Jugendliche und junge Erwachsene sollen nicht auf Spielplätzen wie in der Vogelsbergstraße abhängen müssen, finden Philipp Hadermann und Mila Moritz. Sie wollen sich der Interessen junger Leute annehmen. Foto: Monica Bielesch

Bruchköbel

Junge Menschen wollen sich politisch engagieren

Bruchköbel. Eigentlich, meint der 21-jährige Philipp Hadermann, sei die Kommunalpolitik für junge Leute abschreckend. „Da sitzen überwiegend ältere Leute im Stadtparlament.“ Auch empfinden junge Erwachsene die Mechanismen der lokalen Politik als einschüchternd.

Von Monica Bielesch

„Weil wir ja keine Ahnung haben, wie das alles funktioniert“, ergänzt Mila Moritz, die 23-jährige Mitstreiterin Hadermanns. Aber genau darum haben Philipp und Mila beschlossen, sich politisch zu engagieren. „Man muss einfach selbst aktiv werden“, sagt Mila bei einem Glas Eistee im Garten ihrer Eltern.

Eine politische Heimat wollen beide nun bei den Grünen in Bruchköbel finden. Dort planen sie die Gründung eines Ortsverbandes der Grünen Jugend, der Jugendorganisation der Partei. Anders als ältere Kommunalpolitiker wollen sie nicht über die Köpfe der Jugendlichen und jungen Leute hinweg ihre Inhalte setzen. „Unser Ziel ist es, auf die Jugendlichen zuzugehen, zu fragen, was ihre Wünsche sind, zu erfahren, was wir voranbringen können“, so Mila Moritz, die in Fulda Soziale Arbeit studiert.

Keine Alternativen für Jugendliche

Moritz und Hadermann haben beide am LOG Abitur gemacht. Hadermann studiert in Frankfurt Politik und Wirtschaft sowie Englisch auf Lehramt. Mobilität ist für ihn als Pendler ein wichtiges Thema. Er hat kein Auto, wohnt noch in Bruchköbel und wenn er sich abends mit Studienfreunden in Frankfurt treffen will oder die ihn in Bruchköbel abends besuchen, dann sei es schwer, mit öffentlichen Verkehrsmitteln wieder nach Hause zu kommen, erzählt er. Der öffentliche Nahverkehr müsse ausgebaut werden, ebenso wie die Radwege.

Außerdem fehle ein Aufenthaltsort für Jugendliche in Bruchköbel, meinen beide. Viele würden sich über Jugendliche beschweren, die auf Spielplätzen oder öffentlichen Plätzen herumlungern würden. „Aber es werden keine Alternativen geboten, wo sie sich sonst treffen könnten“, beklagt Mila Moritz. Bei großen Stadtfesten werden die Orte, wo sich Jugendliche sammlen, einfach nur abgesperrt. Etwa die Wiese an der Jakobus-Kirche oder der Spielplatz in der Vogelsbergstraße.

„Vielleicht wäre eine Art Künstlerhaus mit Graffiti eine Lösung“

Ob ein Jugendzentrum insbesondere für ältere Jugendliche die Lösung sei, sei fraglich. In dem vor Kurzem für den Bau der neuen Mitte abgerissenen Bruchköbeler Jugendzentrum im alten Rathaus waren Moritz und Hadermann in ihrer Jugend selbst nicht. Weil das dortige Angebot nicht ansprechend gewesen sei.

In Bruchköbel gäbe es aber gute Möglichkeiten, Aufenthaltsräume für Jugendliche zu schaffen, beispielsweise durch mehr Bänke am Bolzplatz an der Hochzeitsallee. „Vielleicht wäre eine Art Künstlerhaus mit Graffiti eine Lösung“, meint Philipp Hadermann. Die zwei wollen sich in den Nachbarkommunen, die bereits eine erfolgreiche Jugendarbeit anbieten – wie Erlensee oder Nidderau – Möglichkeiten anschauen, um für Bruchköbel Vorschläge zu erarbeiten. Aber vor allem wollen sie mit Bruchköbeler Jugendlichen ins Gespräch kommen und deren Wünsche und Meinungen hören. Dazu laden sie alle interessierten Schüler und Studierenden am Donnerstag, 25. Juli um 16 Uhr ins Eiscafé Venezia in den Heeggraben ein.

Ideen für Nachhaltigkeit

„Wir sind die Zukunft“, sagt Hadermann mit Selbstbewusstsein, aber auch Verantwortungsgefühl. Von der weltweiten Fridays-for-Future-Bewegung sehen sich die beiden zwar ermutigt, aber der Wille sich politisch zu engagieren, sei schon vorher da gewesen. „Irgendwer muss den ersten Schritt machen“, sagt Mila Moritz. Damit Themen wie Klimaschutz auch im Kleinen und auf kommunaler Ebene umgesetzt werden würden, ergänzt Hadermann.

Einige Ideen haben beide schon. Beispielsweise eine Nachhaltigkeitswoche mit Vorträgen etwa zum plastikfreien Einkaufen. Oder Veranstaltungen wie Kleidertauschpartys, die schon erfolgreich in Großstädten laufen. Denn: „Veränderungen sind oft schon durch Kleinigkeiten möglich“, findet Hadermann.

TreffenDonnerstag, 25. Juli, 16 Uhr, Eiscafé Venezia, Heegraben.Kontakt: kontakt@gruene-bruchkoebel.de

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