Symbolfoto: Thorsten Becker

Bruchköbel

Sechs Jahre Haft für Betrug mit Lastwagen

Erlensee. Es lief schlecht für Haci Osman A., den 51-jährigen Geschäftsführer der „MAP Logistics GmbH“ aus Erlensee. Die 1. Große Strafkammer des Hanauer Landgerichts verurteilte ihn gestern wegen Beihilfe zum Betrug zu sechs Jahren Gefängnis und lässt den Haftbefehl aufrecht und in Vollzug.

Von Rainer HabermannDie Kammer sieht es als erwiesen an, dass der Angeklagte für insgesamt sieben ‧Betrugsfälle verantwortlich zeichnet, die es buchstäblich in sich haben. Die sogenannte „Gefährdungssumme“ beträgt nämlich rund 5,8 Millionen Euro, die eigentliche Schadenssumme hingegen „nur“ rund 1,3 Millionen Euro. Sieben Fälle deshalb, weil es sich um sieben einzelne Geschädigte handelt: große Vermiet- und Leasingfirmen im Speditionsgeschäft wie „Krone Fleet“, „Mercedes Charterway“, „Euro Leasing“ oder „Tip Trailer Services“.

Nur gut einen Monat lang, nämlich von Anfang Februar bis Mitte März 2016 währte das „neue Geschäftsmodell“ der MAP, das darin bestand, rund 80 Miet- und Leasingverträge über Zugmaschinen und Sattelauflieger abzuschließen, alle im 40-Tonner-Bereich mit teils nagelneuen Fahrzeugen, die Mieten und Leasingraten schuldig zu bleiben und die wertvollen Maschinen dann unter der Hand im Ausland zu verscherbeln.

Sicherstellen durch die Polizei

Ein großer Teil konnte durch die Polizei und die Leasingfirmen selbst sichergestellt und zurückgeführt werden. Aber eben Fahrzeuge im Wert von 1,3 Millionen Euro bleiben bis heute und trotz GPS verschollen: hauptsächlich im Irak. Es verwundert zunächst, dass die sieben Firmen sich überhaupt auf die „Deals“ eingelassen haben. In der Rücksicht wird das aber verständlich. Denn über etliche Jahre hinweg war die MAP ein zuverlässiger, zahlender Kunde.

Die Bonität der GmbH war über jeden Zweifel erhaben, bis sie eben im Februar 2016 verkauft wurde: an den Angeklagten. Der war fürderhin einziger offizieller Gesellschafter und Geschäftsführer. Dass Haci Osman A. als Strohmann für andere handelte, sah auch die Anklagebehörde so, vertreten durch Oberstaatsanwältin Sandra Dittmann und Staatsanwalt Martin Links.

Sie hatten sieben Jahre und sechs Monate Haft für A. wegen Beihilfe zum Betrug gefordert, das Gericht blieb mit seinem Urteil eineinhalb Jahre unter dem Antrag. A.'s Verteidiger, Rechtsanwalt Adnan Menderes Erdal, hatte auf Freispruch plädiert. Und zwar mit einem einzigen Wort, was zu einer gewissen Verwunderung bei den übrigen Prozessbeteiligten führte. Anscheinend bezog sich der Satz Graßmücks, er hätte in diesem Verfahren „das merkwürdigste Plädoyer in meiner mehr als 25-jährigen Geschichte als Richter“ erlebt, auf genau diesen Umstand.

Unkenntnis der deutschen Sprache

Mit einem Eindruck, der bei Prozessbeobachtern entstanden war, dass nämlich der Angeklagte aufgrund seiner angeblich völligen Unkenntnis der deutschen Sprache ein eher „kleines Licht“ ist und die Geschehnisse um die geschlossenen Verträge in ihrer ganzen Tragweite nicht durchblickt habe, räumte Graßmück in seiner mündlichen Urteilsbegründung ebenfalls auf. Seit dem Jahr 2004 lebt Haci Osman A. in Deutschland. „Im Laufe von 15 Jahren bis heute ist es nicht nachvollziehbar, dass Sie kein Deutsch gelernt haben, zumal Sie mindestens vier GmbHs in dieser Zeit gegründet oder gekauft haben“, monierte der Richter.

Die „Lebensplanung“ des Verurteilten habe von Anfang an darin bestanden, den deutschen und belgischen Staat zu betrügen und zu schädigen. Indem er beispielsweise, statt seine LKW mit Diesel zu betanken, mit Heizöl gefahren sei. Oder gemietete LKW als gestohlen gemeldet und ausgeschlachtet, dann in Einzelteilen verkauft habe. „Vier Jahre lang krank melden, Sozialleistungen beziehen und trotzdem als LKW-Fahrer arbeiten“, lautete ein weiterer Vorwurf des Gerichts.

Im Mai 2016 habe Haci Osman A. „mehrere Grundstücke in der Türkei gekauft und bar bezahlt“, so Graßmück, was eine Unterbrechung seiner Urteilsbegründung durch wütende Zwischenreden des Verteidigers veranlasste. Die Verfahren dazu liefen noch, das Gericht dürfte sie nicht zur Urteilsgrundlage machen.

Aussagen der Zeugen

Was die Kammer auch nicht tat; Man befand sich im Bereich der „allgemeinen Einschätzung“ des Verurteilten. Zeugen hatten im Verlauf des Prozesses ebenfalls Aussagen gemacht, welche das Deutsch-Verständnis Haci Osmans als gar nicht so schlecht darstellten. Für den Angeklagten habe sein Teilgeständnis gesprochen, meinte Graßmück. Doch als „Kronzeuge“ tauge er nicht, dazu habe er schlicht keinerlei verwertbare Angaben zu seinen „Hintermännern“ gemacht. Ob die noch gesucht werden: Dazu wollte sich die Staatsanwaltschaft nicht äußern, was als Indiz für laufende Ermittlungen zu werten ist.

Somit scheint der „Fall MAP“ noch keineswegs abgeschlossen, obwohl es der „Fall A.“ ist, mit dem Urteil. Doch Rechtsanwalt Erdal kündigte schon im Gerichtssaal an, dass er Rechtsmittel gegen das Urteil über seinen Mandanten einlegen wird.

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