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Das Große Orchester der Kapelle der Freiwilligen Feuerwehr feiert am Wochenende mit Pauken und Trompeten seine akademische Feier anlässlich der Gründung vor 110 Jahren. Mit klassischer Marschmusik, aber auch mit modernen Arrangements huldigen die Musiker auch heute noch ihrem Motto „Aus Freude an der Musik“.

Gegründet im Jahr 1910

Die Kapelle der Freiwilligen Feuerwehr Bruchköbel feiert 110-jähriges Jubiläum

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Die Kapelle der Freiwilligen Feuerwehr Bruchköbel feiert 110-jähriges Bestehen. Für Vorstand Rainer Müller ist dieses Jubiläum etwas ganz besonderes, da er selbst mehr als die Hälfte der Jahre miterlebt hat.

Der heutige Vorsitzende der Kapelle musiziert seit 58 Jahren aktiv in der Kapelle. Sein Instrument: die Klarinette. „Ich habe mit zehn Jahren angefangen“, erzählt er beim Gespräch im Neuen Spielhaus. Und lächelt darum über die Frage, wie oft in der Woche er üben muss. „Vor den Konzerten schon“, gibt er diplomatisch Auskunft, „ansonsten reichen mir die Proben.“ 

Für Rainer Müller ist die Kapelle wie eine große Familie

Seit 48 Jahren ist Müller im Vorstand der Kapelle, seit 34 Jahren ihr Vorsitzender. Das 110-jährige Jubiläum ist für ihn darum etwas Besonderes. Er ist auf die Kapelle stolz wie auf eine große Familie. 

„Hier spielen Alt und Jung zusammen“, erzählt er. Die jüngsten der 62 aktiven Mitglieder sind 16, der Älteste 72 Jahre alt. „Diese Gemeinschaft macht den Reiz aus. Wir sind stolz auf unsere Kameradschaft.“ 

Früher probte die Kapelle im Vereinslokal „Zum Löwen“ an der Hauptstraße. Seit nun mittlerweile 36 Jahren treffen sich die Musiker im Neuen Spielhaus zum Musizieren. Im Jahr 1910 gehörte der damalige Wirt Michael Leistner zu den ersten elf Musikern der Kapelle. 

Große Veränderungen seit der Gründung durch Karl Ruth im Jahr 1910

Damals hatte das Dorf Bruchköbel nur 1433 Einwohner und 18 Öllampen beleuchteten abends die Straßen. Elektrisches Licht wurde erst 1921 gelegt. Als Gründer der Kapelle gilt Karl Ruth, der nach seinen Lehr- und Wanderjahren als Gärtner 1910 nach Bruchköbel zurückkehrte. Er spielte Basstuba und Klarinette. 

Anfangs waren es nur junge Männer, die in der Kapelle mitspielten: Heinrich Ruth, Jean Herwig, Jean Breidenstein, Martin Hagenfeld, Jakob Köhler, Georg Wappler, Konrad Günther und Wilhelm Schönhals. Damals traf sich die Gruppe noch bei Jean Herwig zum Üben. 

Die Blasmusik hatte es ihnen angetan, weil sie bei Festumzügen auch Marschmusik machen wollten. Nach nur einem Jahr mit vielen Proben und fleißigem Üben trat die Kapelle bereits bei Veranstaltungen in Bruchköbel auf. 

1912 konnte der Hanauer Musiker Otto Röll als Dirigent gewonnen werden und die Musiker traten geschlossen der Freiwilligen Feuerwehr bei. Und obwohl sie unter dem Namen „Kapelle der Freiwilligen Feuerwehr“ firmieren, sind sie immer ein eigenständiger Verein geblieben. 

Nicht nur das gemeinsame Musizieren ist wichtig, sondern auch die gemeinsamen Konzertfahrten und Ausflüge

Die besondere Geselligkeit in diesem Verein schätzt heute auch Kirsten Bach. Die 38-Jährige spielt Saxofon und macht die Pressearbeit der Kapelle. Sie ist seit 30 Jahren Mitglied und mag nicht nur das gemeinsame Musizieren. Auch die Ausflüge und gemeinsamen Konzertfahrten sind ihr wichtig. 

„Diese Reisen machen wir seit Jahrzehnten“, sagt Müller stolz. Teilweise mit zwei Bussen tourte die Kapelle durch Deutschland. „Da sind komplette Familien mitgefahren“, erinnert sich Bach. 

Unvergesslich ist für Müller ein Auftritt in der großen Konzertmuschel in Friedrichshafen am Bodensee vor 15 Jahren. „Wir haben bei Kaiserwetter gespielt, ein tolles Ambiente.“ Im Jubiläumsjahr führt die Reise nach Tirol. Auf 1500 Metern Höhe wird die Bruchköbeler Kapelle ein Berg-Konzert geben. 

Eine Polka zum Jubiläum

Als Auftakt für das Jubiläumsjahr findet an diesem Samstag, 14. März, 20 Uhr, die akademische Feier im Bürgerhaus statt. Besonders stolz ist die Kapelle, dass der renommierte Komponist und Dirigent Kurt Gäble extra zu ihrem Jubiläum eine Polka komponiert hat. 

Dieses Stück mit dem Titel „Mein großer Traum“, kommt bei der Feier zur Uraufführung und Gäble selbst wird die Kapelle dabei dirigieren. Was die Zukunft bringt? Auch die Kapelle der Freiwilligen Feuerwehr muss wie viele Vereine um Nachwuchs kämpfen. 

Wandel des Vereinslebens 

Nach über 15 Jahren wurde beispielsweise mangels Interesses das Arbeitsgemeinschafts-Angebot an der Haingartenschule eingestellt. Um Synergien zu schaffen, hat die Kapelle zudem seit einem Jahr im Bereich des Jugendorchesters eine Kooperation mit dem Musikzug Niederissigheim. 

Es gilt eine Tradition zu erhalten: Immerhin hat die Kapelle seit 1950 ununterbrochen ein Jugendorchester unterhalten. Müller stellt zudem fest, dass sich das Vereinsleben insgesamt wandelt. „Früher gab es mehr große Feste, bei denen wir gespielt haben.“ 

Und auch Gelegenheiten für den Großen Zapfenstreich gebe es heute nur noch wenige. „Das sind immer Gänsehaut-Momente“, erinnert sich Kirsten Bach. Die Zeit verändert auch die Musik. 

Waren früher noch Marschmusik und Walzer am beliebtesten, hat die Kapelle heute auch moderne Stücke im Repertoire, wie alljährlich beim traditionellen Weihnachtskonzert zu erleben ist. Müller: „So bleiben auch die Jugendlichen am Ball.“ Getreu dem Vereinsmotto: Aus Freude an der Musik.

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