Am Wochenende sind die Kinder aus den beiden katholischen Bruchköbeler Gemeinden wieder in der Stadt unterwegs, um Geld für notleidende Kinder in Afrika zu sammeln. Foto: Reinartz

Bruchköbel

Sternsinger haben kenianisches Lied im Repertoire

Bruchköbel. An diesem Wochenende ziehen die Sternsinger durch Bruchköbel und erteilen auf Wunsch den Segen 20*C+M+B+17. Dafür bereiten sie sich fleißig vor. Dabei sind 24 Sternsinger der Gemeinde St. Familia und zwölf Teilnehmer der Erlöserkirche.

Von Gabriele Reinartz

„Es ist einfach eine schöne Erfahrung zu sehen, was Kinder, denen es nicht so gutgeht, ermöglicht bekommen“, zieht Sabrina Buschmann ein persönliches Fazit. Die 13-Jährige ist bereits zum achten Mal bei den Sternsingern der Erlöserkirche in Bruchköbel dabei. „Die Mischung aus Spaß und Helfen treibt mich an.“Animiert, Sternsinger zu werden, wurde sie letztlich von ihren beiden Geschwistern, die ebenfalls Sternsinger waren beziehungsweise sind. Denn ihre Schwester Alexandra, 15 Jahre alt, macht auch wieder mit, in diesem Jahr ist sie die „Dienstälteste“.Buschmann: Macht total Spaß Vor zehn Jahren zog sie zum ersten Mal als Kindergartenkind durch Bruchköbels Straßen, um Spenden für Not leidende Kinder zu sammeln und dabei Häuser und Wohnungen zu segnen. „Wenn alle Sternsinger zusammenkommen, so wie zur Aussendung im Fuldaer Dom, macht es total Spaß, dabei zu sein“, begründet sie das bemerkenswerte Engagement, das alle Sternsinger an den Tag legen. Bruchköbel gehört zur Diözese Fulda.Die Schwestern sind zwei der insgesamt zwölf Sternsinger der Erlöserkirche und weiteren 24 Sternsingern von St. Familia, der zweiten katholischen Kirchengemeinde in Bruchköbel. Für das Spendensammeln an diesem Wochenende bereiten sich die Kinder und Jugendlichen an insgesamt zwei Abenden gut vor, so wie beim Besuch unserer Zeitung.Gewänder müssen sitzenAls Erstes steht die Anprobe der schönen Gewänder auf dem Plan. Diese wurden vor einiger Zeit von einem Gemeindemitglied ehrenamtlich genäht; selbstverständlich dürfen die schönen Kronen, die neben den Sternen einst von einem Bastelkreis hergestellt wurden, nicht fehlen.„Nein, dieses Gewand gefällt mir nicht, ich möchte lieber das andere anprobieren“, hört man zwischendurch ein Mädchen rufen. „Das Gewand ist viel zu groß für dich, darüber stolperst du noch“, lautet der Zwischenruf einer Mutter, die bei den Anproben hilft. Nach einigem Hin und Her sind am Ende alle Sternsinger eingekleidet und auch scheinbar zufrieden mit ihrer Wahl.Singen klappt gutNun gilt es, die Lieder einzustudieren, die sie während des Spendensammelns, aber auch bei der Aussendung singen werden. Da in diesem Jahr die Kinder in der Region Turkana im Nordwesten Kenias im Vordergrund stehen, gehört selbstverständlich ein kenianisches Lied zum Repertoire. Und so üben die Sternsinger fleißig den Refrain. Und es klappt erstaunlich gut, kein Verhaspeln ist zu hören. Es klingt „echt afrikanisch“.Während die Vorbereitungszeit für die jungen Akteure nur wenige Tage in Anspruch nimmt, dauert sie für den Organisator Oliver Winkler schon seit Monaten an. In den Herbstferien startete er mit der „Rekrutierung“, verteilte in der Gemeinde Handzettel, sprach Kinder und Jugendliche persönlich an, ob sie nicht Lust hätten, Sternsinger zu werden. Nebenbei suchte er mit seiner Kollegin von St. Familia Texte und Lieder aus.

20 Geschäfte und 180 Haushalte „In den Jahren zuvor sind wir mit den Sternsingern durch die Straßen Bruchköbels gezogen und haben bei den Geschäften angefragt, ob wir hereinkommen dürfen. Das hat sich als umständlich erwiesen. Ich glaube, einige haben sich sogar überrumpelt gefühlt. Daher bin ich in diesem Jahr vorher losgegangen und habe angefragt, ob wir vorbeikommen können.“Die Version „Sternsinger auf Bestellung“ hat sich am Ende auch als die bessere erwiesen. Rund 20 Geschäfte und 180 Haushalte (inklusive des Radius von St. Familia) erhalten an diesem Wochenende den Segen 20*C+M+B+17. Die Zeichen stehen für „Christus mansionem benedicat“ – Christus segne dieses Haus“, 2017 für das Jahr.Laufpläne sind vonnöten„Jede Sternsingergruppe wird um die 20 Haushalte besuchen“, sagt Winkler. Da steckt einiges an Laufpensum dahinter. Und so sind auch Laufpläne vonnöten, die er bereits in den vergangenen Tagen erstellt hat. Auch das gehört zu seinen Aufgaben, genauso wie der Transport einer Sternsingergruppe zu Privatleuten, die außerhalb des eigentlichen Laufradius wohnen und besucht und gesegnet werden möchten. Insgesamt wird die Aktion mehrere Stunden dauern.Seit 2004 engagiert sich der bekennende Katholik in seiner Gemeinde. „Ich bin hier groß geworden, war Messdiener und im Pfarrgemeinderat. Ich habe schon immer mitgeholfen. Als eines Tages ein Nachfolger für die 'Sternsingerarbeit' gesucht wurde, habe ich sie übernommen“, erzählt er. „Kinder für Kinder, das ist einfach eine gute Sache. Die vielen positiven Aspekte motivieren mich. Da vergisst man gern manchen Ärger, den es selbstverständlich auch gibt.“Neue Freunde findenSo denken auch die zwölfjährige Emilia Janecki und die elfjährige Meike Portele, auch schon erfahrene Sternsinger. Beide sind zum dritten Mal dabei. „Mir gefällt es am besten, dass die Leute sich freuen, wenn wir kommen“, verrät Emilia. Dem schließt sich Meike an: „Vor allem die älteren Leute freuen sich so. Das Tolle, ein Sternsinger zu sein, ist aber auch, dass ich hier neue Freunde finde. Außerdem ist man in der Gruppe herzlich willkommen und wird zu nichts gezwungen.“Ein Blickwinkel, der nicht zu unterschätzen ist. Wer sich als Sternsinger wohl in seiner Haut fühlt, ist auch bereit, seine Freizeit für andere zu opfern, um Gutes zu bewegen. Kinder sind solidarisch und berührt, wenn es anderen Kindern und Familien nicht so gutgeht. Ganz gemäß dem Leitwort der diesjährigen Aktion: „Segen bringen, Segen sein. Gemeinsam für Gottes Schöpfung – in Kenia und weltweit!“

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