Notdürftig geschützt: Günter Maibach hat ein Metallgitter am Stamm befestigt.
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Notdürftig geschützt: Günter Maibach hat ein Metallgitter am Stamm befestigt.

Null Respekt vor dem Bürgermeister a. D.

Der neue Nachbar von Günter Maibach vergreift sich genüsslich an dessen Baumwerk

  • Holger Weber-Stoppacher
    vonHolger Weber-Stoppacher
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Der Lebensbaum von Bruchköbels ehemaligem Bürgermeister ist angenagt. Jetzt hat er ein Foto des Vandalen schwarz auf weiß, denn er ist vor Maibachs Wildtierkamera getappt.

Bruchköbel – Der neue Nachbar von Bruchköbels Altbürgermeister Günter Maibach kommt immer unangekündigt zu Besuch. „Und dann auch noch zu Unzeiten“, sagt der ehemalige Verwaltungschef und lacht. Kurz vor Ostern hat er den Biber, der sich seit geraumer Zeit an seinen Bäumen vergreift (wir berichteten bereits) auf frischer Tat mit einer Wildtierkamera gefilmt.

Ausgerechnet, als sich das zottelige Tier an seiner Thuja zu schaffen machte, die er am Rande seines Gartens gepflanzt hat. Die Aufzeichnung wurden am Gründonnerstag um 21.36 Uhr gemacht.

Bruchköbels Bieber ist regelmäßiger Gast in Maibachs Garten

Maibach blickt auf die kahlen Stellen, die der Biber am Stamm hinterlassen hat. Rundfressen kann der Biber den Baum nicht mehr, weil er zwei Gitter vor den Stamm gebunden hat. Den Biber hat’s offenbar nicht weiter gestört. Er hat sich mit der Rinde des Gewächses zufriedengegeben. Die Lebenszeit des Baumes wird dadurch vermutlich beträchtlich verkürzt. Wahrscheinlich werde er jetzt austrocknen, habe ihm ein Ex-Kollege vom Bruchköbeler Bauhof prognostiziert. „Ein Jammer“, sagt Maibach. Den Baum hat er vor vielen Jahren, zu Beginn seiner Zeit als Bürgermeister, geschenkt bekommen. Böse ist er dem Tier allerdings nicht. So sei eben die Natur und von irgendetwas müsse sich der Nager schließlich ernähren, zeigt sich der der Bürgermeister a. D. kulant.

Ist jetzt auch in Bruchköbels Stadtzentrum heimisch geworden: Der Biber, der sich seit seiner Wiederansiedlung im Main-Kinzig-Kreis erfolgreich fortgepflanzt hat.

Das Holz seiner Thuja ist nicht unbedingt die Leibspeise des Bibers. Viel lieber knabbert er an Weiden und Pappeln. Aber wenn er Hunger habe, seien ihm auch Nadelgehölze wie Maibachs Lebensbaum recht, meint Matthias Fink von der Oberen Naturschutzbehörde des Regierungspräsidiums Darmstadt. Dem sogenannten Bibermanagement der Behörde sind allein für ihren Bezirk 280 Standorte bekannt, an denen der Biber aktiv ist. Im Main-Kinzig-Kreis gebe es aktuell knapp über 100 Reviere.

Biber tappt in Bruchköbel vor die Wildtierkamera – Nachbarn fürchten um ihre Bäume

Die Bilder von Maibachs Wildtierkamera zeigen es deutlich: Es ist ein stattliches Tier, das da am Krebsbach mitten in Bruchköbel offenbar heimisch geworden ist. Oder sind es sogar mehrere Biber? Eine Familie kann mitunter acht Mitglieder betragen. Ob es in der unmittelbaren Nähe gar eine Biberburg gibt, das weiß Maibach nicht. Und weder der entsprechenden Stelle in der Stadtverwaltung noch der Behörde in Darmstadt liegen darüber Erkenntnisse vor. „Es kann in Einzelfällen vorkommen, dass Biber auf Nahrungssuche in die Orte gelangen“, meint der Biberbeauftragte Matthias Fink.

Maibachs Nachbarn, die jetzt ebenfalls um ihre Bäume fürchten könnten, rät er, eine engmaschige Drahthose mit einer Höhe von einem Meter anzubringen. Dies reiche in der Regel aus, um den Baum vor einem weiteren Verbiss des Tieres zu schützen.

In Bruchköbels Auen ist der Biber schon lange heimisch – jetzt taucht er in der Kernstadt auf

In den Auen in Oberissigheim ist der Biber schon lange heimisch. Vor einigen Jahren musste dort einmal der Spielplatz gesperrt werden, weil der Biber die Bäume am Rande des Krebsbachs derart bearbeitet hatte, dass sie auf das Gelände zu stürzen drohten.

Dass er jetzt mitten in der Krenstadt Bruchköbels auftaucht, zeugt allerdings von einer gewissen Respektlosigkeit. Und dass er sich auch noch den Garten des ehemaligen Stadtoberhaupts aussucht, könnte man als Gipfel der Dreistigkeit betrachten. Maibach sieht’s mit Humor und bezeichnete den hungrigen Nager als sein neues Haustier.

Biber soll einen Namen bekommen – Bruchköbels Ex-Bürgermeister sammelt Vorschläge

Ein Biber kann von der Nase bis zur Spitze seines charakteristisch platten Schwanzes eine Länge von 1,30 Meter erreichen und durchaus bis zu 45 Kilogramm schwer werden. Mit seinen Nagezähnen, die er durch ständiges Aneinanderreiben immerzu in messerscharfem Zustand hält, stellt es für ihn zudem kein Problem dar, Bäume mit einen beträchtlichen Durchmesser zu Fall zu bringen.

Auf frischer Tat gefilmt: Der neue Nachbar vergreift sich an der Thuja, die Maibach geschenkt bekommen hat.

In der Whatsapp-Gruppe, über die sich die ehemaligen Bürgermeister im Kreisgebiet austauschen, werde bereits ein Name für den Biber gesucht, nachdem unsere Zeitung über seinen neuen Nachbarn in der Ausgabe vom Mittwoch berichtet hatte, erzählt Maibach schmunzelnd. Der Biber sei übrigens nicht das einzige Haustier, dass sich auf seinem Grundstück entlang der Krebsbachauen wohlfühle. Auch Marder und Waschbären streifen nächtens durch seinen Garten und vor der Linse seiner Wildtierkamera umher.

Bibermanagement in Bruchköbel bittet Aktivitäten zu melden

Der Biber kann jedoch durch das Stauen von Gewässern Einfluss auf die Hochwasserlage in der Stadt nehmen. Deshalb bittet das Bibermanagement darum, frühzeitig Biberaktivitäten zu melden.

Die Aufgaben des Bibermanagements bestehen aus Präventionsarbeit, Maßnahmen zur Schadensvermeidung und -minimierung. Eine frühzeitige Kenntnis von Biberaktivitäten sei daher von großer Bedeutung. Gemeinsam mit den Betroffenen und weiteren zuständigen Institutionen würden Lösungen erarbeitet, um absehbare Konflikte zu lösen, so die Behörde. (Holger Weber)

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