Vorbildlich: Der Kreisverkehr in Roßdorf wurde einst von der Vereinsgemeinschaft des Dorfes bepflanzt und mit dem Pferdchen bestückt. Heute wäre ein solcher Kreisel aufgrund verschärfter Richtlinien der Straßenverkehrsbehörden nicht mehr machbar. Foto: Holger Weber

Bruchköbel

Kreisel-Paten sollen Bruchköbels Verkehrsinseln verschönern

Bruchköbel. Zu Karneval trägt es Jahr für Jahr eine Narrenkappe, beim Jubiläumsfest der Feuerwehr schmückte das Pferdchen zuletzt ein Schutzhelm. Es ist unstrittig: Der Roßdorfer Verkehrskreisel ist der schönste der Stadt.

Von Holger Weber

Dagegen wirken die Inseln im Turbokreisel vor dem Viadukt und am Ortsausgang Richtung B 45 eher öde und manchmal verwildert. Dies soll sich jetzt ändern.

Im Stadtparlament fassten die Abgeordneten einstimmig den Beschluss, dass für die Kreisverkehre Paten gesucht werden sollen, die sich der Pflege der Flächen annehmen. Gesucht werden also Unternehmen, die sich entweder gleich selbst um die Pflege kümmern oder dies auf eigene Kosten bei heimischen Gärtnern in Auftrag geben. Im Gegenzug dürfen sie mit ihrem Engagement in der Stadt werben.

Sieg in der Nachspielzeit für die FDP-Fraktion

Vorangegangen war dem Beschluss ein Antrag der FDP-Fraktion. „Die Grünflächen auf einigen Verkehrskreiseln, insbesondere am Viadukt, aber auch anderswo, geben keine gute Visitenkarte für unsere Stadt ab, da sie schlicht verlottert aussehen. Mit unserer Idee können wir hier schnell, kostengünstig und ohne zusätzliches Personal eine optische Verbesserung an diesen zentralen Punkten schaffen und damit unsere Stadt deutlich aufwerten“, erläuterte Fraktionssprecherin Sylvia Braun ihre Pläne, die im Zeichen des Bürgermeisterwahlkampfes zwar eifrig diskutiert, aber dann schließlich doch allgemein Gefallen fanden.

Für die Liberalen war es ein Sieg in der Nachspielzeit: Denn die FDP hatte bereits vor einigen Jahren einen Antrag hinsichtlich der Gestaltung des sogenannten Turbo-Kreisels am Viadukt gestellt, damals war daraufhin ein Ideenwettbewerb durchgeführt worden. Für die Umsetzung des Gewinner-Entwurfs war dann aber kein Geld da und die Gestaltung geriet in Vergessenheit, das Provisorium sei zum Dauerzustand geworden, so Braun. Zwar hätte Grünen-Chef Uwe Ringel diese Entwürfe gerne zur Grundlage für die Gestaltung genommen.

Feste und starre Hindernisse gelte es zu vermeiden

Ein entsprechender Änderungsantrag kam dann jedoch nicht zustande. Denn mittlerweile haben sich die Vorschriften für Verkehrskreisel stark verändert, die Entwürfe wären heute nicht mehr umsetzbar. „Die Bedeutung einer verkehrssicheren Gestaltung der Straßeninfrastruktur hat in den letzten Jahren erheblich zugenommen. Damit werden einer Gestaltung, zum Beispiel in einer Kreisinsel, in Zukunft sehr enge Grenzen gesetzt“, liefert die landeseigene Straßenbehörde Hessen-Mobil auf Anfrage unserer Zeitung die Begründung. Feste und starre Hindernisse gelte es zu vermeiden.

Kreisel wie etwa der in Roßdorf oder auch der Limeskreisel in Erlensee, auf denen sich hohe Aufbauten befinden, genießen Bestandsschutz, weil sie vor der Verschärfung der Richtlinien gebaut worden waren.

Es gibt eine Reihe von Interessenten, die ein Sponsoring übernehmen würden

Einen zweiten Roßdorfer Kreisel wird es im Stadtgebiet jedoch nicht mehr geben. Das musste auch CDU-Fraktionschef Thomas Sliwka einsehen, der sich – mehr im Spaß – eine Trompeterstatue für den Viadukt gewünscht hätte: „Wir sind doch mit zwei Orchestern die Stadt der Blasmusik“, so der unabhängige Bürgermeisterkandidat.

Wer auch immer die Pflege übernimmt oder sponsert, die Stadt muss auch aus Gründen der Haftung darüber wachen, dass alle Richtlinien eingehalten werden.

Laut Sylvia Braun gibt es bereits eine Reihe von Interessenten, die sich für ein solches Sponsoring interessieren. „Dies zeigt, dass wir mit der Idee richtigliegen. Denn es ist ja auch für alle Beteiligten eine attraktive Möglichkeit, sozusagen eine Win-win-Situation. Bedauerlich ist allerdings, dass dies erst auf Initiative des Parlamentes zustande kommt. In anderen Gemeinden geht das ganz ohne mehrmalige politische Initiativen, einfach durch aktives Verwaltungshandeln“, kritisierte sie.

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