Wo früher das Rathaus stand, soll die Neue Mitte in Bruchköbel entstehen. Die Kosten für das Großprojekt steigen weiter. Archivfoto: Holger Weber

Bruchköbel

Stadtumbau Bruchköbel: Kosten steigen um 5,7 Millionen Euro

Bruchköbel. Der Stadtumbau in Bruchköbel wird nach aktuellem Stand um 5,7 Millionen Euro teurer als ursprünglich veranschlagt. Dies geht aus der Beschlussvorlage für die Stadtverordneten hervor, die die Verwaltung heute auf ihrer Website veröffentlicht hat.

Von Holger Weber

Grund für die Preissteigerung ist die Tatsache, dass die Stadt die Tiefgarage mit rund 226 Stellplätzen nun komplett alleine finanzieren wird und nicht gemeinsam mit einem Investor. Laut Vorlage sollen die Mehrkosten durch Einnahmen aus Grundstücksverkäufen gedeckt werden.

Stadthaus, Tiefgarage und Außenanlage kosten 26,8 Millionen

Das Bieter-Verfahren hat die Schoofs-Immobilien GmbH gewonnen. Das Unternehmen mit Sitz in Frankfurt führt in seinen Referenzen vornehmlich Einkaufszentren, unter anderem auch das Rondo in Steinheim, ein markanter Rundbau mit kleinem See in der Mitte des Parkplatzes. Als Generalunternehmer soll Schoofs für Bruchköbel das Stadthaus, die Tiefgarage sowie die Außenanlage bauen. Der Preis dafür beträgt laut Angebot 26,8 Millionen Euro. Den geplanten Discounter wird das Unternehmen auf eigene Rechnung bauen.

Die Gesamtkosten für den Innenstadtumbau, die von der Stadt Bruchköbel aufgebracht werden müssen, betragen nach Informationen der Stadt 33,4 Millionen Euro. Berücksichtigt sind darin schon zwei Millionen Euro, mit denen die Stadt an Fördergeldern rechnet, die aber noch nicht bewilligt worden sind. Enthalten sind in der Gesamtsumme laut Vorlage aber schon die 4,1 Millionen Euro, die der Stadtumbau bisher gekostet hat, sowie die 6,9 Millionen Euro an weiteren Kosten für Posten wie Straßen- und Brückenbau, Projektsteuerung, Rechtsberatung und Kommunikation.

Baumaßnahmen könnten im Herbst beginnen

Am 25. Juni müssen die Stadtverordneten in Bruchköbel über die Beschlussvorlage befinden. Sollte es eine Mehrheit für die Beschlussvorlage geben, so könne noch in diesem Herbst mit den Baumaßnahmen begonnen werden, hofft Bürgermeister Günter Maibach. Der Verwaltungschef hatte vor einem Jahr gesagt, dass eine weitere Kostensteigerung mit ihm nicht zu machen sei. „Darauf nagele ich die Planer fest“, hatte er im Interview mit unserer Zeitung gesagt – zu einem Zeitpunkt, als man von Gesamtkosten in Höhe von knapp 26 Millionen Euro ausging.

Mittlerweile sieht der Verwaltungschef das Projekt in einem anderen Licht. „Für den höheren Preis bekommen wir jetzt auch ein anderes Bauvolumen“, sagte Maibach gestern. „Im Laufe der Verhandlungen mit den Investoren ist uns zudem klar geworden, dass es für die Stadt viele Vorteile bietet, die Tiefgarage selbst zu bauen und zu betreiben. So kann der Eigentümer die Höhe der Parkgebühren festlegen. Möglich wird vergünstigtes Parken am Abend und bei ausgewählten Veranstaltungen.“

Tiefgarage ein Zuschussgeschäft?

Geplant sei außerdem, mit dem Bruchköbeler Einzelhandel ein Rückvergütungssystem zu etablieren. „Dies alles wird wesentlich vereinfacht, wenn die Stadt selbst der Betreiber der Tiefgarage ist,“ so der Rathauschef. Schoof Immobilien wollte sich am Bau der Tiefgarage nicht beteiligen. Damit wäre auch der schleppende Prozess des Wettbewerblichen Dialogs zu erklären, der letztlich doppelt so lange dauerte wie prognostiziert. In der Beschlussvorlage heißt es: „Der anteilige oder auch gesamte Betrieb der Tiefgarage durch den Bieter wurde im Dialog verworfen, da die Bewirtschaftungsinteressen erheblich divergierten und die Rentabilität der Tiefgarage aus Sicht der Investoren nicht hinreichend im Einklang mit den städtischen Nutzungsinteressen gesehen werden kann.“

Die Befürchtung, dass die Tiefgarage auf Dauer ein Zuschussgeschäft für die Stadt sein könnte, äußerte gestern Alexander Rabold als Chef der größten Oppositionspartei im Stadtparlament: „Da können wir jedes Jahr sechsstellige Summen zuschießen“, befürchtete er. Maibach verteidigte unterdessen die Tiefgaragenpläne. „Das Innenstadtareal bietet nur mit einer Tiefgarage genug Platz für die entscheidenden Kriterien, die künftig ein beliebtes und belebtes Stadtzentrum ausmachen. Dazu gehören hochwertige Grün-, Wasser- und öffentliche Aufenthalts- und Aktionsflächen sowie attraktiver Wohnraum.“ Für 80 Stellplätze, die tagsüber dem Supermarkt zur Verfügung stehen sollen, soll eine Miete an die Stadt gezahlt werden. Die Stellplätze sollen nach Angaben der Verwaltung 90 Minuten für die Kunden des Supermarkts kostenlos sein.

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