Erläuterungen im Trockenlager: Firmenchef Roland Denecke erklärt die komplexe Logistik seines Unternehmens, das 1972 von seinem Vater in Niederissigheim gegründet wurde. Fotos: Alex Carrigan

Bruchköbel

Lebensmittelgroßhandel Deneck: Frisches für Schüler in Rhein-Main

Bruchköbel. Mit dem Schulstart am Montag beginnt nicht nur für Schüler und Lehrer wieder der Ernst des Lebens. Auch bei der Firma Gerhard Denecke aus Niederissigheim bedeutet das Ferienende einen spürbaren Rhythmuswechsel.

Von Holger Weber

Das Unternehmen mit Sitz an der Karl-Eidmann-Straße beliefert unter anderem Schulkantinen und Kindergärten im gesamten Rhein-Main-Gebiet mit Lebensmitteln. Manche der Schulcaterer auf der Kundenliste bereiten tagtäglich bis zu 6500 Essen zu. Geschäftsführer Roland Denecke schätzt, dass Schul- und Kindergartenkantinen rund 30 Prozent seines Gesamtumsatzes ausmachen.

Jeden Morgen werden rund 80 Tonnen Lebensmittel in Niederissigheim verladen: Milch- und Eiprodukte, Käse und Wurst, Feinkost, Tiefkühlprodukte wie Fleisch und Fisch, Trockenwaren wie Nudeln, Hülsenfrüchte, Süßwaren sowie frische Salate und küchenfertiges Gemüse. Das Sortiment des Unternehmens umfasst rund 4500 Artikel, die auf rund 4200 Palettenplätzen lagern und tagtäglich abrufbar sind.

Moderne Kühl- und Lagertechnik

Da es sich größtenteils um verderbliche Lebensmittel handelt, seien eine moderne Kühl- und Lagertechnik sowie eine optimale Logistik unabdingbar, erklärt der Unternehmenschef beim Rundgang durch die riesigen Hallen, die je nach Lagergut im Sommer eine Temperatur zwischen plus 20 und minus 25 Grad aufweisen.

Ausgefahren wird die Ware in 21 Frischedienstkühlfahrzeugen, die zum Teil mit Tiefkühlkammern ausgestattet sind. Vor allem in den vergangenen beiden Hitzesommern sei der lückenlose Transport der Tiefkühlware für seine Mitarbeiter eine echte Herausforderung gewesen. Weil es um Lebensmittel gehe, seien die Auflagen und Sicherheitsbestimmungen enorm komplex, berichtet Denecke. So werden beispielsweise die Mindesthaltbarkeitsdaten auf den Lieferscheinen dokumentiert, um die Frische und Rückverfolgbarkeit aller Produkte zu gewährleisten.

Der Kundenkreis des Niederissigheimer Familienunternehmens ist jedoch so groß, dass auch während der Ferien die Arbeit nicht ausgegangen ist. Denecke beliefert zwischen Bingen im Westen, Wertheim im Süden, Bad Wildungen im Norden und Suhl im Osten auch rund 100 Eisdielen. Hinzukommen zahlreiche Werksküchen wie die des Heraeus-Konzerns in Hanau, Altenheime wie das Martin-Luther-Stift und gastronomische Betriebe wie das „Clara“ am Hanauer Marktplatz. Und auch Hotels wie der „Hessische Hof“ in Frankfurt zählen zu seinen Abnehmern. Nicht zu vergessen sind die Kliniken und Krankenhäuser.

Täglich steuern Deneckes Lkw die Vinzenz-Klinik in Hanau an. Im Klinikum Frankfurt hat man sich auf die Logistik der gelb-weißen Lkw aus Niederissigheim so angepasst, dass die Ware dort nicht einmal mehr umgeladen werden muss, sondern direkt in die Küche geliefert werden kann. „Da kommt die Wurst sozusagen direkt aufs Brot“, bringt es Denecke auf den Punkt. Zudem lagern in den Hallen auch zahlreiche Paletten mit Lebensmitteln, die für die amerikanischen Streitkräfte in Europa und Nahost bestimmt sind.

24 Stunden im Einsatz

Um auch kurzfristige Bestellungen entgegenzunehmen, ist das Team im Lager nahezu 24 Stunden im Einsatz. Mit 75 Mitarbeitern gehört Denecke – was das Personal betrifft – zu den größten Bruchköbeler Unternehmen. Der Firmensitz befindet sich gleich neben dem Großmetzger Karl Eidmann. Klar, dass Denecke auch zahlreiche Waren aus der Eidmann'schen Produktion in seinem Sortiment führt.

Fünf Mitarbeiter sind nur für die Akquise und Kundenpflege zuständig. Dabei laufe die Kommunikation mit den großteils über das persönliche Gespräch. „Nur so erfahren wir doch, was der Kunde will“, meint Denecke.

Seit 1972 gibt es das Familienunternehmen, das von Roland Deneckes Vater Gerhard zunächst als eine Handelsagentur gegründet worden war, die für Industrieunternehmen deren Käse- und Milcherzeugnisse an Einzelhändler und Großmärkte vermarktete. Aufgrund des immer größer werdenden Konzentrationsprozesses im Lebensmitteleinzelhandel vollzog Roland Denecke in den 90ern jedoch eine strategische Neuausrichtung des Unternehmens und baute den Frischedienst für Großverbraucher auf.

Dieser Geschäftsbereich wachse seitdem anhaltend stark, so der Geschäftsführer. So stark, dass das Unternehmen in den Jahren 2001, 2010 und 2012 gleich drei größere Erweiterungen vornahm. „Und dennoch haben wir unsere Kapazitätsgrenze eigentlich schon erreicht“, sagt der 61-jährige Firmenchef. Er denkt nun auch darüber nach, sich einen neuen Standort für sein Unternehmen zu suchen. „Allein deshalb, weil wir in einer neuen Betriebsstätte die Arbeitsprozesse optimieren könnten“, sagt er.

Am liebsten würde er in Bruchköbel bleiben, um seinen Mitarbeitern, die alle aus der näheren Umgebung kommen, keine weitere Anfahrt zuzumuten. „Meine Mitarbeiter“, sagt der Chef, „sind mein größtes Kapital.“

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