürgermeisterin von Bruchköbel gewählt wurde.

Braun will Maibach nicht reinreden

Bis 31. März ist Günter Maibach offiziell im Amt. „Ich möchte bis dahin nicht die Rolle der Nebenbürgermeisterin spielen. Maibach wird die Amtsgeschäfte bis zum Schluss weiterführen“, meint Braun, wenngleich sie weiß, dass die Öffentlichkeit sie von nun an mit anderen Augen sieht und dass da Erwartungen in sie gesetzt werden.

„Natürlich werde ich auch Veranstaltungen besuchen, zu denen ich eingeladen werde. Aber in meiner Funktion als Stadtverordnete“, betont sie. Und sie werde auch ganz normal private Termine einhalten. So wie am kommenden Samstag auf dem Roßdorfer Fußballplatz, wo sie in der Verkaufsbude während des Spiels ihres Sohnes Würstchen verkauft.

Authentizität der Schlüssel zum Wahlsieg

Am Tag nach der Wahl ist für sie der Triumph noch immer ein wenig unwirklich. Es sei schon ein Wahnsinn, was da passiert sei – dieser Durchmarsch, nicht ein einziges schwaches Ergebnis. In fast allen Wahlbezirken war sie nah dran an den 70 Prozent. Wenn man sie fragt, worauf sie diesen Erdrutschsieg zurückführt, dann muss sie für die Antwort nicht lange überlegen: „Ich glaube, ich bin während meines Wahlkampfes authentisch geblieben.“

An den Infoständen, bei ihren Informationsveranstaltungen. Und vor allem bei der Podiumsdiskussion unserer Zeitung im Bruchköbeler Bürgerhaus. Für Katja Lauterbach, ihre wohl engste Mitarbeiterin in Fraktion und Wahlkampfteam, war diese Veranstaltung der Schlüsselmoment auf dem Weg zum Wahlsieg. „Da habe ich das erste Mal daran geglaubt, dass wir das wirklich schaffen können“, berichtet Lauterbach. Als Maßstab diente ihr dabei auch die Einschätzung ihrer Tochter, die mit der Politik eigentlich nichts am Hut hat: „Das macht sie echt cool, die Sylvia“, habe sie gesagt. „Von da an wusste ich: Da geht was.“

Mit der Persönlichkeit gepunktet

Auch für Uwe Ringel, Fraktionschef der Grünen und an jenem Abend noch direkter Konkurrent Brauns, war die Podiumsdiskussion der Durchbruch für seine Mitbewerberin: „Da haben die Menschen erstmals die Klarheit ihrer Argumentation und die gute Rede“ erkennen können. Der Zwist innerhalb der CDU, die drei Kandidaten aus dem gleichen politischen Lager hätten Erfolg Brauns zweifellos begünstigt, meint Lauterbach. Doch zu 80 Prozent sei es ihrer Persönlichkeit geschuldet, dass sie bei den Wählern gepunktet habe.

Der Sieg, der Wirbel um die Spitzenkandidatin bringt auch positive Auswirkungen auf die kleinste Partei im Stadtparlament. „Zehn Mitgliedsanträge seien unmittelbar nach dem Wahlsieg eingegangen. „Man könnte fast sagen, die Leute rennen uns die Bude ein“, zeigt sich Lauterbach euphorisch. Die Partei wird sich neu strukturieren müssen. Als Fraktionsvorsitzende scheidet Braun aus, auch den Vorsitz im Ortsverband wird sie voraussichtlich niederlegen. „Wir werden darüber reden und bis März eine Nachfolgeregelung finden“, sieht Braun selbst keinen dringenden Handlungsbedarf.

Die Euphorie wird irgendwann dem politischen Tagesgeschäft weichen. Und obwohl der Tag der Amtsübernahme noch fern ist, hat Sylvia Braun schon recht klare Vorstellungen, wie sie ihre Arbeit angehen wird. Zunächst einmal möchte sie im Rathaus eine Bestandsaufnahme machen. Sie will wissen, wer für was zuständig ist. Ein Organigramm hatte sie mit ihrer Partei im Zuge der Beratungen über den städtischen Stellenplan schon vor langer Zeit gefordert, aber nie bekommen.

Im Rathaus trifft sie auf Konkurrent Daniel Weber

Auf diesem Plan wird sie auch Daniel Weber finden, Gegner in der Stichwahl und Referent von Günter Maibach. In welcher Form man später zusammenarbeiten werde, das müsse man sehen. Die Stelle des Referenten des Bürgermeisters, die gebe es ja eigentlich nicht, die sei von Maibach geschaffen worden. Weber ist für Braun zunächst einmal ein Verwaltungsangestellter. Weber selbst hat im Wahlkampf darüber gesprochen, dass die Installation eines hauptamtlichen Ersten Stadtrats für ihn in Frage komme bei einer Größe von 20 000 Einwohnern.

Braun selbst will sich da noch nicht festlegen. „Aufgaben gäbe es genug für eine solche Stelle“, sagt sie. Doch vor den Kommunalwahlen 2021 sei der hauptamtliche Stadtrat für sie kein Thema. Da solle man nichts überstürzen, letztlich sei dies auch eine Entscheidung, die die Bruchköbeler Stadtverordneten treffen müssten. Im Parlament laufen bereits die Haushaltsberatungen. Es ist zwar die normale parlamentarische Arbeit. Und doch ist es dieses Mal anders: Braun wird jetzt die finanziellen Rahmenbedingungen aushandeln, mit denen sie als Bürgermeisterin im kommenden Jahr klarkommen muss. Irgendwie ist sie also doch schon mitten drin im neuen Job.

Das könnte Sie auch interessieren