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Wer es noch nicht weiß, kann es jetzt auch auf den Schildern in der Stadt Bruchköbel nachlesen: Hunde gehören in der Brut- und Setzzeit an die Leine. Verstöße können für Hundehalter richtig teuer werden.

Auch Rad- und Autofahrer werden in die Pflicht genommen

Stadt Bruchköbel bittet Hundebesitzer in Brut- und Setzzeit, ihre Tiere an die Leine zu nehmen

  • Jasmin Jakob
    vonJasmin Jakob
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Sonnenschein und milde Temperaturen haben viele Menschen ins Freie gelockt, zum Fahrradfahren, Sonnenbaden oder Spazierengehen. Doch Vorsicht: Wer in der Zeit zwischen März und Juli über die Wiesen geht, läuft mitunter mitten durch die Kinderstube von Hase, Reh, Rebhuhn und Co.

Dabei handelt es sich nicht nur um eine Störung der Aufzucht. Für die neugeborenen oder frisch geschlüpften Tierkinder kann das lebensbedrohliche Folgen haben. Deshalb hat unter anderem die Stadt Bruchköbel am Mittwochnachmittag neue Hinweisschilder in den Naturschutzgebieten wie beispielsweise der Krebsbachaue oder an den Waldrändern verteilt. Auf den Schildern bittet die Stadt ihre Bürger insbesondere, Hunde an die Leine zu nehmen.

 „Während dieser Zeit werden leider immer häufiger die brütenden Vögel sowie trächtigen Säuger von freilaufenden Hunden gestört oder beunruhigt, sodass es in Folge oft zum Tod der Muttertiere und zu Gelegeverlusten kommt“, heißt es in der Mitteilung. Daher kontrolliert das Ordnungsamt mehrmals täglich, ob Hunde in den betreffenden Gebieten angeleint werden.

Hunde frei laufen zu lassen kann teuer werden

Kommen Wildtiere durch freilaufende Hunde zu schaden, kann das teuer werden. Je nach Schwere des Falls kostet das Hundehalter zwischen 5000 bis 25 000 Euro. Streunt ein Hund beispielsweise durch höheres Gras, können von ihm Bodenbrüter, wie Rebhuhn, Feldlerche oder Schafstelze aufgeschreckt werden und verlassen fluchtartig das Nest. So kann das Gelege schnell auskühlen oder Beutetieren wie dem Fuchs zum Opfer fallen.

Dabei sind es vor allem die Feld- und Wiesenvögel, die aus verschiedenen Gründen in Deutschland zu den gefährdeten Arten zählen. Deshalb betont auch der Bruchköbler Vogelwart Rolf Gogné: „Es ist unheimlich wichtig, dass die Hunde an der Leine geführt werden. Nicht nur für die Vögel. In den Wiesen sitzen jetzt kleine Hasen, wenn die ein Hund erwischt, hat er sie ruck-zuck totgebissen.“

Zwar könne er verstehen, dass Hunde auch ihren Freilauf bräuchten, aber jeder einzelne Hundebesitzer stehe in der Verantwortung darauf zu achten, dass kein Tier zu schaden kommt. „Da kann der Hund noch so gut erzogen sein“, sagt Gogné. „Wenn er erstmal eine Fährte aufgenommen hat, schaltet er alles um sich herum aus.“

NABU will Hundebesitzer aufklären

Wie Ehrenamtliche Mitglieder des NABU Main-Kinzig leistet Gogné daher insbesondere in Naturschutzgebieten Aufklärungsarbeit und spricht Hundehalter direkt an, wenn er Wildtiere durch sie gefährdet sieht. „Die meisten haben da auch Verständnis für“, sagt er. „Dann gibt es aber auch diejenigen, die sich nichts sagen lassen wollen. Ein Mann hat sogar seinen Schäferhund auf mich gehetzt.“

Auch Sigrun Brell von der Forstamtsleitung Hanau Wolfgang ist der Meinung, dass die meisten Vorfälle, bei denen Wildtiere zu Schaden kommen, aus Unwissenheit zustande kommen. Die Leine allein könne da nichts bewirken. „Das hilft natürlich alles nichts, wenn der Hund zwar an die Leine genommen wird, der Mensch aber mit oder ohne Hund trotzdem über die Wiesen läuft“, sagt sie.

Rad- und Autofahrer können für Wildtiere auch gefährlich werden

Auch Menschen ohne Hund, die mit dem Rad über Wiesen oder mit dem Auto in Naturschutzgebiete fahren oder in naturbelassenen Teichen baden würden, seien für die Wildtiere in der Brut- und Setzzeit gefährlich. „Für mich spiegelt sich in dem Verhalten eher das gesellschaftliche Phänomen wider, dass wir uns immer weiter von der Natur entfremden“, sagt Brell.

Naturschutzgebiete stünden heute wie nie zuvor in dicht besiedelteren Regionen im Spannungsfeld zwischen Naherholungsgebiet und Wildtierlebensraum. „Das sind natürlich berechtigte Interessen“, sagt sie. „Aber der Druck auf die Gebiete nimmt zu, sie werden zudem von Straßen, Bau- und Gewerbegebieten eingekesselt.“

Forstamt patrouilliert in der Natur

Um die Menschen dennoch für den Naturschutz zu sensilibisieren, hat das Forstamt Hanau Wolfgang seit knapp 20 Jahren eine Naturschutzwache im Einsatz, die zurzeit der Forstwirt Ralf Zeller ausführt. Wer an den Osterfeiertagen in einem der 18 Naturschutzgebieten des Forstamts Hanau Wolfgang unterwegs war, ist ihm vielleicht begegnet.

Denn er ist immer am Wochenende sowie an Feiertagen in der Natur unterwegs, sucht das Gespräch mit den Menschen und notiert Verstöße gegen den Naturschutz. So hat Zeller zum Beispiel 400 freilaufende Hunde in den Naturschutzgebieten für 2019 protokolliert. „Daraus lässt sich aber keine Tendenz ableiten“, sagt Brell. "Darin zeigt sich kein Unterschied zu den Vorjahren, ob der Hund brav neben seinen Besitzern gelaufen oder ein Problemhund ist.“ Wichtig sei, dass die Menschen vor allem in Naturschutzgebieten nicht abseits der Wege laufen um so die Wildtiere so wenig wie möglich zu stören.

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