So soll die Neue Mitte aussehen, für deren Umsetzung am Dienstag der Startschuss gegeben wurde. Grafik: PM

Bruchköbel

Innenstadtumbau: So lief der letzte Schlagabtausch vor dem Votum

Bruchköbel. Für kurze Zeit hat es den Anschein, als bleibe der letzte große Schlagabtausch vor der Entscheidung aus. Als sei bereits alles gesagt. Doch dann steht Alexander Rabold auf und geht ans Rednerpult.

Vor allem die Grünen nimmt der Fraktionsvorsitzende des Bruchköbeler Bürgerbundes (BBB) ins Visier. „Für sie ist das Projekt offensichtlich so wichtig, dass es auch falsch sein kann.“ In der Fraktion sei keine Abwägung von Vor und-Nachteilen vorgenommen worden, vermutet Rabold. Er widerspricht auch der Äußerung von CDU-Chef Sliwka, der in unserer Zeitung geschrieben hatte, wirkliche Alternativen seien von der Opposition nie gekommen.

„Wir haben 2016 sehr konkrete Änderungsvorschläge gemacht. Aber über die hat man sich einfach hinweggesetzt und nie ernsthaft geprüft.“ Der BBB habe immer vor der Tiefgarage gewarnt, die die Stadt Attraktivität kosten werde. „Wäre es nach dem BBB gegangen, dann hätte man das eigentliche Rathaus an anderer Stelle gebaut und die 1-a-Lage der Geschäftswelt überlassen“, sagt Rabold.

In Höhlen sitzen und auf Steinen klopfenThomas Sliwka wird später kontern, dass man womöglich in Höhlen sitzen und auf Steinen klopfen würde, wenn man in den vergangenen Jahren immer das getan hätte, was der BBB wolle. Sliwka nennt den Turbo-Kreisel vor der Stadt, den Bahnhofsvorplatz als erfolgreiche Baumaßnahmen, die seinerzeit vom BBB als zu teuer abgelehnt worden seien. „Heute weiß man, dass all diese Investitionen richtig waren“, fährt Sliwka fort. „Wir wollen, dass Bruchköbel eine schöne Stadt bleibt. Wir leben in keiner Schlafstadt, sondern wollen unsere Bürger unterhalten und ihnen etwas bieten.“

Deshalb dürfe man ein solches Projekt nicht allein auf dessen Bezahlbarkeit reduzieren. An die Kritiker gewandt meinte Sliwka: „Ich habe von Ihnen kein Wort bei der Vielzahl von Bürgerversammlungen gehört. Sie hatten doch die Möglichkeit, Protest einzulegen. Warum haben Sie nichts gesagt?“ Finanziell sieht Sliwka die Stadt mit zu erwartenden Gewerbesteuereinnahmen von mehr als sechs Millionen Euro auf einem guten Weg.

Sprung wagenWeniger euphorisch klingen die Worte von Grünen-Fraktionschef Uwe Ringel. Bruchköbel dürfe im Vergleich zu den Nachbarkommunen nicht weiter abgehängt werden. „Wir müssen den Sprung wagen, ansonsten passiert hier gar nichts mehr“, sagt er. Ringel verbindet die Zustimmung der Grünen zu dem Jahrhundertprojekt vor allem mit Forderungen. Die Tiefgarage müsse attraktiv sein, mit Parkbuchten von einer Mindestbreite von 2,75 Meter und einer Spannweite von 16,50 Meter zwischen den Säulen zum Parken einladen. Auch die Energieversorgung des Stadthauses müsse jetzt geklärt werden. Die Arbeit fange erst an, so Ringel.

Sylvia Braun, Fraktionsvorsitzende der FDP, begründet die Ablehnung des Projektes einmal mehr mit dem finanziellen Risiko. „Die Kosten sind der Punkt, weshalb wir diesen Weg nicht weiter mitgehen werden.“ Erst seien es 14, dann 19 und jetzt mittlerweile 25 Millionen Euro. „Und wir wissen doch alle, dass das Ende der Fahnenstange damit noch nicht erreicht ist.“ Es sei nur eine Frage der Zeit, bis die Kommunalaufsicht der ganze Sache einen Riegel vorschiebe. Sie kritisierte die Regierungsparteien dafür, sich nach dem Prinzip Hoffnung die finanzielle Lage der Stadt schönzurechnen.

Peter Ließmann (SPD) kontert, dass es sich bei den 14 Millionen um die Kosten für das Stadthaus gehandelt habe, aber Krebsbachkaskaden und Infrastruktur noch nicht eingerechnet gewesen seien. Die Zeit sei reif für das Projekt. how

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