Das Führungstrio des neuen Seniorenbeirats: Die Vorsitzende Dr. Margit Führes (Mitte) und ihre Stellvertreter Octavia Kaster und Matthias Herget haben viele Ideen und reichlich Erfahrung im ehrenamtlichen Bereich. Foto: Monica Bielesch

Bruchköbel

Nach fünf Jahren hat Bruchköbel wieder einen Seniorenbeirat

Bruchköbel. Mit Schwung und vielen Ideen ist der neue Seniorenbeirat in seine Arbeit gestartet. Gleich zwölf Männer und Frauen über 60 Jahre haben sich für diese ehrenamtliche Aufgabe bereit erklärt. Das ist erstaunlich, denn zuletzt gab es vor fünf Jahren einen Beirat für die ältere Bevölkerung in der Stadt.

Von Monica Bielesch

Im September schon hat sich nun der neue Seniorenbeirat konstituiert. Zur Vorsitzenden wurde Dr. Margit Führes gewählt. Ihre Stellvertreter sind Octavia Kaster und Dr. Matthias Herget. „Wir wurden nicht gewählt, sondern ernannt, das lässt die Satzung zu“, erklärt Margit Führes bei einem Glas Wasser in ihrem Haus am Saalburgring.Schriftführer ist Johannes Kortenhoeven. Zu den Beisitzern gehören Heidemarie Hampel, Walter Nuhn und Karlheinz Schädel. Darüber hinaus gehören dem Seniorenbeirat Inge Dietenhöfer, Monika Pauly, Walter Lorz, Rolf Lotz und Erich Sorg an. Vom alten Beirat sind nur noch Nuhn und Schädel dabei

„Wir verstehen uns auch als politisches Gremium“, sagt Führes. Die 66-Jährige selbständige Bausachverständige ist kein unbeschriebenes Blatt in Bruchköbel, sie war für die SPD 16 Jahre kommunalpolitisch aktiv, unter anderem als Fraktions- und Vorstandsmitglied. Überhaupt stehen einige der zwölf Seniorenbeiratsmitglieder der SPD nah oder sind Parteimitglied.

Erste Treffen gab es bereits

Die ersten Treffen und Sitzungen fanden bereits statt. Mit dem zuständigen Fachbereichsleiter Andreas Kalski, mit der für den Beirat zuständigen Sachbearbeiterin Stefania Winkler und Bürgermeister Günter Maibach (CDU). Weil Maibach am 1. April kommenden Jahres die Amtsgeschäfte an Sylvia Braun (FDP) übergibt, will auch der Seniorenbeirat mit vielen Themen abwarten, bis die neue Bürgermeisterin an Bord ist. Bei einem Treffen mit der Stadtmarketing GmbH wurde schon mal erreicht, dass die Webseite des Beirats wieder mit Leben gefüllt wird, so Führes. Auch will das Stadtmarketing Imagebroschüren entwerfen und dem Beirat zur Verfügung stellen. Zudem wird der Seniorenbeirat zu den einschlägigen Gremiensitzungen eingeladen und erhält Informationen.

Um eine Basis für die Beiratsarbeit zu haben, hat Matthias Herget Fleißarbeit geleistet und viele Zahlen über die Demografie Bruchköbels zusammengetragen. Die nicht überraschende Ergebnisse: Es gibt in der Stadt rund 5000 Menschen, die älter als 60 Jahre sind – Tendenz steigend. Betrug der Anteil der über 60-Jährigen vor vier Jahren noch 24 Prozent, werde er laut Hessischem Statistischem Landesamt im Jahr 2030 auf 38 Prozent steigen. Herget: „Fast die Hälfte der Wählerschaft ist über 60 Jahre alt.“ Führes konstatiert: „Bruchköbel ist überaltert.“ Im Vergleich mit anderen Kommunen sind ältere Menschen in Bruchköbel überrepräsentiert. Perspektivisch werden in zehn Jahren rund 8000 Senioren in der Stadt leben.

Lebenswerterer Lebensabend

Die im Speckgürtel Frankfurts liegende 20 000-Einwohner-Kommune müsse wieder attraktiver für junge Menschen und Familien werden. Außerdem müsse den älter werdenden Bürgern ein lebenswerter Lebensabend in Bruchköbel ermöglicht werden, meint die Beiratsvorsitzende. Dazu möchte langfristig auch der für die nächsten fünf Jahre ernannte Seniorenbeirat beitragen. So wolle der Beirat unter anderem aktiv bei den Detailplanungen für die Neue Mitte mitwirken. Um frühzeitig die Interessen der Älteren einzubringen.

Der Beirat will zudem die bereits vorhandenen zahlreichen Aktivitäten und Angebote von Vereinen zusammenstellen und besser vernetzen. Eine Ausstellung unter dem Titel „Was heißt schon alt?“ ist geplant, im kommenden Herbst soll es eine Gesundheitsmesse für Senioren im Bürgerhaus geben. Außerdem wird ab April 2020 eine regelmäßige Sprechstunde im Servicepoint (Räume der ehemalige Sozialen Dienste) angeboten.

Ein Schwerpunkt werde sicherlich das Thema Wohnen. „Wir besichtigen im Frühjahr ein Mehrgenerationenhaus in Hofheim, wir wollen uns dazu eine eigene Meinung bilden“, so Führes und ergänzt: „Beim Thema altersgerechtes Wohnen gibt es in Bruchköbel noch Luft nach oben.“ Auch die Themen Pflege und kulturelle Angebote sollen langfristig angegangen werden.

Keine Überforderung zu Beginn

Die Realisierung einer Seniorenzeitschrift stellt der Beirat ebenso vorerst hintenan. „Wir wollen am Anfang realistische Ziele verfolgen und uns nicht überfordern“, formuliert es der 62-jährige Herget, der von Beruf Physiker ist. Vor allem schaut der Beirat über den eigenen ‧Tellerrand, will unter anderem den sehr rührigen Seniorenbeirat Erlensee besuchen und sich dort inspirieren lassen.

Das Führungsteam des Beirats bringt viele Erfahrungen aber auch Visionen ein. So war die 65-jährige Kaster, die in einer Bank berufstätig gewesen ist, auch schon stellvertretende Vorsitzende des VdK Bruchköbel und hat ihre Eltern lange Jahre gepflegt. Sie wünscht sich eine lebendige Innenstadt in Bruchköbel. „Mehr Kultur, vielleicht eine Kleinkunst-Bühne oder ein Weinlokal.“ Herget wünscht sich eine Stadt in der er auch Lebensqualität hat, wenn er über 80 Jahre alt ist. „Barrierefrei und mit einem guten öffentlichen Nahverkehr.“ Eine Begegnungsstätte für Alt und Jung in der Innenstadt wünscht sich Führes. „Mehr Urbanität für die große Gruppe der Senioren, für Lebensqualität auch im hohen Alter.“

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