Hofft darauf, dass sich die Wogen in ihrem Stadtverband wieder glätten: CDU-Kreisvorsitzende Katja Leikert ruft zur Einheit auf. Foto: PM

Bruchköbel

Interview: CDU-Kreisvorsitzende Katja Leikert zur Kandidatenkür

Bruchköbel. Welchen Einfluss hatte die heimische Bundestagsabgeordnete und CDU-Kreisvorsitzende Dr. Katja Leikert auf den Wahlausgang bei der Kür des Bürgermeisterkandidaten in der Bruchköbeler CDU? Einen enormen Einfluss, sagen einige Mitglieder hinter vorgehaltener Hand. Sie selbst weist dies im Interview zurück.

Am Montag war bekanntlich in der Bruchköbeler CDU Daniel Weber, der persönliche Assistent von Bürgermeister Günter Maibach, zum Kandidaten der Partei für die Bürgermeisterwahl am 27. Oktober gewählt worden.Mit einer einzigen Stimme Mehrheit (35:34) gegenüber dem Stadtverbandsvorsitzenden Thomas Sliwka, der jetzt darüber nachdenkt, als unabhängiger Kandidat in die Wahl zu gehen.

Leikert war bei der Mitgliederversammlung nicht in Bruchköbel. Am Tag danach gab sie unserer Zeitung während der Pause einer CDU-Fraktionssitzung in Berlin die Gelegenheit zu einem Telefoninterview.

Wie bewerten Sie das Ergebnis bei der Kandidatenkür in ihrem eigenen Stadtverband?

Ich glaube, das knappe Ergebnis zeigt, dass wir zwei wirklich gute Bewerber für die Kandidatur hatten. Das spricht sehr für den Stadtverband Bruchköbel. Das Ergebnis ist aber auch eine Herausforderung für Daniel Weber als Sieger. Er muss die Partei jetzt einen und auch diejenigen motivieren, die für den anderen Kandidaten gestimmt haben.

In welcher Form haben Sie Einfluss auf die Wahl genommen?

Mir war es wichtig, dass der ganze Nominierungsprozess fair ausgetragen wird – schon allein deshalb, weil Bruchköbel ja meine Heimatstadt ist. Als Kreisvorsitzende habe ich eine moderierende Position eingenommen und beiden Bewerbern klargemacht, dass der Prozess ohne Schlammschlachten ablaufen muss. Ich habe die Kandidaten auch dazu verpflichtet, dass der Verlierer sich nachher an die Seite des Siegers stellt.

Man munkelt, dass Sie im Hintergrund die Fäden gezogen haben und deutlich Partei bezogen haben für Daniel Weber.

Von den letzten fünf Wochen habe ich vier Wochen in Berlin verbracht. Um Strippen zu ziehen, hätte ich überhaupt keine Zeit gehabt. Wie gesagt: Wir hatten ein Treffen mit den beiden Kandidaten. Natürlich habe ich auch mit Günter Maibach gesprochen, nachdem bekannt wurde, dass er nicht ein drittes Mal antreten würde. Als Kreisvorsitzende bin ich mir meiner Verantwortung bewusst, für einen fairen Prozess zu sorgen. Ich kann mich nicht erinnern, an irgendeiner Stelle unfair gewesen zu sein. Alles andere ist eine Verzerrung der Realität.

Der Stadtverbandsvorsitzende Thomas Sliwka macht für seine Niederlage auch Günter Maibach verantwortlich. Sliwka schließt auch eine Kandidatur als Unabhängiger nicht aus. Fürchten Sie, dass der Partei nach zwölf Jahren wieder eine Spaltung droht?

Die Absprache war, dass der Unterlegene den Sieger unterstützt. Das wäre der faire demokratische Prozess. Alles andere ist ganz klar eine Schädigung der Partei. Das wäre grob unsportlich und würde zeigen, dass einem die Partei nicht wirklich etwas bedeutet.

Herr Sliwka hat es als grob unsportlich empfunden, dass Bürgermeister Günter Maibach und Ingrid Cammerzell als Erste Stadträtin sich offen auf die Seite von Daniel Weber geschlagen haben.

Ja, aber das ist Wettbewerb. Das weiß auch Thomas Sliwka. Beide Kandidaten hatten Zeit, für sich als Kandidaten zu werben. Das haben beide offensichtlich auch getan, so ist das knappe Ergebnis ja auch zu erklären. Am Ende des Tages ist es doch eine Frage der Mobilisierung. Was Thomas Sliwka betrifft: Ich selbst habe beispielsweise dafür gesorgt, dass mit Eberhard Gienger ein prominenter Gast zum Heringsessen nach Bruchköbel gekommen ist.

Diese tolle Plattform hatte Daniel Weber beispielsweise nicht. Aber ich finde solche Reaktionen nach Personalentscheidungen nicht unnormal. Jetzt müssen sich alle erst einmal wieder berappeln. Und dann ist es wie im Leben: Man muss wieder nach vorne gucken.

Ein Großteil der Fraktion hat die Niederlage Sliwkas als einen Schlag ins Gesicht empfunden. Wie wollen Sie die Mitglieder nun auf Spur halten, um wichtige Mehrheiten für den Stadtumbau zu haben?

Der Stadtumbau ist das wichtigste Projekt, das Bruchköbel wieder nach vorne bringen soll. Dass dieser Prozess schon so weit gekommen ist, ist ein großes Verdienst von Bürgermeister Günter Maibach. Das war schwierig genug. In Bruchköbel ist es nicht so, dass alle jubeln, wenn Veränderungen anstehen. Der Innenstadtumbau wird eine gute Sache für Bruchköbel.

Das Projekt haben bisher alle mitgetragen, es gibt einen großen Konsens darüber in der Stadt. Dieses Projekt jetzt zu blockieren, fände ich schade, nicht nur als Parteimitglied, sondern auch als Bruchköbeler Bürgerin, die weiter in dieser schönen Stadt leben möchte. Wir sind Teil der Metropolregion Rhein-Main. Da können wir nicht stehen bleiben, sondern müssen uns bewegen.

Was wollen Sie tun?

Ich möchte diejenigen, die zukunftsgewandt sind, unterstützen und positiv auf das Projekt einwirken. Das mache ich sehr gerne. Jetzt, zu einem Zeitpunkt, an dem wir einen Kandidaten haben, den positiven Geist zu verlieren, wäre wirklich ein falsches Zeichen.

Wie werden Sie jetzt Daniel Weber in den kommenden Wochen unterstützen.

Die CDU stellt im Kreis nur noch zwei Bürgermeister: in Bruchköbel und in Langenselbold. Der Fokus liegt ganz klar auf diesen beiden Kommunen, in denen gewählt wird. Ich möchte, dass wir dort stärkste Kraft werden. Meine Unterstützung hat Daniel Weber in allen Belangen. Mit dem Wahlkampf fangen wir jetzt gleich an. So viel Zeit ist nicht mehr und Daniel Weber ist nicht so bekannt wie Thomas Sliwka in Bruchköbel. Dafür hat er andere Vorteile.

Welche?

Daniel Weber ist mit dem täglichen Geschäft einer Verwaltung mit 300 Mitarbeitern vertraut und dort in einer führenden Position tätig. Das ist ja nicht irgendwas, das ist kein repräsentativer Job, in dem man ein bisschen was macht, sondern es geht darum, das Verwaltungshandeln sicherzustellen. Wir haben doch an vielen Stellen in der Politik ein Handlungsdefizit. Es scheint manchmal schier unmöglich, mal schnell etwas durchzubekommen.

Wenn man dann an einer so entscheidenden Stelle einen Fachmann hat, der ganz genau weiß, wie man beispielsweise Gewerbegebiete ausweist, wie eine Straße gebaut wird etc., dann kann man sich glücklich schätzen. Politik ist ja auch ein Handwerk: Man muss wissen, wo es Geld gibt, wie man einen Antrag stellt, welche Förderprogramme es gerade gibt. Da muss man schnell sein. Und das traue ich Daniel Weber zu.

Vor einem Jahr haben Sie ihn als Kandidaten für den Kreisbeigeordneten ins Spiel gebracht, ihn aber nicht durchsetzen können. Ist der Erfolg in Bruchköbel jetzt auch ein wenig Genugtuung für Sie?

Genugtuung ist nicht so meine Kategorie. Ich versuche immer, jüngere und kompetente Leute zu fördern, und hätte mir Daniel Weber gut als Kreisbeigeordneten vorstellen können. Und wie es in der Politik so ist, kommen auch manchmal andere Chancen und Möglichkeiten, dann ergreift man einfach die nächste. Es geht doch um Bruchköbel. Dass es in der Stadt weiter gut vorangeht. Das Gespräch führte Holger Weber

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