Am Piano fühlt sich Michael Lörcher wohl. 40 Jahre nach seinem ersten Konzert für den Kulturring spielt er am 25. Februar ein letztes Mal im Rathaussaal. Foto: Reinartz.

Bruchköbel

Pianist Michael Lörcher verabschiedet sich mit letztem Konzert

Bruchköbel. 40 Jahre lang gehörte der Pianist Michael Lörcher zum musikalischen Ensemble des Kulturrings Bruchköbel. Jetzt verabschiedet sich der gebürtige Hanauer mit einem allerletzten Konzert von seinem Bruchköbeler Publikum.

Von Gabriele ReinartzEr spricht ruhig und leise, setzt seine Worte mit Bedacht. So wie die Anschläge am Klavier, wenn seine Hände gefühlvoll und sicher die Tasten bedienen. Michael Lörcher ist Pianist aus Leidenschaft und Berufung. „Ich wollte schon immer Musik studieren, Pianist werden“, erzählt er, „bereits als Jugendlicher stand dieser Berufswunsch fest.“

Etwas anderes kam für ihn nie in Frage, höchstens mal als kleiner Junge, als er wie so viele in seinem Alter Lokomotivführer werden wollte. Doch dieser Wunsch verblasste so schnell, wie er gekommen war. Von seinem Vater Friedrich Lörcher übernahm er die Liebe zum Klavier, denn auch dieser beherrschte das Instrument, wenngleich er ein Hobbypianist blieb.Großes Talent früh erkanntDass sein Sohn ein großes Talent hatte, erkannte der Vater sehr früh und schickte ihn daraufhin zum Klavierunterricht zur damaligen Lehrerin Erika Scharlau-Fortun. Bei ihr lernte der Knabe Lörcher neun Jahre lang, bis er im Alter von 16 Jahren zum Musikpädagogen, Alfons Kottmann aus Großauheim, wechselte und von ihm bis zur Aufnahmeprüfung an der Musikhochschule Frankfurt im Herbst 1974 weiter ausgebildet wurde. Lörchers damalige Lieblingsmusik – kein Rock, kein Pop, sondern Werke von Mozart, Beethoven, Chopin und Liszt.

Zwischenzeitlich war die Familie Lörcher von Michaels Geburtsstadt Hanau nach Roßdorf gezogen. Auch dieser Umzug, so könnte man sagen, prägte sein musikalisches Talent. „An der Karl-Rehbein-Schule, an der ich 1974 das Abitur machte, war ich im künstlerischen Zweig unterwegs, Musik wurde dort schon zu meiner Zeit gefördert“, schildert er seine Schulzeit.Zusatzstudium drangehängtUnd in der evangelischen Kirchengemeinde in Roßdorf war Lörcher bereits im zarten Alter von 13 Jahren dem damaligen Organisten nachgefolgt, der aus Altersgründen aufgehört hatte. Nach der Aufnahme des sonntäglichen Orgelspiels belegte er in den Schulferien regelmäßig Fortbildungskurse in der Kirchenmusikschule Schlüchtern, die er 1972 mit der Landeskirchlichen C-Prüfung abschloss. Bis zu seinem Abitur erhielt er regelmäßig Orgel- und Theorieunterricht bei Kirchenmusikdirektor Gerhard Holzner.

„Nach dem Abitur ging ich an die Hochschule für Musik in Frankfurt“, fährt Lörcher fort. „Zuerst studierte ich Instrumentalmusik-Pädagogik für das Fach Klavier, dann hängte ich noch ein Zusatzstudium dran, nämlich die Künstlerische Reifeprüfung“, erzählt er. Seine damalige Professorin in Frankfurt war Gisela Sott. Schon während dieser Zeit gab er Konzerte auch für den Kulturring Bruchköbel. Auch einige von Lörchers ersten Klavierschülern traten regelmäßig in Matinee-Vorstellungen des Kulturrings im Rathaus auf.„Zeit für ein Hobby habe ich nicht“Dank seiner Schwester Ursula Lörcher-Fliedner, die heute in Bruchköbel eine private Musikschule leitet, ist Lörchers Kontakt zur Heimat trotz beruflich bedingten Wegzugs nach Franken erhalten geblieben. Denn 1982 verschlug es den diplomierten Klavierpädagogen an die damals erst neu gegründete Berufsfachschule für Musik des Landkreises Rhön-Grabfeld im Bezirk Unterfranken in Bad Königshofen, zwischen Bad Neustadt und Coburg gelegen. Dort lehrt Lörcher bis heute sehr erfolgreich das Fach Klavier. „Ich bereite meine Schüler auf die Aufnahmeprüfungen an Musikhochschulen und Konservatorien vor“, erzählt er bescheiden. Eigentlich aber, um der Wahrheit näher zu kommen, erreichen die von ihm ausgebildeten Absolventen fast alle Studienplätze an renommierten Hochschulen für Musik in ganz Deutschland.

Noch bis 2021 wird Lörcher der Berufsfachschule im Frankenland treu bleiben, dann wird er auch dort aus Altersgründen seinen Berufsweg beenden und in den wohlverdienten Ruhestand treten. Aber ob es dann tatsächlich ruhiger werden wird, bleibt abzuwarten. Wahrscheinlich übt er auch dann noch täglich mehrere Stunden auf dem Klavier. „Zeit für ein Hobby habe ich nicht“, bilanziert er. „Nur meinen Griechischkurs verfolge ich ernsthaft.“ Aber auch dieser hat einen beruflichen Anlass: Seit 1990 lassen sich regelmäßig Schüler und Schülerinnen aus Griechenland in seiner Klavierklasse ausbilden, um in Deutschland eine Aufnahmeprüfung an einer Musikhochschule zu erreichen.Ab und an Konzerte in GriechenlandEnge Kontakte zu seinen Ehemaligen pflegt er seitdem und ist unter anderem regelmäßig im Städtischen Musikkonservatorium in Larissa zu Gast. Seit einigen Jahren findet auch ein Schüleraustausch zwischen Berufsfachschülern und Studenten des Konservatoriums in Larissa statt. Lörcher ist oft in Griechenland, „zweimal im Jahr bestimmt“, sagt er; erst kürzlich ist er wieder von einer kurzen Tour zurückgekommen. Denn auch dort gibt er ab und an Konzerte.

Ähnlich wie in Bruchköbel, wo er bisher alle fünf bis sieben Jahre aufgetreten ist. Sein endgültig letztes Konzert für den Kulturring Bruchköbel gibt er am 25. Februar. 40 Jahre nach seinem ersten Auftritt.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema