Ist er der nächste, der geht? Thomas Sliwka hat sich zu seiner Zukunft in der Partei noch nicht geäußert. Archivfoto: Patrick Scheiber

Bruchköbel

Sliwka-Block bröckelt: Zwei Abgeordnete geben Mandat zurück

Bruchköbel. Jetzt hat die Krise in der Bruchköbeler CDU auch erste personelle Folgen: Die beiden Abgeordneten Nicole Blum-Schwarzer sowie Oliver Gust haben gestern ihr Mandat in der Stadtverordnetenversammlung niedergelegt. Beide sind Anhänger des Sliwka-Blocks innerhalb der Partei.

Von Holger WeberDie CDU hatte sich nach der internen Nominierung des Bürgermeisterkandidaten Daniel Weber in zwei Lager gespalten. Mindestens acht Abgeordnete unterstützten den unabhängigen Kandidaten Thomas Sliwka, der bei der internen Abstimmung im April mit nur einer Stimme gegen Daniel Weber unterlegen und bei den Bürgermeisterwahlen als unabhängiger Kandidat angetreten war. Sliwka, noch CDU-Fraktionschef und Stadtverbandsvorsitzender, hatte am vergangenen Sonntag jedoch mit nur etwa zehn Prozent aller Stimmen in dem siebenköpfigen Kandidatenfeld eine Schlappe erlitten, während Weber mit nahezu 25 Prozent in die Stichwahl gegen die FDP-Kandidatin Sylvia Braun (29 Prozent) einzog.

Identifizieren nicht mehr möglich

„Ich kann mich mit der ‧Politik, den internen Querelen und Intrigen der CDU nicht mehr identifizieren, das ist nicht meine Philosophie. Daher ist es mir auch zuwi‧der, Anträge durchzustimmen, hinter denen ich nicht stehe“, teilte Blum-Schwarzer gestern schriftlich mit. Enthalten oder Gegenstimmen seien nicht kollegial. Deshalb gebe es für sie nur eine Lösung: „Ich wollte schon im April mein Mandat niederlegen, habe mich umstimmen lassen, aber in der jetzigen Situation gibt es für mich nur eine ehrliche Lösung. Ich höre auf und trete aus der CDU aus. Ich stehe nicht hinter dem Bürgermeisterkandidaten der CDU, das habe ich von Anfang an offen gesagt.“ Sie wolle auch nicht als Stadtverordnete der CDU Wahlkampf für Sylvia Braun machen. „Sie ist für mich, bei der Stichwahl, aber die beste Alternative für alle“, sprach Blum-Schwarzer abschließend eine Wahlempfehlung aus.

Auch Oliver Gust findet nach eigenen Angaben in der Partei keine politische Heimat mehr. „Ich mache den Weg frei für einen Neuanfang in der CDU. Man hat uns nicht mit ins Boot genommen. Ich will mich nicht rumärgern und jetzt auch keine dreckige Wäsche waschen. Mein Mandat gebe ich ab und nehme es nicht etwa mit in eine andere Fraktion“, sagte der Unternehmer.

Die Anhänger Sliwkas fühlen sich vor allem von Bürgermeister Günter Maibach und der Kreisvorsitzenden Dr. Katja Leikert im Stich gelassen. Ihr Vorwurf: Beide hätten hinter dem Rücken Sliwkas, die Kandidatur von Daniel Weber vorangetrieben, obwohl man dem Stadtverbandschef zuvor den Rücken gestärkt habe, als dieser bereits 2017 angekündigt hatte, für das Amt des Bürgermeisters kandidieren zu wollen. In der Abstimmung am 8. April dieses Jahres hatten Maibach sowie die Erste Stadträtin Ingrid Cammerzelle dann in der Nominierungsversammlung offen Partei für Daniel Weber ergriffen. Maibach hatte dies damals damit gerechtfertigt, dass sein Ziehsohn Weber in der Versammlung unfair angegangen worden sei.

Keine Zukunft in Partei

„Seit diesem 8. April war mir klar, dass ich in dieser Partei keine Zukunft mehr habe“, sagte Gust gestern im Gespräch mit dem HA. Wie unsere Zeitung erfuhr, gibt es noch mehrere Kandidaten, die mit dem Gedanken spielen, die Fraktion zu verlassen. Offen ist auch, welchen Weg Parteichef Thomas Sliwka gehen wird.

Gestern war er für unsere Zeitung nicht zu erreichen. Unmittelbar nach der Wahl hatte Thomas Sliwka es offen gelassen, ob er weiterhin seine Ämter in der Partei wahrnehmen werde. Er hatte an‧gekündigt, dass er sich jetzt erst einmal sortieren und dann Entscheidung treffen werde. Am kommenden Dienstag findet die Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses im Bürgerhaus in Bruchköbel statt, dessen Vorsitz Sliwka innehat.

Für die beiden Abgänger Nicole Blum Schwarzer und Oliver Gust rücken jetzt zwei neue Christdemokraten ins Stadtparlament nach. Laut Liste, deren Rangfolge bei der vergangenen Kommunalwahl ermittelt wurde, sind dies Christoph Zugenbühler sowie der Roßdorfer Klaus Haas.

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