„Planlos – Hirnlos – Bauhof“ haben Unbekannte mit roter Farbe auf den Asphalt des Feldwegs in der Verlängerung der Straße „Zur Fechenmühle“ in Oberissigheim gesprüht. Reaktion auf eine von Anwohnern als „völlig überzogene Abholzaktion“ bezeichneten Pflegeschnitt von Bauhofmitarbeitern an Hecken und Gehölzen. Fotos: Seifert

Bruchköbel

Konflikt über Heckenrückschnitt zwischen Bauhof und Anwohnern

Bruchköbel. Anwohner der Straße „Zur Fechenmühle“ in Oberissigheim üben massive Kritik an den Bauhofmitarbeitern, da diese die Hecken offenbar willkürlich zurückgeschnitten und so einen wichtigen Lebensraum für Vögel und Kleintiere zerstört hätten. Der Bauhofleiter hingegen spricht von einem notwendigen Verjüngungsschnitt.

Von Thomas Seifert

Einer der Anwohner, nach eigenen Angaben seit 40 Jahren Oberissigheimer und seit fast 20 Jahren in dieser Straße beheimatet, hat eine E-Mail an den HANAUER ANZEIGER geschrieben und stellt darin Bauhofmitarbeiter und deren Chef Manfred Waitz an den Pranger. Der Bürger schreibt: „Vor vier Jahren wurde bereits entlang der Straße beziehungsweise dem Feldweg zwischen Bruchköbel und dem Stadtteil Oberissigheim, Zur Fechenmühle, ein sehr radikaler Gehölzschnitt vorgenommen, bei dem große Teile einer alten und dicht gewachsenen Schwarzdornhecke sinnlos zerstört wurden.

Daraufhin bemerken wir einen deutlichen Rückgang der Bestände von Singvögeln. Nachdem in den Folgejahren zumindest der Holunder wieder eine halbwegs brauchbare Rückzugsmöglichkeit für allerlei Kleintiere bot, rückte vergangene Woche der Bauhof wieder an, um diesmal wieder – wie mir einer der Mitarbeiter zu erklären versuchte – aus Verkehrssicherungsgründen einen notwendigen Schnitt durchzuführen. An einem Feldweg?“ fragt sich der Anwohner.

Bauhofleiter rechtfertigt sichDas sei nicht nur ein Feldweg, sondern auch ein viel benutzter Rad-, Spazier- und Wanderweg, kontert Bauhofleiter Waitz. Und nicht nur die Landwirte seien glücklich darüber, wenn keine Äste von Sträuchern in den Weg ragen würden. Genauso wichtig sei es für Radfahrer oder Wanderer, wenn die Böschung frei gehalten werde, die Verkehrssicherungspflicht verlange ein komplettes Freischneiden von Straßen oder Wegen. Diese Vorschrift gelte im Übrigen auch für Privateigentümer, die ihre Hecken so beschneiden müssten, dass sie nicht in den öffentlichen Verkehrsraum, sprich den Gehweg, ragen. Dieses Mal, so der Anwohner, sei der Schnitt aber noch radikaler ausgefallen. „Es wurde nicht nur das mühsam nachgewachsene Gehölz, sondern auch noch ältere Bestände, die beim letzten Beinahe-Kahlschlag verschont geblieben waren, vernichtet. Ich habe noch nie erlebt, dass diese Gehölze derart verstümmelt wurden – offensichtlich haben die Bauhofmitarbeiter, die ich auch mehrmals darauf angesprochen und darum gebeten hatte, nicht ganz soviel wegzuschneiden, ihren Spaß daran, Anwohner zu ignorieren und vielleicht auch gerade deswegen noch mal mehr Schaden anzurichten.“

Den Angriff auf seine Mitarbeiter weist Waitz als völlig aus der Luft gegriffen zurück. „Wir haben einen Pflegeplan, der für jedes Jahr den Rück- und Pflegeschnitt von Bäumen, Gehölzen oder Hecken vorsieht. Meine Leute arbeiten diesen Plan gewissenhaft ab, geärgert werden soll hier niemand“, betont der Bauhofleiter. Aber nicht nur aus Oberissigheim kennt er die Beschwerden, jedes Mal, wenn der Schnitt notwendigerweise radikaler ausfällt, klingelt bei ihm das Telefon. „Die Bürger müssen aber wissen, dass zur Verjüngung solcher Gehölze oder Hecken diese ‚auf Stock gesetzt‘ werden müssen, heißt es in der Fachsprache. Das bedeutet, sie werden komplett gekürzt. Damit bekommen Samen und Keimlinge, die bislang keine Chance hatten, sich unter den teils völlig verholzten Hecken zu entwickeln, eine Chance. Und die Gehölze erholen sich in kurzer Zeit und treiben neue und gesunde Triebe aus“, erläutert der Fachmann.

Schnitt war notwendigDer Bauhofleiter weist auch darauf hin, dass in Altgehölzen Vögel zum Beispiel auch keine Nistmöglichkeiten oder Kleinsäuger keine Rückzugsmöglichkeit mehr finden, weil die Gehölze so dicht zusammengewachsen seien, das kein Durchkommen möglich ist. „Ich kann es nur ständig wiederholen: Um die Hecken und Gehölze gesund und am Leben zu erhalten, müssen sie zurückgeschnitten werden. Und manchmal ist bei Altgehölzen ein radikaler Rückschnitt notwendig. Das sieht im Moment brutal aus – das gebe ich durchaus zu – dient aber nur dem langfristigen Erhalt der Hecken“, versucht Waitz die Bürger zu beruhigen.

Ob das gelingt, wird sich zeigen. Der Anwohner aus der Straße „Zur Fechenmühle“ jedenfalls hat „vor vier Jahren schon eine patzige Antwort von der Leitung des Bauhofs“ erhalten, er werde keinen Kontakt aufnehmen. Allerdings hofft er, dass sich durch eine Veröffentlichung des Tatbestands „das Umweltbewusstsein in unserer mehr und mehr zugebauten Region sensibilisiert wird, in der wir für jedes Stück einer halbwegs noch funktionieren Natur dankbar sein sollten“.

Da liegt er mit Bauhofleiter Manfred Waitz auf einer Linie, denn der sieht die Pflegemaßnahmen als Maßnahme des Umweltschutzes an, die notwendig sei, um in ausgeräumter Landschaft wichtige Gehölze und Hecken zu verjüngen und damit langfristig zu erhalten.

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