Sozialer Wohnungsbau oder betreutes Wohnen? Die Nutzung dieses Areals mit seiner alten Villa ist am morgigen Dienstag ein Thema in der Stadtverordnetenversammlung. Foto: PM

Bruchköbel

Soziales oder betreutes Wohnen - Villa-Grundstück weckt Begehren

Bruchköbel. In Zeiten knappen Baulands wecken auch augenscheinlich weniger attraktive Grundstücke Begehrlichkeiten. Ein Beispiel dafür ist das im Besitz der Stadt Bruchköbel befindliche Areal an der Hauptstraße 113.

Von Holger Weber

Für die Fläche sind in relativ kurzer Zeit gleich eine Reihe möglicher Nutzungen vorgeschlagen worden. Bisher steht darauf eine alte Villa, die bis vor Kurzem von der Stadt an Bürger mit geringem Einkommen vermietet wurde und nun leer steht.

Der aktuellste Vorschlag für den Grund und Boden kommt vom Bruchköbeler Bürgerbund (BBB). In einem Antrag, der für morgen Abend in die Stadtverordnetenversammlung eingebracht worden ist, schlägt der BBB vor, eine Einrichtung für betreutes Wohnen zu schaffen, die von der benachbarten Arbeiterwohlfahrt (AWO) betrieben werden könnte. Die AWO erkenne den dringenden Bedarf für eine solche Einrichtung, heißt es in dem Antrag.

Lang gehegter Wunsch

Ein entsprechender Neubau, so der BBB, solle entweder an die Baugenossenschaft Bruchköbel oder an einen anderen „geeigneten Investor“ verkauft werden. Die AWO solle dann als Mieter des Gebäudes auftreten, schlägt der BBB vor. Dessen Bürgermeisterkandidat, Patrick Baier gehört dem Vorstand der AWO an.

Bei der SPD in Bruchköbel hat man den Antrag derweil mit „großem Erstaunen“ wahrgenommen, wie Stadtverbandsvorsitzender Norbert Viehmann gegenüber unserer Zeitung erklärte. Denn die Koalition aus SPD und CDU hat ihre eigenen Pläne für das Grundstück. Die Sozialdemokraten wollen dort ihren lang gehegten Wunsch verwirklichen und ihr erstes Projekt für den Sozialen Wohnungsbau in Bruchköbel umsetzen.

Günstiger Wohnraum

Geplant ist ein Gebäude mit elf Wohnungen, in dem der Mietquadratmeterpreis 7,50 Euro nicht übersteigen darf.

Gebaut werden soll nach den Vorgaben des sogenannten Pipa-Modells, das noch in der Zeit des ehemaligen Landrats vom Main-Kinzig-Kreis aufgelegt worden war. Es sieht vor, dass die Stadt das Grundstück einem Investor auf Erbpacht überlässt und dieser dann Wohnraum zu günstigen Preisen schafft.

Riesiger Bedarf

Im Falle Bruchköbels sei dies ebenfalls die Baugenossenschaft, bei der das Projekt bereits in Planung sei, so Viehmann. Die Zuschüsse des Kreises seien bereits eingetroffen. „Eigentlich ist das Projekt fertig eingetütet“, erklärt der SPD-Stadtverbandschef.

Grundsätzlich teile der BBB den Wunsch nach sozialem Wohnraum, sagt Bürgermeisterkandidat Baier. Der besagte Ort ist seiner Ansicht nach jedoch für betreutes Wohnen wegen seiner räumlichen Nähe zur AWO viel besser geeignet. Dafür gebe es aufgrund des demografischen Wandels einen riesigen Bedarf – auch in Bruchköbel. Sozialer Wohnungsbau solle an anderer Stelle entstehen, so Baier.

Ursprünglich vorgesehen

Denn elf Einheiten seien angesichts der großen Wohnungsnot im Rhein-Main-Gebiet ohnehin nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Eine Anbindung des Geländes an die AWO hatte im Übrigen auch die Stadt bereits ursprünglich vorgesehen. Im Jahr 2016 war der Beschluss gefasst worden, die Sozialen Dienste mit einer Tagespflegeeinrichtung dort anzusiedeln, um die Synergien mit der AWO zu nutzen. Die Idee wurde jedoch wieder verworfen.

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