Direkt am Bruchköbeler Wald gelegen sind die Grundstücke in den Baugebieten Peller II und III attraktiv. Das Interesse ist dementsprechend groß gewesen. Doch nur knapp jeder Siebte kommt auch zum Zug. Foto: Häsler

Bruchköbel

Rennen um die Bauplätze in Bruchköbel - Vergabepraxis kritisiert

Bruchköbel. Baugrundstücke in Bruchköbel sind ein knappes Gut. In der letzten Stadtverordnetensitzung gaben die Parlamentarier ihr Einverständnis zum Verkauf von 46 von insgesamt 59 Parzellen, die in den Baugebieten Peller II und III noch im Besitz der öffentlichen Hand sind.

Von Holger Weber

Über den Verkauf der restlichen soll im Rahmen der nächsten Sitzung am 11. Dezember abgestimmt werden. Die Nachricht, dass die Grundstücke so gut wie vergeben sind, hat bei vielen Interessenten für Unmut gesorgt.

In einem Bruchköbeler Facebook-Forum beschwerte sich eine junge Frau, die sich nach eigenen Angaben vor zwei Jahren auf die Bewerberliste setzen lassen hatte, darüber, dass sie von der Stadt nicht informiert worden sei und dass anstelle von Bruchköbler Bürgern Anwärter aus Frankfurt und Wiesbaden den Vorzug bekommen hätten: „Es hieß Ende des Jahres, Anfang 2019 bekommen wir Post. Jetzt erfahren wir, dass alle Grundstücke bei der letzten öffentlichen Sitzung verkauft wurden. Wie kann so etwas sein? Wir sind echt mega sauer, dass man uns so hingehalten hat und jegliche Chance auf ein Grundstück genommen hat“, schreibt sie.

Bürgermeister weist Kritik zurück

Ein anderer bemängelte, dass der Termin für die Vergabe immer wieder verschoben worden sei. „Wir sind raus . . . nächstes Jahr ziehen wir nach Neuberg und unsere Steuern mit uns. Aber für das überhebliche Bruchköbel sind Leute aus Frankfurt und Wiesbaden wohl besser als junge Familien aus dem eigenen Ort. Schade, aber Realität“, so sein Kommentar.

Bürgermeister Günter Maibach weist die Kritik im Gespräch mit unserer Zeitung zurück. Für die Vergabe von Grundstücken werde das sogenannte Bruchköbeler Modell herangezogen, eine Art Punktesystem. Punkte gebe es danach beispielsweise für Bewerber mit einem Wohnsitz in Bruchköbel und für Kinder. Auch Kriterien wie Einkommen würden beim Bruchköbeler Modell berücksichtigt.

Für die 59 städtischen Grundstücke in den Baugebieten Peller II und III habe es insgesamt 390 Anfragen gegeben. Darüber hinaus wurden 23 weitere Grundstücke von privat von Grundstücksbesitzern veräußert. „Dass wir nicht für alle Bewerber genügend Grundstücke haben, liegt doch angesichts dieser Nachfrage auf der Hand“, so der Verwaltungschef.

390 Anfragen für 59 Baugrundstücke

Eine Information für die Bewerber, die nicht berücksichtigt werden konnten, habe es bisher noch nicht gegeben, weil der Prozess noch nicht gänzlich abgeschlossen worden sei. „Es passiert immer wieder, dass Bewerber letzten Endes noch einen Rückzieher machen und Grundstücke wieder frei werden“, berichtet Maibach. Auch gerade jetzt sei wieder eine Fläche frei geworden. Oftmals scheitere es bei manchen Anwärtern an der Finanzierung des Vorhabens, die im Fall von Peller II und III eine besonders hohe Hürde sei.

Die Quadratmeterpreise in den beiden Baugebieten sind enorm hoch. 370 Euro beträgt dort der Mindestsatz, für Feldrandlage müssen die Häuslebauer sogar 390 Euro hinlegen. Die Stadt hatte die Preise seinerzeit mit den teuren archäologischen Grabungen begründet, die der Erschließung der Baugebiete vorausgegangen waren. Dabei waren zahlreiche bedeutende Funde gemacht worden.

Dass es bei der Vergabe immer wieder Verzögerungen gegeben habe, erklärte Maibach mit den Eigentumsverhältnissen. Die Stadt habe vor der Vermarktung der Grundstücke viele Flächen erst selbst ankaufen müssen.

Vor dem Eintrag ins Grundbuch könnten die Grundstücke jedoch nicht weiterverkauft werden, so der Bürgermeister.

Das könnte Sie auch interessieren