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Bleiben trotzdem freundschaftlich verbunden: BBB-Vorsitzender Harald Hormel (von links), Ex-Bürgermeister Michael Roth, der nun scheidende Joachim Rechholz sowie Fraktionschef Alexander Rabold.

Ein Gründervater verlässt den BBB

Joachim Rechholz legt Mandat nieder – Rückkehr zur CDU nicht ausgeschlossen

  • Holger Weber-Stoppacher
    vonHolger Weber-Stoppacher
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Erst legte er nach der Kommunalwahl den Vorsitz nieder, dann trat er aus dem Verein aus und nun verlässt Joachim Rechholz auch die Fraktion des Bruchköbeler Bürgerbundes (BBB). Zum 30. April will der Bruchköbeler Kommunalpolitiker sein Mandat als Stadtverordneter niederlegen.

Der Abschied von der politischen Bewegung, die er vor nunmehr zwölf Jahren mitbegründet hat, ist Rechholz kein spontaner Entschluss, sondern vielmehr ein Prozess. Im Gespräch mit unserer Zeitung stellt er gleich klar: Er gehe in aller Freundschaft. Ohne Streit, ohne Getöse. Und dennoch gibt es da eine Diskrepanz, die für ihn unüberbrückbar ist. 

Es ist die Ausrichtung des BBB beziehungsweise der Freien Wähler, unter deren Dach sich die Bruchköbeler Gruppierung immer mehr zu Hause fühlt. Er habe seinen politischen Freunden beim BBB immer deutlich gesagt, dass er von politischen Ambitionen, die über die Kreisebene hinausgehen, nichts halte, dass für ihn das Streben nach politischem Einfluss auf Landesebene wie etwa in Bayern, wo die Freien Wähler sehr erfolgreich sind, nicht in Frage komme. 

Weg könnte zurück zur CDU führen

Darüber hinaus gibt es für Rechholz einen weiteren Grund, das Kapitel BBB zu beenden: das Ausscheiden von Günter Maibach als Bürgermeister. Dessen Amtsübernahme hatte damals bekanntlich zur Spaltung der Bruchköbeler CDU und somit zur Gründung des Bürgerbunds geführt. Maibach hatte bei der Wahl gegen seinen Parteifreund und damaligen Bürgermeister Michael Roth kandidiert und gewonnen. Rechholz gehörte zu denjenigen, die das nicht tolerierten. Die CDU sei für ihn nach wie vor seine politische Heimat, sagt Rechholz, der auf ein 20-jähriges Engagement in der Bruchköbeler Stadtpolitik zurückblicken kann. 

Er schließt nicht aus, dass sein Weg eines Tages zu den Christdemokraten zurückführt. Bei einem Abgleich seiner politischen Überzeugung habe der Test per Wahlomat immer die CDU ausgespuckt, niemals die Freien Wähler. Es würde also nicht überraschen, wenn man Rechholz im kommenden Jahr bei der Kommunalwahl auf der Liste der CDU wiederfände. Langeweilen wird sich Rechholz bis dahin nicht. Seit einigen Jahren ist er bereits Vorsitzender der Bruchköbeler Bürgerhilfe, die nicht erst seit Ausbruch der Corona-Pandemie in Bruchköbel ein wichtiger Bestandteil der Stadtgesellschaft ist. 

Verabschiedung bei der Frühjahrsfeier

Auch ist der ehemalige Versicherungsmanager, der auch einmal der Partei der bibeltreuen Christen angehörte, kirchlich stark engagiert. Beim Bruchköbeler Bürgerbund nahm man die Entscheidung des Gründungsmitgliedes mit Bedauern, aber zugleich mit Fassung auf. Die Frage, ob Rechholz nur der Anfang eines Auflösungsprozesses sein könnte, nachdem Maibach als Widerpart ausgedient hat, stellt sich natürlich. Rechholz glaubt an einen Fortbestand des BBB. Aus den Abtrünnigen von einst habe sich eine starke Formation gebildet, die aus dem politischen Leben der Stadt nicht mehr wegzudenken sei. Den Platz für Rechholz wird voraussichtlich Stefanie Zorbach einnehmen, die als Finanzdezernentin der Gemeinde Freigericht viel kommunalpolitische Kompetenz mitbringt. 

Verabschiedet wurde Rechholz von seinen Parteifreunden bereits im Rahmen einer Frühjahrsfeier vor Ausbruch der Pandemie. Fraktionsvorsitzender Alexander Rabold und Vereinsvorsitzender Harald Hormel hoben dabei seine „freundschaftliche und vertrauensvolle“ Mitarbeit seit der Gründungsphase des BBB hervor, als Joachim Rechholz den Vereinsvorsitz übernommen hatte. Und sie schrieben ihm einen beträchtlichen Anteil am „politischen Erfolg“ zu. Er habe den BBB in zwei erfolgreichen Kommunalwahlen zunächst auf 15 Prozent, dann auf 20,1 Prozent und damit zur zweitstärksten Fraktion der Stadtverordnetenversammlung geführt. 

Rechholz habe zum richtigen Zeitpunkt aufgehört

Alexander Rabold merkte an, dass Rechholz nicht nur mit seinen Rosenverteilaktionen in einer stets liebevollen Art um Sympathien geworben habe, sondern auch in der Sachpolitik stets engagiert und nachdrücklich seine und des BBB Positionen vertreten habe. Als Mitglied des Akteneinsichtsausschusses habe er „ungeklärte ÖPNV-Ausgaben“ in vielen Stunden ehrenamtlicher Arbeit als Überzahlungen der Stadt von über 600 000 Euro aufgedeckt und dafür gesorgt, dass „wenigstens die knappe Hälfte davon wieder in das städtische Vermögen zurückgeholt werden konnte“, so Rabold. 

Im sozialen Bereich habe er sich stets für Projekte für das seniorengerechte Wohnen, Mehrgenerationenhäuser und zuletzt die Förderung des Betreuten Wohnens in Bruchköbel eingesetzt. Rabold und Hormel machten deutlich, dass die freundschaftliche Verbundenheit mit Joachim Rechholz von Bestand sein werde. Mit einem Augenzwinkern betonte Rabold, dass Rechholz einer der wenigen politisch Aktiven sei, denen es gelinge, zu einem Zeitpunkt aufzuhören, zu dem es tatsächlich noch alle bedauerten.

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