Holger Hüfner geht stets in voller Montur an den Start. Fotos: Privat

Bruchköbel

Running Firefighter: In voller Montur für den guten Zweck

Bruchköbel. Holger Hüfner ist ein „Running Firefighter“. Der Berufsfeuerwehrmann aus Frankfurt nimmt seit 2015 an Veranstaltungen wie dem Bruchköbeler Stadtlauf teil, um Spenden für soziale Projekte zu sammeln.

Von Gabriele Reinartz

Das Besondere: Der Sportbegeisterte ist bei jedem Wind und Wetter in kompletter Feuerschutzkleidung unterwegs, inklusive Atemschutzflasche und Helm.

„Auf die Idee, als 'Running Firefighter' an Laufwettkämpfen teilzunehmen, hat mich Matthias Skapczyk gebracht, ein Feuerwehrmann in Bayreuth.“ Hüfner wurde vor rund fünf Jahren auf Facebook auf ihn aufmerksam, als er in seiner Berufskleidung am Frankfurt Marathon teilnahm, um Spenden für die Paulinchen Stiftung zu sammeln. Er fand diese Idee gut und kontaktierte ihn. Eines Tages rief Skapczyk an und fragte, ob Hüfner nicht für die Deutsche Krebshilfe laufen wolle.

Großes Anliegen

Und Holger Hüfner wollte. Der Feuerwehrmann, der in Frankfurt arbeitet und in Bruchköbel lebt, gründete kurzerhand eine WhatsApp-Gruppe mit interessierten Mitläufern. Gemeinsam planten und organisierten sie die Laufstrecke von Flensburg nach Garmisch-Partenkirchen, bis es dann endlich nach anderthalb Jahren Vorbereitung losging. „Wir sind Staffel gelaufen, jeder von uns legte am Tag in etwa 15 Kilometer zurück. Am Ende konnten wir nahezu 30 000 Euro für die Krebshilfe einsammeln. Für mich war dieser Lauf der Startschuss für meine jetzige 'Running Firefighter-Karriere'“, erzählt er.

Unheilbar erkrankten Kindern und ihren Familien zu helfen, ist Hüfner ein großes Anliegen. Denn als Kind musste seine Familie ein ähnliches Schicksal erleiden. „Mein Bruder kam mit einer Anomalie auf die Welt. Woran er genau litt, wissen wir bis heute nicht. Aber als Familie verbrachten wir viele Tage und Stunden in Krankenhäusern.“

Für LaLeLu als Botschafter unterwegs

Sein Bruder wurde kein Jahr alt. So lag es für Hüfner auf der Hand, die gesammelten Spenden dem gemeinnützigen Verein LaLeLu in Bruchköbel sowie dem Kinderhospiz Mitteldeutschland in Tambuch-Dietharz zukommen zu lassen; beide kümmern sich um Familien mit unheilbar erkrankten Kindern. Ihm sei es wichtig zu wissen, wohin das Geld geht, das er erläuft, sagt er. Seit einem Jahr, erzählt er, ist er sogar für LaLeLu als Botschafter unterwegs.

Aber wie kam er nur darauf, beim Laufen nicht nur die Uniform, sondern auch noch die Atemluftflasche und den Helm zu tragen? „Das ist symbolisch zu verstehen“, erläutert er.

„Meine Ausrüstung wiegt um die fünfzehn Kilogramm und wird im Laufe der Zeit durch den Schweiß sogar noch schwerer.“ Das Gewicht solle die schwere Last ausdrücken, die Eltern zu tragen haben, wenn ihr Kind unheilbar erkrankt ist. Im Mai diesen Jahres haben Hüfner und seine Frau Katrin und am 21 Kilometer langen Rennsteiglauf in Thüringen teilgenommen. Da gab es ziemliche Höhenunterschiede zu überwinden. „Für uns waren es die Höhen und Tiefen, die betroffene Familien durchleben müssen.“

Im August in Bruchköbel am Start

Mittlerweile hat sich der Berufsfeuerwehrmann nicht nur bei laufbegeisterten Menschen in Deutschland einen Namen gemacht. Auch Nichtjogger kennen ihn. Daher sucht er regelmäßig die Öffentlichkeit, um mit seinen sportlichen Aktivitäten für soziale Projekte zu werben.

Im August startet er wieder beim Stadtlauf in Bruchköbel und hofft erneut auf breite Unterstützung. „Wenn jeder nur einen Euro spendet, kommt am Ende ein ansehnlicher Betrag heraus“, sagt er. Auch Hüfner selbst spendet, und zwar einen Euro für jeden erlaufenen Kilometer. Dabei spielt es für ihn keine Rolle, ob es sich um einen Trainingskilometer oder um einen Wettkampf handelt.

Zeitraubendes Hobby

Apropos Training: Als Feuerwehrmann ist es Hüfner gewohnt, in voller Ausrüstung für den Ernstfall zu üben. Daher halten ihn auch keine hohen sommerlichen Temperaturen vom Laufen ab. „Man lernt mit der Zeit seine Grenzen kennen. Beim Spendenlauf kann ich ja meinen Schutzanzug vorn geöffnet lassen, das kühlt. Bei der Brandbekämpfung geht so etwas natürlich nicht.“ Zwischen Beruf und Hobby sieht er Synergien: Trainieren und laufen, um fit zu bleiben, damit er am Ende Menschen helfen kann.

Alles in allem geht für sein außergewöhnliches Hobby schon sehr viel Zeit drauf. „Umso schöner ist es, dass meine Frau auch läuft und wir zusammen trainieren können.“ In der Regel laufen sie bevorzugt Marathon- (42,2 Kilometer) und Ultra-Marathonstrecken (bis 55 Kilometer). Allerdings sind sie seit sieben Monaten Eltern, sodass zumindest für Katrin die Strecken deutlich kürzer geworden sind. Aber bei Kurzstrecken ist ihr Söhnchen immer dabei. „Wir setzen ihn dann in einen Jogger, und los geht‘s.“

Bewusstsein fürs Helfen schaffen

Hüfner hat im Internet bereits eine große Community, die ihm folgt beziehungsweise sich seiner Idee angeschlossen hat. Viele von ihnen laufen mittlerweile selbst in ihren Berufsuniformen für einen guten Zweck. Das freut ihn ungemein.

„Ich bin schon ein bisschen stolz darauf, dass ich mit meiner Aktion vor vier Jahren den Stein ins Rollen gebracht habe“, gesteht Hüfner. „Aber ich möchte mich nicht in den Mittelpunkt schieben. Als Feuerwehrmann bin ich es gewohnt, Menschen zu helfen. Füreinander da zu sein, ist in unserer heutigen Gesellschaft leider etwas verlorengegangen. Es würde mich sehr freuen, wenn ich mit meinen Läufen wieder dafür ein Bewusstsein schaffen könnte.“

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