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Niederissigheimer sucht Grenzerfahrung

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Von: Holger Weber-Stoppacher

Initiator und Läufer der Grenztour: Holger Hüfner aus Niederissigheim.
Initiator und Läufer der Grenztour: Holger Hüfner aus Niederissigheim. © -

Bruchköbel – Nach etwa fünf Kilometern läuft der Schweiß aus den Ärmeln. Je nach Witterung vielleicht auch schon früher, sagt Holger Hüfner. Der Niederissigheimer ist einer von zwölf Läufern, die am kommenden Samstag in voller Feuerwehrmontur auf die sogenannte Grenztour gehen, einem Lauf entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Und das für den guten Zweck.

Der Erlös der Aktion geht zugunsten der Deutschen Krebshilfe.

Bereits vor sieben Jahren war Hüfner schon einmal im Team der Feuerwehrleute aus ganz Deutschland. Damals durchquerten die Brandbekämpfer die Republik von den Alpen bis an die Ostsee. Der Erlös Betrug seinerzeit 28 000 Euro. „Die wollen diesmal noch getoppt werden“, ist der 44-Jährige zuversichtlich. Hüfner ist nicht nur Läufer, sondern mit seiner Frau Katrin auch Initiator des Teams. Er ist also auch für die Organisation und Koordination des Events verantwortlich. Anderthalb Jahre Vorbereitung sind der Grenztour vorausgegangen, die am kommenden Samstag, 11. Juni, in Regnitzlosau, im ehemaligen Dreiländereck beginnen und am 20. Juni in Schwanheide bei Lübeck enden wird.

Um vier Uhr morgens geht es los

In aller Frühe, um vier Uhr, wird Holger Hüfner am Samstag als Startläufer auf die Strecke und bei der Grenztour erstmals an seine Grenzen gehen. Die volle Ausrüstung, das heißt Schutzanzug, Helm sowie das Atemschutzgerät mit der leeren Flasche wiegen rund 18 Kilogramm. Jeder der zwölf Teilnehmer läuft am Tag eine Etappe von zehn Kilometern. Also legt das Team insgesamt 120 Kilometer am Tag und rund 1200 Kilometer insgesamt zurück. Hüfner ist einer von drei Feuerwehrmännern, die 2016 an dem Lauf durch Deutschland teilgenommen haben, alle anderen sind neu im Team. Seine Erfahrung wird der Mannschaft bei der Premiere helfen.

Hart wird es, wenn es auf den Brocken, den höchsten Berg im Harz, geht. „Wenn das Plateau erreicht worden ist, haben wir das Schlimmste hinter uns, dann geht es nur noch bergab und in der Ebene weiter, sehnt sich der Hüfner bereits diesem Augenblick entgegen. Insgesamt liegen 15 000 Höhenmeter vor dem Team. Zehn Kilometer am Tag erscheint für einen durchtrainierten Körper auch mit schwerem Gepäck als durchaus machbar. „Wir machen das Programm jedoch zehn Tage hintereinander“, hat Hüfner dennoch ziemlichen Respekt vor der Aufgabe, die vor ihm liegt.

Leidenschaftlicher Triathlet

Der 44-Jährige ist von Beruf Feuerwehrmann in Frankfurt und in seiner Freizeit ein leidenschaftlicher Triathlet. Er bringt also alle Voraussetzungen mit sich. Und auch die anderen seien körperlich fit, sagt er. Dennoch befinden sich im Schatten der Teilnehmer bei ihrem Lauf über die Panzerplatten aus Beton stets ein Fahrradfahrer sowie ein Begleitfahrzeug. Ihr Gesundheitszustand wird somit ständig überwacht. Zum Team gehören deshalb auch noch sechs weitere Mitarbeiter, die die Läufer zum Einen begleiten, aber auch dafür zuständig sind, die Nachtlager des Teams herzurichten. Die Etappenziele stehen bereits jetzt fest. Übernachtet wird in Feuerwehrgerätehäusern.

Fast überall haben sich die jeweiligen Gastgeber, also die Freiwilligen Feuerwehren vor Ort, ins Zeug gelegt, um den Grenzläufern einen gebührenden Empfang zu bereiten. In Simmershausen und Ummerstadt werden zu Ehren der schwitzenden Läufer regelrechte Dorffeste organisiert. „Das ist auch der Grund, warum wir bereits morgens um vier Uhr starten. So sind wir bereits früher am Tagesziel und können noch Zeit mit unseren Gastgebern verbringen“, erklärt Hüfner. Viele hätten sich auch angeboten, unterwegs Getränkestände aufzubauen, doch habe man gebeten, davon Abstand zu nehmen, weil man einen stringenten Zeitplan verfolge. „Am meisten helfen uns die Feuerwehren, wenn sie klatschen, ein Spalier bilden oder uns mit dem Martinshorn begrüßen“, sagt Hüfner. Auch lädt er die Feuerwehren vor Ort ein, den Tross der Grenztour ein Stück laufend zu begleiten. Das könne jeder gegen eine Spende von zehn Euro tun, die natürlich auch zugunsten der Krebshilfe gingen. Für die restlichen Einnahmen sorgen Sponsoren, die nicht nur das Material stellen, sondern auch jeden zurückgelegten Kilometer mit Barem versüßen. „Jeder Cent ist für den guten Zweck bestimmt“, sagt Hüfner.

Das Image der Feuerwehr verbessern

Für die Feuerwehrleute gibt es neben dem Geld, das für die Krebsforschung eingesetzt werden soll, jedoch noch einen weiteren Grund, warum sie die schweißtreibende Aktion ins Leben gerufen haben: „Wir wollen ein für alle Mal mit dem Vorurteil aufräumen, bei der Feuerwehr handele es sich vor allem um einen Freibierverein“, sagt Hüfner. Fitness sei eine Grundvoraussetzung für Lebensretter.

Wer sich im Internet über den aktuellen Stand des Laufs erkundigen möchte, kann dies über die Homepage der Grenztour tun. Per GPS-Tracker sind die User über den Aufenthaltsort der Läufer immer im Bilde.

Ein kühles Bad in der Ostsee ist nicht die einzige Belohnung, die auf das drei Dutzend Teilnehmer wartet. Denn am Tag nach der Ankunft führt die Teilnehmer der Grenztour nach Hannover, wo zu dieser Zeit die Feuerwehrmesse Interschutz stattfindet. Dort werden die Grenzläufer von ihren Grenzerfahrungen vor einem Fachpublikum berichten.

Wer für die Aktion spenden möchte, kann das über das folgende Bankkonto tun: Kreissparkasse Köln: Konto 91 91 91 BLZ 370 502 99; IBAN: DE65 3705 0299 0000 9191 91; SWIFT/BIC: COKSDE 33XXX; Aktionsnummer: 49007746.

Infos gibt es unter der Homepage: » feuerwehr-deutschlandtour.de (Von Holger Weber)

Ein Teil des Teams: Im Wechsel werden die Feuerwehrleute die 1200 Kilometer entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze zurücklegen – zehn Kilometer täglich pro Läufer.
Ein Teil des Teams: Im Wechsel werden die Feuerwehrleute die 1200 Kilometer entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze zurücklegen – zehn Kilometer täglich pro Läufer. © BenjamiN THoran

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