Bruchköbel

Kandidatenkür für Bürgermeisteramt: Endspiel in der CDU

Bruchköbel. Seit mehr als 40 Jahren stellt die CDU in Bruchköbel den Bürgermeister. Vor diesem Hintergrund bekommt die Kandidatenkür der Partei am Montagabend eine ganz besondere Bedeutung.

Von Holger Weber

Es wird nicht zwangsläufig der neue Bürgermeister gewählt, aber derjenige, der mit den größten Chancen ins Rennen geht, um Günter Maibach zu beerben. Der Amtsinhaber hatte vor einigen Wochen offiziell erklärt, dass er vorwiegend aus Altersgründen kein drittes Mal bei der Wahl am 27. Oktober antreten wird.

Wahl zwischen Thomas Sliwka und Daniel Weber

Die Mitglieder der CDU, im Stadtverband sind es rund 140, müssen im Bruchköbeler Bürgerhaus darüber entscheiden, ob der Parteivorsitzende und Fraktionschef Thomas Sliwka für die Christdemokraten antreten soll. Oder etwa Daniel Weber, ein Mann aus der Verwaltung, der in den vergangenen beiden Jahren als persönlicher Assistent Maibachs dem Amtsinhaber kaum von der Seite gewichen ist.

Beide Kandidaten und deren Anhänger versuchten in den vergangenen Wochen den Eindruck zu vermitteln, dass der parteiinterne Wahlkampf in ruhigem Fahrwasser verläuft. Dennoch zeigt sich, dass es zwei Flügel innerhalb der Partei gibt, die mal mehr und mal weniger um Einfluss ringen.

Einladungsbrief sorgte für Irritationen

Für Irritationen im Lager von Daniel Weber sorgte der Einladungsbrief des Bruchköbeler CDU-Granden Hans-Ludwig Wilhelmi, der in seinem Anschreiben an die Mitglieder den Fraktionschef Thomas Sliwka ausführlich vorstellte, dem Kandidaten Weber jedoch nur zwei Zeilen widmete.

Wilhelmi macht aus seiner klaren Präferenz für Sliwka keinen Hehl: „Er ist unser Vorsitzender und der Chef in der Fraktion. Er hat in den vergangenen Jahren viel für die Partei geleistet und wir haben ihn als Nachfolger von Günter Maibach aufgebaut“, so Wilhelmi im Gespräch mit unserer Zeitung. Es heißt, dass die die klare Parteinahme im Einladungsschreiben selbst Sliwka eine Nummer zu weit gegangen sei und er seinen Förderer um Zurückhaltung gebeten habe. Weber seinerseits verschickte einen Flyer, um den Mitgliedern die fehlenden Informationen zu seiner Person nachzuliefern.

Website ging aus Versehen online

Gleichermaßen für Irritationen sorgte, dass am Mittwoch für wenige Stunden eine Website online ging, auf der Weber bereits als Bürgermeisterkandidat angepriesen wurde. Nur ein Testlauf und ein Versehen, beteuerte der Kandidat: „Ich habe größten Respekt vor dem demokratischen Prozess.“

Er kündigte an, sich den Mitgliedern am Montag zu erklären. Der Link zur Seite wurde in den sozialen Netzwerken verbreitet und kommentiert. Die Website, die nach kurzer Zeit wieder in den Offline-Modus versetzt wurde, enthielt unter anderem Bilder, die den Kandidaten mit dem Amtsinhaber Maibach bei Terminen zeigen.

Vorstellungsrunde und anschließend Personaldebatte

Zwar betonen die meisten CDU-Mitglieder, dass es sich bei der Abstimmung am Montagabend um einen ganz normalen demokratischen Prozess handelt. Und dennoch steht die Besorgnis im Raum, dass es je nach Ausgang der Wahl wieder zu einem Eklat kommen könnte wie 2007, als Günter Maibach als unabhängiger Bewerber antrat und zum Bürgermeister gewählt wurde. Daraufhin kam es bekanntlich zur Spaltung der CDU und Gründung des Bruchköbeler Bürgerbunds (BBB).

„Eine Fortsetzung der Geschichte wäre der Super-GAU für die Partei“, so ein CDU-Mitglied. Eine Ansicht, die im Übrigen nicht nur innerhalb der CDU herrscht. Auch Vertreter der Opposition im Stadtparlament fürchten unklare Verhältnisse in der stärksten Fraktion der Koalition. „Chaos in einer der Regierungsparteien können wir in diesem Moment gar nicht gebrauchen“, so ein Stadtverordneter mit Blick auf kommende große Herausforderungen wie den Stadtumbau in Bruchköbel.

Wer am Montagabend im Bürgerhaus das Rennen macht, wird wohl auch davon abhängig sein, welcher der Kandidaten vor den Mitgliedern die beste Figur abgibt. Es soll in der Versammlung erst eine Vorstellungsrunde geben und dann eine Personaldebatte. „Das kann ein langer Abend werden“, so Hans-Ludwig Wilhelmi.

Daniel WeberAlter: 35Geburtsort: HanauBeruf: Verwaltungsfachangestellter, Studium zum VerwaltungsmanagementFamilienstand: ledig, in einer „glücklichen Beziehung“Mitglied in der CDU: Seit 2008, seit 2003 in der Jungen UnionÄmter in der CDU:Früher stellvertretender Vorsitzender der Jungen Union.Er sagt: „Aufgrund der Verwaltungstätigkeit habe ich mich zurückgehalten“Hobbys: Sport und Unternehmungen an der frischen LuftVereinsmitglied: Bürgerhilfe, Feuerwehr Bruchköbel, Männerballett Keweler Elfen, SG Bruchköbel (Fußballabteilung)

Thomas SliwkaAlter: 52Geburtsort: Ratibor in OberschlesienBeruf: Betriebswirt. Er arbeitet als Vertriebsmanager beim Motorradhersteller Honda.Familienstand: verheiratet, zwei Töchter im Alter von 17 und 21 JahrenMitglied in der CDU: Seit 2010Ämter in der CDU:Fraktionsvorsitzender seit 2016, Ortsverbandsvorsitzender seit 2017Hobbys:Motorradfahren und PolitikVereinsmitglied: OGV Niederissigheim, Feuerwehr Niederissigheim, Niederissigheimer Carnevalsclub, Musikzug Niederissigheim, Bürgerhilfe, SG Bruchköbel

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