Die Idee kam ihr beim Kelleraufräumen: Die gebürtige Oberissigheimerin Yvonne Keller alias Stina Jensen hat sich in der Selfpublisher-Szene einen Namen gemacht. Foto: Gabriele Reinartz

Bruchköbel

Inspiration für Bruchköbeler Krimiautorin kommt auf Mallorca

Bruchköbel. In Oberissigheim geboren, in Bruchköbel zur Schule gegangen – Yvonne Keller, die mittlerweile in Dortelweil lebt, ist eine erfolgreiche Autorin von Liebes- und Kriminalromanen. „Blutrot“ ist ihr neustes Werk und spielt auf Mallorca.

Von Gabriele Reinartz„Mit dem Schreiben an‧gefangen habe ich vor etwa elf Jahren“, erzählt Yvonne Keller, die unter dem Pseudonym Stina Jensen Kriminalromane und unter ihrem wirklichen Namen Liebesromane schreibt. „Es war eher eine spontane Idee, die ich beim Kelleraufräumen bekam. Ich fand ein paar alte Tagebücher von mir und las sie amüsiert durch. Mit der Zeit reifte in mir der Gedanke, mit dem Schreiben wieder anzufangen. Diesmal sollte es aber ein Roman werden. Und tatsächlichen setzte ich mich eines Tages hin und begann.“

Dieses Buch habe sie aber nie veröffentlicht, da es handwerklich viele Fehler aufweise, wie sie rückblickend feststellte. Aber sie habe Blut geleckt, und nach diesem Erstlingswerk belegte die heute anerkannte Schriftstellerin diverse Schreibkurse und lernte von der Pike auf, wie man einen Spannungsbogen aufbaut, Figuren und Handlungsstränge entwickelt, sodass am Ende alles realistisch und lebendig wirkt.

3000 Wörter pro Tag

Damals schrieb Keller nur abends, tagsüber verdiente sie ihren Lebensunterhalt in einer Bank. „Mein erstes richtiges Buch wurde bei Knaur verlegt. Ich nahm damals an einem Wettbewerb teil. Der Preis war ein professionelles Lektorat inklusive Druck. Ich hatte Glück, ich war bei den Top 10 dabei“, erzählt sie. Zwei weitere Romane, die sie ebenfalls unter dem Namen Yvonne Keller schrieb und die von Knaur verlegt wurden, folgten.

Doch weil sie vom Vorschuss des Verlages ihren Lebensunterhalt nicht finanzieren konnte, machte sie sich als Schriftstellerin selbstständig und verlegte fortan ihre Bücher selber – das macht sie bis heute. „Ich verdiene mein Geld hauptsächlich mit E-Books“, verrät sie. 3000 Wörter schreibt die Full-time-Autorin am Tag. Innerhalb von sechs Wochen bekommt sie auf diese Weise eine solide Rohfassung zusammen, die sie danach noch überarbeitet. „Am Feinschliff sitze ich dann auch noch mal ungefähr vier Wochen. Ich ergänze, überarbeite oder lösche auch mal ganze Passsagen – 50 Seiten können es durchaus mal sein, die ich verwerfe“, erzählt sie. Ihr neuster Kriminalroman „Blutrot“ ist gerade erst erschienen und spielt wie „Abgrundtief“ auf Mallorca.

Mallorca sei sehr abwechslungsreich

Kellentdeckte die Insel vor rund 19 Jahren für sich, als sie zum ersten Mal dort Urlaub machte. „Ich hatte damals null Erwartungen an die Insel, wurde aber schon auf der Fahrt vom Flughafen zu meinem Hotel in Santanyí in den Bann gezogen“, verrät sie. Seitdem ist Keller regelmäßig dort, „erarbeitet“ sich die Insel Stück für Stück und entdeckt stets etwas Neues. „Mallorca ist unglaublich abwechslungsreich – wild, rau, schön – je nachdem zu welcher Jahreszeit man dorthin reist“, schwärmt sie.

Auch die Mentalität gefalle ihr, die Spanier würden das Leben genießen. Die Sprache lernte sie während eines einjährigen Aufenthaltes in Spanien, nachdem sie die Banklehre abgeschlossen hatte.

„Ich achte immer auf die Mallorquiner“

Heute fliegt Keller einmal im Jahr rüber, zu Recherchezwecken wie sie sagt, um Schauplätze für ihre Kriminalromane zu finden. Da sie dann bereits eine grobe Idee davon habe, wie die Geschichte aussehen könnte, wüsste sie, nach welcher Umgebung sie suchen müsse, um den Roman dort spielen zu lassen. Für „Blutrot“ habe sie zum Beispiel einen Ort im Tramuntanagebirge gesucht, in dem bereits einige Fincas stehen, aber durchaus noch weitere gebaut werden könnten. Wenn Keller fündig geworden ist, fotografiert sie diese Stellen. „Bevor ich wieder abreise, schaue ich mir alle Bilder noch einmal an und wähle einen Schauplatz aus. Den besuche ich dann noch einmal, um mir ganz sicher zu sein, dass ich den Richtigen ausgewählt habe.“ Im Roman benennt sie manches um, „ich möchte mich nicht angreifbar machen“, gibt sie als Grund an.

Auch ihre Figuren, die sie sich schon vor der Recherche auf Mallorca überlegt hat, sollen realistisch wirken. Daher: „Ich achte immer auf die Mallorquiner, ihre Lebensweise, Sprache, denn schließlich ‚leben‘ meine Figuren auf dieser Insel, es muss also alles echt wirken. Vor Ort schlüpfe ich dann geistig in meine Figuren hinein und lasse sie dementsprechend denken und agieren“, ergänzt sie.

Entscheidung über Mörder kann sich oft ändern

Die Ideen für ihre Werke findet die Schriftstellerin ebenfalls auf der spanischen Mittelmeerinsel. „Es sind alles Themen aus dem aktuellen Zeitgeschehen wie der Immobiliencrash vor ein paar Jahren oder der illegale Bau von Häusern in Naturschutzgebieten.“ Wie ein Buch endet, weiß Keller während des Schreibens selbst noch nicht. „Ich habe zwar einen Mörder im Kopf, aber ich entscheide mich oft noch einmal um. Dadurch bleibt das Buch für mich und für meine Leser bis zum Ende spannend.“ Unterbewusstes Mitdenken nennt sie das. Das funktioniere aber nur bei den Krimis. Bei den Liebesromanen halte sie sich eng an ihre Ursprungsidee.

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