Mit seinem unermüdlichen Engagement hat Hubert Bretz vielen Menschen geholfen, die Lebensqualität wieder zu steigern. Dafür hat ihn Sespo einst für das Bundesverdienstkreuz vorgeschlagen, das er letztlich auch erhalten hat. Fotos: Gabriele Reinartz/Pixabay

Bruchköbel

93 Jahre alt: Hubert Bretz ist Deutschlands ältester Reha-Trainer

Bruchköbel/Hanau. Diesen Oktober hat er seine Funktion als Übungsleiter für Sespo, dem Seniorensport- und Förderverein Bruchköbel, offiziell aufgegeben. Schließlich zählt Hubert Bretz aus Hanau mittlerweile stolze 93 Lenze. Aber sein Versprechen, wenn Not am Mann ist, einzuspringen, hat er schon wahrgemacht.

Von Gabriele Reinartz

Und so gibt er wieder jeden Montagabend bei Sespo einen Kurs für Gelenksport sowie einen Herzsportkurs in Seligenstadt. Dafür wird er jedesmal von einem Turnmitglied abgeholt und wieder nach Hause gebracht. Denn Auto fährt Hubert Bretz nicht mehr. Dafür Fahrrad: „Erst neulich bin ich auf dem Weg zum Friedhof pitschnass geworden“, erzählt er und amüsiert sich selbst darüber.

Bretz macht alle Übungen selbst mit

Bewegung sei für jeden sehr wichtig, fügt er hinzu. Daher mache er in seinen Kursen die Übungen auch selber alle mit. „Und ich achte sehr darauf, dass meine Teilnehmer die Übungen auch richtig ausführen. Notfalls gehe ich zu der Person hin und korrigiere sie.“ Personalisierte Übungsleitung nennt man das, die seine Teilnehmer durchaus zu schätzen wissen. „Ich habe die Feststellung gemacht, dass die Teilnehmer zufriedener sind, wenn man ihnen aktiv zeigt, wie die Übungen gehen“, sagt Bretz.

Überhaupt ist er ein Mann der klaren Worte. „Wenn jemandem mein Kurs und die Art, wie ich ihn abhalte, nicht passt, dann kann man selbstverständlich darüber reden. Aber die Chemie zwischen uns muss stimmen. Tut sie das nicht, muss er oder sie für sich einen anderen Kurs finden. Ich bleibe bei meinen klaren Ansagen und klarem Ablauf.“ Dass die Chemie zwischen ihm und seinen „Mitturnern“ aber stimmt, belegt die Treue, die die meisten von ihnen ihm über Jahrzehnte hinweg gehalten haben. Und dass sie heute noch dafür sorgen, dass er als Vertreter einspringen kann, indem sie ihn zum Kurs hin- und zurückfahren, ist Beweis genug.

Nach Kriegsverletzung zum Versehrtensport

Bretz ist Deutschlands ältester, ja eigentlich noch aktiver, Reha-Übungsleiter. Eine schwere Kriegsverletzung brachte den gebürtigen Rheinland-Pfälzer nach dem zweiten Weltkrieg zum Versehrtensport. Bis heute leidet er unter den Folgen einer Verletzung, die ihm eine Granate zufügte. Damals schwor er sich, dass er – sollte er überleben – sein Leben lang anderen Kranken und Versehrten helfen wolle.

Mit eisernem Willen und Disziplin ging Bretz zunächst daran, seinen Körper halbwegs wieder zu stabilisieren. Beruflich verschlug es ihn als Ingenieur zu Heraeus nach Hanau, wo er sich umgehend einer Versehrtensportgruppe anschloss. Wie der Zufall es wollte, fiel eines Tages der Übungsleiter aus und Hubert Bretz rückte als dessen Nachfolger nach.

Herzsport, Reha und Gymnastik

Als Übungsleiter beim Verein für Sport und Gesundheit in Hanau (VSG) kam er schließlich in den 1990er Jahren auch in Kontakt mit Sespo-Gründer Günter Wegmann, der ihn zu Fortbildungsmaßnahmen mitnahm, um ihn in seiner Wassergymnastik beziehungsweise Rodenbacher Rückenschule einsetzen zu können. Dort leistete Bretz letztlich Pionierarbeit. Er leitete zum Herzsport an ebenso wie in Reha- und reinen Gymnastikgruppen.

Von sieben Tagen in der Woche war er fünf Tage sportlich unterwegs. Montags bis donnerstags leitete er seine Reha-Sportgruppen in Hanau, Bruchköbel, Maintal, Seligenstadt und Rodenbach. Und freitags ging er ins Hanauer Wohnstift und in die Steinheimer Mainterassen, um dort mit den Bewohnern Sitzsport zu praktizieren. „Ich habe mich über all die Jahre hinweg regelmäßig fortgebildet“, erzählt der Rentner, der auch die Ausbildung zum Sportabzeichen-Prüfer absolvierte.

Als Rentner an der Universität

Als er dann vor rund 30 Jahren in Rente ging, fing für ihn das Studentenleben wieder an. Denn Bretz belegte an der Universität Frankfurt als Gasthörer diverse Sportseminare. Und heute, da er zumindest offiziell den Sportkursen aus Altersgründen ade gesagt hat, hält er sich mit Gartenarbeit, Spaziergängen und Fahrrad fahren fit und beweglich.

„Ich habe immer zu meinen Teilnehmern gesagt: 'Egal welche Behinderung du hast, glaub an dich selbst und bleib in Bewegung.' Ich finde, dass Gruppensport vor allem für ältere Menschen absolut wichtig ist. Denn neben dem Sport, der sie aus dem Alltag rausholt, haben sie die Möglichkeit, sich untereinander auszutauschen. Dies ist im Alter so wichtig, denn in der Gemeinschaft ist vieles leichter.“

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