Hier entsteht Wohnraum: Das alte Haus wird abgerissen.
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Hier entsteht Wohnraum: Das alte Haus wird abgerissen.

Betreutes Wohnen

Kompromiss in Bruchköbel: Zukunft von Grundstück an der Hauptstraße wohl endlich geklärt

  • Holger Weber-Stoppacher
    vonHolger Weber-Stoppacher
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Auf dem städtischen Grundstück an der Hauptstraße 113 a in Bruchköbel wird jetzt voraussichtlich günstiger und zugleich seniorengerechter Wohnraum geschaffen. Nachdem sich die Parteien im Stadtparlament lange Zeit über die Nutzung des 800 Quadratmeter großen Areals gestritten hatten, liegt nun ein von Bürgermeisterin Sylvia Braun erarbeiteter Kompromissvorschlag vor, mit dem offenbar alle Seiten leben können.

Bruchköbel - Zur Erinnerung: CDU und SPD wollten dort ursprünglich bezahlbaren Wohnraum schaffen, BBB, FDP und Grüne hatten wegen der Nähe zum benachbarten AWO-Heim dafür plädiert, eine Einrichtung für betreutes Wohnen zu bauen.

Zwischenzeitlich drohte ob der Auseinandersetzung sogar die Regierungskoalition aus CDU und SPD zu zerbrechen, weil die Christdemokraten bei einer wichtigen Abstimmung zu wenig Abgeordnete aufboten. Und auch Landrat Thorsten Stolz mischte sich von Gelnhausen aus in den Streit mit ein.

Grundstück soll an Baugesellschaft Bruchköbel verkauft werden

Am Dienstag nun sollen die Stadtverordneten in ihrer Parlamentssitzung einen Schlussstrich ziehen und den Verkauf des Grundstücks an die Baugesellschaft Bruchköbel beschließen. Der Kaufpreis liegt bei 150 000 Euro und damit rund 55 000 Euro unter dem Verkehrswert des Grundstücks. Dafür muss die Baugesellschaft die noch auf dem Areal befindliche alte Villa abreißen und entsorgen.

Laut Vorlage verpflichtet sich die Baugenossenschaft Bruchköbel auch zur Errichtung von bezahlbarem Wohnraum im Sinne des sogenannten Pipa-Modells mit einem Mietpreis von 7,50 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche. Allerdings, und hier liegt der Kompromiss, muss dieser Wohnraum den Anforderungen von Mehrgenerationswohnen entsprechen.

Bruchköbel: Betreutes Wohnen in der Hälfte der Wohnungen?

Zumindest die Hälfte der entstehenden Wohnungen soll somit für „Betreutes Wohnen“ geeignet sein. Hierzu könne ein separater Vertrag zwischen den Mietern und einem externen Dienstleister geschlossen werden, heißt es in der Vorlage der Bürgermeisterin. Vorgesehen sind demnach acht Zwei-Zimmer- Wohnungen in Kombination mit Vier-Zimmer-Wohnungen. Die kleineren Wohnungen eigneten sich von der Größe und Ausstattung für Senioren.

Die erste Hürde hat die Vorlage schon genommen, der Magistrat fand einen einstimmigen Beschluss. Auch am Dienstag könnte das Votum einstimmig sein. Denn hört man sich bei den Fraktionen um, so wird vor allem eines deutlich: Man ist des Themas überdrüssig und will es jetzt endlich vom Tisch haben.

SPD und Bürgerbund Bruchköbel mit Lösung zufrieden

„Letztendlich wird es so kommen wie es in der Vorlage steht“, glaubt SPD-Fraktionsvorsitzender Peter Ließmann. Für die Sozialdemokraten hat das Thema eine besondere Bedeutung. Sie waren damals mit dem Ziel in die Koalition mit der CDU eingetreten, um bezahlbaren Wohnraum in der Stadt zu schaffen. Ließmann betrachtet die Vorlage nicht einmal als Kompromissvorschlag, sondern sieht darin alle Forderungen seiner Partei umgesetzt. „Eigentlich entspricht sie hundert Prozent unseren Vorgaben“, so der Sozialdemokrat.

Und auch beim Bruchköbeler Bürgerbund (BBB), der das Hauptstraßenprojekt schon seit einigen Jahren auf der Agenda hat, ist Erleichterung heraushören. „Es wird jetzt auch Zeit, dass da endlich etwas passiert“, sagt Fraktionschef Alexander Rabold.

Bezahlbarer Wohnraum in Bruchköbel: Kreis stelle Fördermittel bereit

Der Grünen-Fraktionsvorsitzende Uwe Ringel betont: „Wichtig ist, dass man sich die Fördermittel des Kreises durch diesen Beschluss sichert“. Rund 240 000 Euro steuert das Landratsamt für den Bau des Gebäudes bei. Dadurch kann die Baugenossenschaft auch den Quadratmeterpreis von 7,50 Euro umsetzen. „Jetzt kann die Baugenossenschaft zeigen, dass sie zum Bau von bezahlbarem Wohnraum etwas beitragen kann“, so Ringel.

Und auch die FDP zeigt sich zufrieden: „Ich freue mich, dass es unserer Bürgermeisterin gelungen ist, einen Kompromissvorschlag einzubringen, der im Magistrat die Zustimmung aller Parteien gefunden hat und setze jetzt auf die Vernunft und Weitsicht der anderen Fraktionen, dass dieser Kompromiss auch in der Stadtverordnetenversamlung eine große Mehrheit finden wird. Dieser Kompromiss sichert auch die Fördergelder des Kreises“, sagt Fraktionschefin Katja Lauterbach.

Die Baugenossenschaft verwaltet derzeit 480 Wohnungen, von denen 263 mit einer Mitpreisbindung belegt sind. Auch in Nachbarschaft zu dem Hauptstraßengrundstück verfügt die Gesellschaft über Wohnungen, so dass die Parkflächen laut Vorlage mitgenutzt werden können.

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