Das weitläufige Außengelände der Kita Sternenland in Roßdorf gefällt der 25-jährigen Ana (Zweite von links) besonders gut. Die junge Mexikanerin ist mit dem internationalen Austauschprogramm Weltwärts für ein Jahr lang in Bruchköbel und macht einen Freiwilligendienst in der Kindertagesstätte. Betreut wird sie von der städtischen pädagogischen Fachkraft Gita Gathof (von rechts), Diakonie-Mitarbeiterin Christina Wilcke sowie Valerie Tobies (links). Foto: Bielesch

Bruchköbel

Mexikanerin macht Freiwilligendienst in der Kita Sternenland

Bruchköbel. Das Austauschprogram Weltwärts hat es sich zur Aufgabe gemacht, nicht nur junge Menschen aus Europa in Entwicklungsländer zu bringen, sondern auch Freiwillige von dort hierher. Vor einem Monat hat in Bruchköbel eine junge Mexikanerin ihren Freiwilligendienst in der Roßdorfer Kita Sternenland begonnen.

Von Monica Bielesch

Ana aus Mexiko-City. Sie bleibt für ein ganzes Jahr. Ana kommt aus der Hauptstadt des mittelamerikanischen Landes: Mexiko-Stadt ist eine rieisige Metropole mit 8,8 Millionen Einwohnern. Sie wollte schon immer nach Deutschland, erzählt sie beim Treffen in der Kita an der Schäfergasse in Roßdorf.

Schon als Kind sei sie fasziniert gewesen von der deutschen Sprache, dem Klang, der Aussprache. „Ich wollte nicht nur für ein paar Wochen nach Deutschland reisen, sondern das Land und die Menschen richtig kennenlernen“, erzählt die 25-Jährige. Darum bewarb sie sich in ihrer Heimat für das Weltwärts-Programm und ist nun seit einem Monat im beschaulichen Bruchköbel.

Betreut wird sie von der Diakonie Hessen als Partnerorganisation des Weltwärts-Programms. In hessenweit sind aktuell 20 junge Erwachsene aus der ganzen Welt dank dieses internationalen Freiwilligenprogamms und der Diakonie im Einsatz, berichtet Christina Wilcke. Sie ist bei der Diakonie pädagogische Referentin und zuständig für die Betreuung der Freiwilligen, die in Kitas, Schulen oder Gemeinden eingesetzt werden.

Für die Kinder bereichernd

Mit der Stadt Bruchköbel arbeitet die Diakonie seit vielen Jahren zusammen, so Wilcke. Im vergangenen Jahr haben zwei junge Männer aus der Ukraine und aus Bosnien in zwei Kindertagesstätten ihren Freiwilligendienst gemacht. „Es ist das erste Mal, dass jemand aus Mexiko in Bruchköbel eingesetzt wird“, so Gita Gathof, bei der Stadt zuständig für die Kindertagesstätten. Sie betont die interkulturellen Vorteile für alle Beteiligten. „Ein solcher internationaler Austausch ist auch für die Kinder bereichernd.“

Ihre Heimat vermisst Ana nicht wirklich. Schließlich sei sie nach Deutschland gekommen, um sich persönlich weiterzuentwickeln und neues kennenzulernen, betont sie. Ein Mal in der Woche nimmt sie über Skype Kontakt zu ihren Eltern auf. „Die haben sich für mich gefreut, dass ich diese Chance bekomme“, erzählt sie. In Mexiko hat sie Kunstpädagogik studiert und sich daher für einen Einsatz in einer Kita beworben.

Den Kindern im Sternenland liest Ana viel vor, berichtet die kommissarische Leiterin der Einrichtung, Valerie Tobies. Auch im weitläufigen Außengelände der Kita spielt Ana viel mit ihren Schützlingen, schubst geduldig die Schaukel immer wieder an. Die Kleinen haben den weitgereisten Gast schon fest ins Herz geschlossen, fallen ihr mit lauten „Ana, Ana“-Rufen im Flur in die Arme.

Was in Deutschland anders ist

Noch lebt sich Ana in Deutschland ein. Schließlich ist vieles im kleinen Bruchköbel anders als in der Mega-Metropole Mexiko-City. „Die Ruhe“, sagt sie dann auch sofort als Antwort auf die Frage, was sie besonders am Alltag in Deutschland beeindrucke. Und: „Die Kinder sind so neugierig auf andere Kulturen“, hat sie in der Kita beobachtet. Auch dass die Menschen hier besonders fleißig sind, ist ihr aufgefallen. Dann lacht sie: „Und das deutsche Brot mag ich auch sehr.“

Über die Diakonie wird sie bald die Gruppe der weiteren Weltwärts-Freiwilligen kennenlernen. Es werden Studientage und Seminare zu entwicklungspolitischen Themen angeboten, so Wilcke von der Diakonie. „Wir besichtigen zusammen auch soziale Projekte wie die Tafeln oder Angebote für Obdachlose wie die Bahnhofsmission.“ So würden die Freiwilligen aus Südamerika oder Afrika die hiesigen Strukturen kennenlernen, mit denen soziale Probleme gelöst werden könnten.

Eine dicke Jacke steht auf dem Einkaufszettel

Wichtig sei auch die Vernetzung der Freiwilligen aus der ganzen Welt untereinander, betont Wilcke. „Das ist ein sehr prägendes Jahr für die jungen Teilnehmer“, weiß die Mentorin, „da gehen die Beziehungen sehr tief.“ Und das ist auch der Sinn des Weltwärts-Programms, welches ein Gemeinschaftswerk des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und der Zivilgesellschaft ist. Die Kontakte unter den Freiwilligen halten viele Jahre lang und werden durch Treffen der Ehemaligen immer wieder erneuert.

Ana gewöhnt sich gerade an das deutsche Klima. Zwar werde den Freiwilligen immer gesagt, dass sie warme Kleidung für den Winter in Europa bräuchten, erzählt Wilcke, aber die Realität überrascht die jungen Leute aus Afrika oder Südamerika regelmäßig. „Ich muss mir noch eine wärmere Jacke besorgen“, sagt Ana. Die wird sie brauchen, sie will auf jeden Fall noch ein deutsches Schloss und den Schwarzwald besuchen. Denn von den deutschen Wäldern hat sie schon als Kind in Mexiko geträumt.

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