Ein eingespieltes Team: Michel Stelzner (links) und David Kannengießer haben ihr Projekt im Sportheim beendet.
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Ein eingespieltes Team: Michel Stelzner (links) und David Kannengießer haben ihr Projekt im Sportheim beendet.

Graffiti

Kunst aus der Dose: Junge Sprayer verewigen sich in Bruchköbeler Vereinsheimen

  • Holger Weber-Stoppacher
    vonHolger Weber-Stoppacher
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Bruchköbel – Ihre Werke sind kraftvoll, äußerst präzise und zeigen viel Liebe fürs Detail: Zwei junge Graffiti-Künstler sorgen gerade dafür, dass die Stadt Bruchköbel ein gutes Stück bunter wird.

Zuletzt haben sich der Bruchköbeler Michel Stelzner (19) und sein Kumpel David Kannengießer aus Großauheim (18) im Sportheim des TSV Niederissigheim verewigt. Dort prostet ein lustig dreinschauender und bärtiger Zeitgenosse den künftigen Besuchern des gerade im Umbau befindlichen Sportheims mit einem prall gefüllten und schaumigen Glas Bier zu.

Das Motiv haben Stelzner und Kannengießer gemeinsam mit den Fußballern erarbeitet. Wahrscheinlich wäre er allein nie auf ein solches Arrangement gekommen, sagt Stelzner. Aber das Interessante an Auftragsarbeiten sei, dass man sich bei der Umsetzung ständig selbst weiter entwickele.

In Absprache mit den Fußballern entstanden: das Wandbild im Sportheim des TSV Niederissigheim.

Einige Tage hat er gemeinsam mit David Kannengießer an dem Bild gearbeitet. Am aufwendigsten seien die Vorarbeiten. Die Skizzen nähmen meistens am Computer schon Gestalt an. Das Bild selbst entstehe dann relativ schnell auf der Wand, gibt Stelzner einen Einblick in seine Arbeitsweise. In Roßdorf kann man die Arbeit der Jungs unter anderem im Sportheim der Spvgg. Roßdorf sehen. Und auch die Garage am Gemeindehaus der evangelischen Kirchengemeinde haben die beiden anlässlich des Reformationsjubiläums mit einem großen Luther-Porträt versehen. Die Sprayer bauen noch an ihrem Abi. Doch Kunst, da sind sie sich einig, ist durchaus auch ein berufliches Ziel geworden.

Michel Stelzner, Sohn des bekannten Hanauer Grafikers Volker Stelzner, hat die Kreativität quasi geerbt. Schon als 13-Jähriger besprühte er mit viel Geschick die Kunststoffplatten, die im Grafikbüro seines Vaters nicht mehr gebraucht wurden. Als Vorbild betrachtet er auch seinen drei Jahre älteren Bruder Luk, der ebenfalls schon einige Graffiti-Projekte realisiert hat, unter anderem im Auftrag des Jugend- und Familienzentrums Wolfgang.

Die jungen Künstler greifen nur zur Spraydose, wenn dies erwünscht ist, will heißen, wenn sie einen Auftrag dafür erhalten haben. Graffiti auf fremdem Eigentum ist für sie absolut tabu.

Seinen Stil bezeichnet Michel Stelzner als eine Mischung aus dreckigem Graffiti und Streetart. Einen Traum haben die beiden auch: „Eine eigene Ausstellung, für die wir völlig frei und nach eigenen Vorstellungen arbeiten könnten, wäre schon toll“, sagt David Kannengießer. Dafür müsse man freilich auch die Zeit haben, sagt Michel Stelzner. Und Zeit ist bei den jungen Sprühern angesichts voller Auftragsbücher schon ein knappes Gut geworden. Zwei bis drei Projekte schaffen die beiden monatlich. Kellerbars, Wände in Fitnessstudios: Die Palette der Anfragen ist groß. Wer sich die Werke von der beiden ansehen möchte, findet diese auf der Instagramseite von Michel Stelzner unter dem Synonym crazyyy_art.

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