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Integrieren statt isolieren: Das AWO-Sozialzentrum wird erweitert

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Im ganzen Haus gibt es überall heimisch eingerichtete Ecken. Foto: Reinartz
Im ganzen Haus gibt es überall heimisch eingerichtete Ecken. Foto: Reinartz

Bruchköbel. In Bruchköbel entsteht ein Pflege-Schwerpunkt. Dafür „rüsten“ zurzeit das AWO-Sozialzentrum und die Sozialen Dienste auf. Während Letztere ihre Pläne für den Umbau einer alten Villa an der Hauptstraße gerade genehmigt bekommen haben, sind die Arbeiten beim AWO-Sozialzentrum bereits in vollem Gange.

Von Gabriele ReinartzBis Jahresende sollen die Um- und Anbauten beendet sein. Fest steht: Die Zusammenarbeit beider Institutionen, die es bereits gibt, wird noch enger werden.

Schon heute stellt das AWO-Sozialzentrum den Sozialen Diensten ein sogenanntes Notzimmer bereit, wenn urplötzlich ein Pflegebedürftiger vorübergehend untergebracht werden muss. Auch gemeinsame Mitarbeiterschulungen und Betreuungsaktivitäten finden statt.Erster Eindruck trügtDas AWO-Sozialzentrum wirkt – von der Hauptstraße kommend – eher klein, ja fast unscheinbar. Doch dem ist überhaupt nicht so. Schon das Foyer ist äußerst großzügig geschnitten. Hier und da gibt es kleine Sitzecken, die gern von den Bewohnern und Gästen genutzt werden, wenn sie zum Beispiel auf ihren Friseurtermin warten oder dem Pianisten zuhören, der auf dem Klavier, das mitten im Raum steht, spielt.

Das Foyer ist lichtdurchflutet dank der vielen Glaswände. Im Prinzip ist die Konzeption des Hauses so angelegt, dass sich das soziale Leben im Foyer, dem großen Innenhof, sprich Garten, oder im Speisesaal und der Galerie abspielt.„Haus soll zu einer Begegnungsstätte werden“Im Zuge der geplanten Umbauten wird ein an das Foyer angrenzender Raum zu einem öffentlichen Café umgestaltet werden, selbstverständlich mit Zugang zum Garten. „Unser Haus soll zu einer Begegnungsstätte werden, um Hemmschwellen abzubauen. Die Kommunikation mit unseren Bewohnern ist möglich und gewollt. Wir legen großen Wert darauf, dass sie nicht isoliert werden oder sich so fühlen“, sagt Carmen Bube. Sie leitet das AWO-Sozialzentrum in Bruchköbel und ist mit Leib und Seele dabei.

Darüber hinaus möchte sie das Angebot des offenen Mittagessens ausbauen. „Wir bieten auch Essen auf Rädern an. Täglich liefern wir bis zu 70 Essen aus“, erzählt sie. Die monatlichen Veranstaltungen, die das Sozialzentrum organisiert – 2016 waren es stolze 25 –, richten sich ebenso an die Bürger Bruchköbels. „Das Fest am 19. Mai steht unter dem Motto 'Leinen los', berichtet Bube. „Ein Shantychor wird auftreten, und es wird ein mediterranes Büfett geben. Wie immer ist der Ortsverein Bruchköbel stark engagiert“, freut sie sich.Wohngruppe für demenziell Erkrankte geplantDerzeit verfügt das AWO-Sozialzentrum über 88 vollstationäre Plätze. Bis November herum kommen weitere 24 Einzelzimmer in einem Trakt hinzu, der sich derzeit im Bau befindet. Dort wird es dann auch noch zwei weitere Aufenthaltsräume geben. Des Weiteren ist geplant, die bisher vorhandenen 22 Doppelzimmer in Einzelzimmer umzubauen. Zwei dieser Zimmer sollen für betreutes Wohnen genutzt werden, „zum Beispiel für Ehepaare ohne Pflegegrad“, sagt die Leiterin. „Unser Ziel ist es, die bestehenden Lebens- und Wohnsituationen unserer Bewohner zu verbessern und ihnen allen Einzelzimmer anbieten zu können.“

Ferner soll es im Trakt „Linde“ eine Wohngruppe für zwölf demenziell Erkrankte geben. Das Geld dafür erhält Leiterin Bube zu achtzig Prozent von der Glücksspirale. Das Konzept sieht Niederfloorbetten vor – sie können bis kurz vor dem Boden heruntergefahren werden, sodass, sollte ein Bewohner herausfallen, er nicht tief stürzt –, 360 Grad-Stühle, eine vergrößerte Teeküche, ein Wohnzimmer mit Veranda sowie ein Wohlfühlbad. Dafür wird ein vorhandenes Pflegebad noch umgebaut.Individueller TagesablaufDer Tagesablauf in dieser Wohngruppe soll individuell gestaltet werden können. Gemeinsames Kochen ist vorgesehen. Zur Betreuung der Gruppe sind Präsenzkräfte direkt vor Ort. Und sollte es mal an Kräften mangeln, kann Bruchköbel auf das Springerpool der Zentrale AWO Süd in Frankfurt zurückgreifen. „Dadurch sind wir nicht auf Mitarbeiter von Zeitarbeitsfirmen angewiesen“, betont sie.

Im Haus geht es familiär zu. Viele Pfleger arbeiten Teilzeit und müssen Beruf und Familie unter einen Hut bringen. „Wir haben nichts dagegen, wenn ihre Kinder nach der Schule zu uns kommen und hier Hausaufgaben machen“, erklärt Bube. „Insgesamt arbeiten bei uns 74 Mitarbeiter, davon sind 20 männlich.“ Um dem Fachkräftemangel zu begegnen, arbeitet das AWO-Sozialzentrum mit der Heinrich-Böll-Schule zusammen und bietet den Schülern Praktika an. Erst vor Kurzem haben einige Praktikanten die Wände in den Trakten „Linde“ und „Buche“ liebevoll angemalt. Auch große Fotos der Jugendlichen hängen gerahmt an den Wänden.AWO-Sozialzentrum mit Grünem Haken ausgezeichnet„Im Moment liegen mir vierzehn Bewerbungen vor“, verrät Bube. „Wir bieten sowohl eine einjährige Ausbildung an, zu verstehen als Sprungbrett für jemanden mit Hauptschulabschluss, als auch eine dreijährige Ausbildung. Derzeit haben wir zwei Azubis, die Ende September fertig werden. Selbstverständlich werden sie von uns übernommen“, bekräftigt die Leiterin.

Erst vor Kurzem wurde das AWO-Sozialzentrum mit dem „Grünen Haken für Lebensqualität im Alter“ ausgezeichnet und darf sich seitdem „verbraucherfreundlich“ bezeichnen. Geprüft wurde von der gemeinnützigen Heimverzeichnis GmbH rund 100 Kriterien in den Kategorien Autonomie, Teilhabe und Menschenwürde. Die AWO erreichte 80 Prozent der Kriterien für Lebensqualität.

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