Über den Dächern von Bruchköbel: Zu diesem Zeitpunkt ist der schwierigste Teil der Rettung vom Baukran bereits erfolgt.
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Über den Dächern von Bruchköbel: Zu diesem Zeitpunkt ist der schwierigste Teil der Rettung vom Baukran bereits erfolgt.

in 35 Metern Höhe

Höhenretter der Feuerwehr üben in Bruchköbel den Ernstfall

  • Holger Weber-Stoppacher
    vonHolger Weber-Stoppacher
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Bruchköbel – Kreislaufkollaps eines Kranführers in 35 Metern Höhe. So lautete jetzt die Aufgabenstellung bei einer Übung der Hanauer Höhenretter auf der Innenstadtbaustelle in Bruchköbel. Geübt wurde nicht etwa mit einem Dummy, sondern mit einer leibhaftigen Person.

„Solche Manöver machen wir so nah an der Realität wie möglich“, sagt Florian Vick. Er ist einer der Einsatzleiter einer knapp 20 Mann umfassenden Einheit. Die Mitglieder der Gruppe Sicherheitsrettung Höhe und Tiefe (SRHT) sind besonders geschult, haben ein 82-stündiges Ausbildungsprogramm an einer Feuerwehrschule hinter sich. In Hanau haben sich die Höhenretter einen ausgedienten Vorausrüstwagen für ihre Zwecke in Eigenarbeit umgebaut und mit allem ausgestattet, was es für solch brenzlige Einsätze braucht: unter anderem Dreibeine, Seilwinden, Karabiner und Schwerlasttragen.

Oftmals werden die Höhenretter für den Krankentransport von adipösen Menschen eingesetzt, die in oberen Etagen wohnen und mit deren Transport normale Sanitäter überfordert wären. Auch bei Suizidanten, Menschen, die sich aus Höhe in den Tot stürzen wollen, werden sie alarmiert.

Man möchte nicht tauschen: Obwohl – Florian Hinkel, der Freiwillige in der Trage, sieht noch ganz entspannt aus.

Einen Ernstfall, wie er jetzt auf der Baustelle in Bruchköbel geübt wurde, hat Florian Vick in der Realität noch nicht erlebt. Doch einmal ist immer das erste Mal. Und für diesen Fall wollen die Feuerwehrleute gewappnet sein. Problematisch kann es sein, den zu Rettenden aus der engen Krankapsel zu bekommen und ihn auf eine Trage umzulagern. „Die Kapseln sind mitunter sehr klein, je nachdem wo sie im Kran verbaut seien“, so Vick.

Die Mitglieder der SRHT müssen in der Regel schwindelfrei sein und auch an Platzangst sollten die Feuerwehrleute nicht leiden, die im Notfall auch in Brunnen und Schächte hinabsteigen müssen. „Das kann man aber alles trainieren“, spricht Vick aus Erfahrung. Neue Mitglieder der Höhenretter liefen zu Beginn bei Einsätzen mit, da zeige sich dann ihre Eignung. Bei Übungen werden sie immer nah an Extremsituationen herangeführt. „So lernt man, mit der Angst umzugehen.“ Aber es gebe auch immer wieder Einsatzkräfte, die mit der Zeit merkten, dass sie für diese Art von Einsätzen nicht gemacht seien, berichtet Vick. Der 37-Jährige ist schon seit 2002 bei der Hanauer Feuerwehr.

Da kann einem schon schwindelig werden: Nicht aber den Höhenrettern der Feuerwehr, die auch in 35 Metern einen kühlen Kopf bewahren müssen.

An seine Grenzen geführt wurde im Übrigen auch der Bruchköbeler Feuerwehrmann Florian Hinkel, der sich bei der Übung als Freiwilliger auf der Trage 35 Meter tief gen Boden abseilen ließ. Und auch für die spektakulären Bilder von dem Einsatz war ein Bruchköbeler verantwortlich: Der Öffentlichkeitsreferent der Feuerwehr, Benjamin Thoran, begleitete die Höhenretter mit seiner Drohne.

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