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Klein, aber von guter Qualität

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Von: Holger Weber-Stoppacher

Zum Ende der Woche nimmt die Apfelmenge immer ab. Montags, wenn die Leute am Wochenende Zeit zum Ernten hatten, ist laut Ralf Walther an der Presse in Bruchköbel am meisten los. Die Keltersaison neigt sich in Bruchköbel dem Ende zu. Seit Anfang September läuft die Presse bereits in dem Traditionsbetrieb.
Zum Ende der Woche nimmt die Apfelmenge immer ab. Montags, wenn die Leute am Wochenende Zeit zum Ernten hatten, ist laut Ralf Walther an der Presse in Bruchköbel am meisten los. Die Keltersaison neigt sich in Bruchköbel dem Ende zu. Seit Anfang September läuft die Presse bereits in dem Traditionsbetrieb. © Holger Weber

Bruchköbel – Der silberfarbene Mercedes ist prall gefüllt. Sieben Fässer hat Willi Kempel an diesem Morgen in sein Fahrzeug gepackt. Es ist die Ernte von einem einzigen Apfelbaum. „Goldener Delicius“, heißt die die Frucht, die Kempel schon seit nunmehr 40 Jahren in jedem Herbst zur Kelterei Walther fährt. Es gab Zeiten, da habe der Baum rund zehn Zentner abgeworfen.

„Aber der Gute wird ja nun auch älter“, sagt der 90-jährige Bruchköbeler und lacht. In diesem Jahr ist seine Ernte mit fünf Zentnern recht spärlich ausgefallen. Es sind viele kleine Äpfel darunter, sagt er und blickt auf die Fässer.

In etwa deckt sich die Bilanz des Hobbygärtners mit der von Ralf Walther, dem Chef der Bruchköbeler Traditions-Kelterei, wo sich die Apfelsaison jetzt schon langsam dem Ende zuneigt. Jeden Tag werden dort seit dem 5. September zwischen zehn und 15 Tonnen Äpfel aus der gesamten Region abgeladen. Sammelstellen unterhält das Unternehmen zudem auch in Büdingen, Selters und in Birstein.

Es gibt Äpfel trotz des Dürremonats

Ralf Walther gibt die Antwort bereits, bevor der Reporter die Frage gestellt hat. „Ja , es gibt Äpfel, auch trotz des Dürresommers“, sagt er und greift in den Berg von Äpfeln, die an diesem Morgen von Streuobstwiesen angeliefert worden sind.

Dieses Jahr seien die Früchte in der Tat wesentlich kleiner als sonst. Viele der Bäume hätten ihre Äpfel auch schon vor der eigentlichen Ernte abgeworfen. Es sei eine reine Schutzfunktion der Pflanzen. „So, als ob der Baum sagen würde: Bevor ich das Wasser in die Äpfel stecke, nutze ich es lieber selbst“, sagt Walther. Bis zu zwei Drittel der Ernte seien dadurch verloren gegangen. Dafür aber haben die Äpfel aufgrund der Wärme einen hohen Zuckergehalt, was zu einer hohen Qualität des Apfelweins und auch der Säfte beitragen werde.

Dass es gute und weniger gute Ernten gebe, liege in der Natur der Sache, weshalb Walther auch nicht klagt, wenn er vor einem leeren Silo steht, das in anderen Jahren kaum einmal leer stand. 2020 sei beispielsweise sehr gut gewesen.

Fassungsvermögen von 1,8 Millionen Litern

Bis zu 2000 Tonnen Äpfel braucht der Unternehmer im Jahr, damit er seine Tankkapazität von rund 1,8 Millionen Liter gut ausschöpfen kann. Wenn es dieses Jahr 1800 werden, wäre er auch zufrieden. Das schwierige wirtschaftliche Umfeld bekommt auch der Unternehmer bereits zu spüren. Vor allem in der Materialbeschaffung. Es sei schwierig, derzeit Flaschen zu bekommen. Und wenn, dann nur zu sehr hohen Preisen, sagt er.

Die Herstellung von Glas wird wegen der hohen Gaspreise teurer. Mit Blick auf die Energieversorgung zahlt sich aus, dass Walther vor rund zehn Jahren in Photovoltaik investiert hat. Die Anlage auf dem Dach seiner Produktionshalle kann 96 Kilowattstunden Strom erzeugen. Damit könne er 80 Prozent seines Energiebedarfs abdecken.

Zukaufen muss er jedoch Öl für die Heizungsanlage, mit der auch der Saft erwärmt wird. Insgesamt seien die Produktionskosten um etwa 10 bis 15 Prozent gestiegen. Das Geld lässt sich nur schwer wieder hereinholen, sagt er. Vor allem die Lebensmittelmärkte ließen kaum mit sich reden. Zweimal habe ihm ein Anbieter, der sich eigentlich den Vertrieb von regionalen Produkten auf die Fahne schreibe, bereits gedroht, ihn von der Liste zu nehmen.

Krise bei den Konsumenten noch nicht angekommen

Walther geht davon aus, dass die Zeiten noch härter werden. Die Krise sei bei den Konsumenten derzeit noch gar nicht angekommen, glaubt er. Das wiederum habe dann auch Auswirkungen auf das Ausgabenverhalten der Menschen. Der Verkauf bei Festen und in Gaststätten, immerhin 35 Prozent seines Geschäfts, werde darunter leiden.

Der Krise kann der Kelterer nur einen positiven Aspekt abgewinnen. Vielleicht führe der Sparzwang dazu, dass sich die Menschen wieder mehr um die Streuobstwiesen kümmerten. Denn noch immer würden viele Bäume in der Region nicht abgeerntet. (Von Holger Weber-stoppacher)

Willi Kemper (links) hat seine Äpfel abgegeben: Im Laufe des Jahres löst er dafür im Hofladen der Kelterei seine Gutscheine für Apfelsaft ein.
Willi Kemper (links) hat seine Äpfel abgegeben: Im Laufe des Jahres löst er dafür im Hofladen der Kelterei seine Gutscheine für Apfelsaft ein. © -

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