Die Waffe wurde bislang nicht gefunden: Am Donnerstag suchten Polizeibeamte am Tatort in Niederissigheim nach Spuren. Archivfoto: Holger Weber

Bruchköbel

Schüsse auf Radler: Gericht schickt 20-Jährigen in U-Haft

Bruchköbel/Hanau. Die Eltern werfen ihn – offenbar nach einem massiven Streit – aus dem Haus. Seitdem „wohnt“ er, den Erkenntnissen der Ordnungsbehörden zufolge, zwischen Bruchköbel und Hanau „unter Brücken“; ist obdachlos.

Von Thorsten BeckerDer Streit und der Rauswurf, von dem die Kriminalpolizei seit Donnerstagmorgen weiß – sind das die Motive dafür gewesen, dass der 20-Jährige an der Unterführung zwischen Nieder- und Oberissigheim zwei Schüsse auf seinen Vater abgefeuert hat?

Sicher ist das noch nicht. Sicher ist nur, dass die Polizei alles daran gesetzt hat, den Verdächtigen zu fassen. Das ist Zielfahndern der Kripo wenige Stunden nach dem Vorfall gelungen: Der 20-Jährige ist am gleichen Abend in Hanau verhaftet worden.

Kein weiter Weg

Dabei haben es die Fahnder gar nicht so weit, den jungen Mann ins Polizeigewahrsam am Freiheitsplatz zu bringen. Denn der Ort der Festnahme liegt an der Rhönstraße, nicht weit entfernt vom Dienstgebäude. Als gegen 19.35 Uhr die Handschellen einrasten, trägt der 20-Jährige eine Einkaufstasche mit sich. „Darin haben sich nach den bisherigen Ermittlungen rund 600 Gramm Marihuana befunden“, berichtet Dominik Mies, der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Hanau, die wegen des Verdachts auf ein versuchtes Tötungsdelikt ermittelt. Zwar ist der 50-jährige Vater nicht verletzt worden, aber seine Kleidung wies Spuren auf, die auf Streifschüsse hindeuten – Projektile, die nur ganz knapp ihr Ziel verfehlt haben könnten.

Allerdings gibt es dazu bislang noch keinen Beweis. „Eine Waffe wurde bislang nicht aufgefunden“, berichtet Mies weiter. Ob bei der eingehenden Spurensuche am Tatort relevante Hinweise gefunden worden sind, stehe noch nicht fest. „Die Ermittlungen dazu dauern noch an.“

Während die Abteilungen der Staatsanwaltschaft und der Kripo, die für die Verfolgung und Aufklärung von Kapitalverbrechen zuständig sind, wohl erst noch weitere Zeugen vernehmen müssen, sind auch die Ermittler der Rauschgiftdezernate mit dem Fall beschäftigt.

600 Gramm Marihuana dabei

Der Verdacht, dass der 20-Jährige mit rund 600 Gramm Marihuana Handel treiben wollte, sind nach dem Betäubungsmittelgesetz eine schwere Straftat.

Und der junge Mann ist bei den Behörden keineswegs ein unbeschriebenes Blatt. Bereits siebenmal ist er verurteilt worden, zweimal davon „einschlägig“, weil Rauschgift im Spiel war.

Für die Staatsanwaltschaft Hanau ist das zunächst der Hauptgrund, den Verdächtigen noch am Freitag dem Amtsgericht vorzuführen. Dort wird am Nachmittag ein Haftbefehl erlassen.

Denn neben dem dringenden Tatverdacht, ein Drogendealer zu sein, sieht das Gericht die Fluchtgefahr des Mannes, der ausländische Wurzeln besitzt.

Damit wird auch die Obdachlosigkeit des 20-Jährigen vorerst beendet. Er wird umgehend ins Untersuchungsgefängnis eingeliefert.

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