Die Neue Mitte von Bruchköbel soll Aufenthaltsqualität im Grünen bieten, wie diese Ansicht des geplanten Stadthauses aus der Animation des Stadtmarketings zeigt. Foto: PM

Bruchköbel

Schoofs-Geschäftsführer Mohamed Younis über Bruchköbels Mitte

Bruchköbel. Der Stadtumbau in Bruchköbel geht bald los. Den Zuschlag für den Bau des neuen Stadthauses, einer großflächigen Tiefgarage mit 226 Stellplätzen sowie der Freifläche um das Stadthaus herum, hat die Schoofs Immobiliengesellschaft erhalten.

Das Unternehmen mit Sitz in Frankfurt hat sich in dem rund ein Jahr andauernden Wettbewerblichen Dialog für die Stadt als bester Anbieter erwiesen. Nach Angaben der Verwaltung waren gleich mehrere Bewerber an den ‧Gesprächen beteiligt. Für die Umsetzung des Projektes soll Schoofs die Summe von 26,8 Millionen Euro erhalten.

Bekannt ist das Unternehmen in der Region, weil es auch das Einkaufszentrum Rondo in Steinheim gebaut hat. Unsere Zeitung hat jetzt mit Mohamed Younis, dem Geschäftsführer des Unternehmens gesprochen.

Ist der Auftrag in Bruchköbel für Sie ein außergewöhnliches Projekt?Das ist in der Tat ein besonderer Auftrag. Wir sind hier nicht als Bauherr tätig, sondern als Generalunternehmer. Das heißt, wir bauen nach den Vorgaben von Dritten. Wir haben sechs, sieben Jahre die Entwicklung in Bruchköbel verfolgt und sind natürlich sehr froh, den Auftrag bekommen zu haben. Wir haben zwischendurch schon den Glauben daran verloren verloren. Wir hatten uns auch an der ersten Ausschreibung vor sieben Jahren beteiligt, die ja damals aufgehoben wurde.

Hat Sie der ewige Hickhack im Stadtparlament Nerven gekostet?Na, ja ich habe dafür Verständnis, schließlich handelt es sich bei der Stadtmitte um das Herz einer Stadt. Ich kann schon nachvollziehen, dass sich die Politik da sehr viele Gedanken gemacht und hin- und herüberlegt hat. Diese Verbindung zwischen Tiefgarage, Rathaus und Handel macht die Sache nicht ganz einfach. Das ist ja auch mit ein Grund, warum sich die ganze Sache so lange hingezogen hat. Wenn es nur ein Rathaus zu bauen gegeben hätte oder nur ein Rewemarkt, wäre das alles nicht so kompliziert gewesen. Aber die Tiefgarage mit ihren technischen Herausforderungen war sicherlich ein wichtiger Grund, warum wir jetzt erst ein Ergebnis haben.

In Ihrem Portfolio findet man überwiegend Supermärkte. Betreten Sie in Bruchköbel Neuland?Nein, das ist so nicht richtig. In den letzten Jahren haben wir diese Märkte immer in Verbindungen mit Wohnungen gebaut. Es handelte sich stets um eine gemischte Nutzung. Wir bauen ja auch die Neue Mitte in Dreieich: mit Handel, Sparkasse, Arztpraxen, Büros und Wohnungen. Wobei der Handel sicherlich ein Hauptbaustein ist. Darin sehen wir die Zukunft, es werden immer weniger Märkte auf der grünen Wiese gebaut. Der Trend geht hin zur Quartierversorgung.

Die Stadt hat ursprünglich einen Anbieter gesucht, der zumindest die Hälfte die Finanzierung der Tiefgarage übernimmt. Warum haben Sie davor zurückgeschreckt?So ist das nicht, wie Sie es formuliert haben. Wir haben ja mit der Stadt mehrere Modelle erarbeitet. Ein Modell wäre gewesen, dass wir die Tiefgarage komplett auf eigene Kosten gebaut und betrieben hätten. Ein weiteres Modell wäre gewesen, die Tiefgarage zu trennen: halb die Stadt, halb der Investor. Jetzt ist die Entscheidung so ausgefallen, dass wir bauen und die Stadt finanziert und betreibt.

Warum hat man sich für dieses Modell entscheiden?Die Antwort liegt bei der Stadt. Aber lassen Sie es mich so ausdrücken: Es spricht viel dagegen, so ein Projekt wie die Tiefgarage zu teilen. Von daher gab es zwei Lösungen: Entweder wir bauen und bezahlen oder die Stadt tut es. Im ersten Fall hätte die Stadt zwar nicht die Mehrkosten von 5,7 Millionen Euro gehabt, hätte aber monatlich bei mir Miete zahlen müssen. Ich nehme an, die Stadt hat sich für die zweite Option entschieden, weil sie die finanziellen Mittel dafür hat. Wir haben im Dialogverfahren die Aufgabe bekommen, alle Optionen auf den Tisch zu legen, aber die Entscheidung lag letztlich bei der Stadt.

Ein großes Thema sind die Kosten. Sie haben sich mit der Stadt auf einen Pauschalpreis von 26,8 Millionen Euro geeinigt. Es gibt Befürchtungen seitens der FDP im Stadtparlament, einer Oppositionspartei, in dem noch zu flechtenden Vertragswerk könnten sich Klauseln verstecken, um unvorhergesehe Ausgaben zu deckeln.Was dagegen spricht, dass es Mehrkosten gibt, ist die Tatsache, dass die Stadt die vollständige Planung übernommen hat. Sie hat wirklich alles geplant. Wenn ich also mit Mehrkosten käme, wüsste ich nicht, wie ich die begründen sollte. Gut, man weiß natürlich nicht, was im Boden steckt. Problematisch wären einzig und allein Altlasten, alles andere ist geklärt.

Werden Sie den Supermarkt in Ihrem Bestand halten oder an Rewe weiterverkaufen?Wir werden den Markt zunächst einmal an Rewe vermieten, das ist klar. Alles andere ist noch nicht geklärt. Aber der Supermarkt wird wohl nicht in unserem Bestsand bleiben.

Im Herbst soll die Entscheidung über die Vergabe des Wohn- und Geschäftshauses am Standort des heutigen Bürgerhauses fallen. Haben Sie bei diesem Projekt auch mitgeboten?Ja, da haben wir auch ein Angebot vorgelegt. Aber unsere Konzentration gilt jetzt erst einmal dem Projekt, für das wir den Auftrag erhalten haben.

Wie ist Ihr Zeitplan?Wir werden gleich nach den Sommerferien schon mit den bauvorbereitenden Maßnahmen beginnen.

Sind Sie zuversichtlich, ausreichend Handwerker für das Bauvorhaben zu finden? Wie man weiß sind deren Auftragsbücher prall gefüllt.Also, es ist sicherlich nicht so, dass Kapazitäten auf dem Markt frei sind, die man sofort abrufen kann. Wir haben natürlich während der langen Verhandlungszeit schon einmal Kapazitäten reserviert. Jetzt, wo wir den Zuschlag bekommen haben, werden wir die Suche weiter intensivieren. Der Vorteil ist, dass wir mindestens ein halbes Jahr an vorbereitenden Maßnahmen vor uns haben. Die Baustelle muss verbaut werden. Wir müssen zigtausend Kubikmeter Bodenmaterial wegschaffen. Da gibt es nur wenige Firmen, die dafür in Frage kommen, da bekommen wir eine. Bis wir im März, April mit dem Hochbau beginnen, werden wir auch Handwerker gefunden haben. Da bin ich sehr zuversichtlich.

Das Gespräch führte Holger Weber

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