Thomas Sünder hat aus all seinen Erfahrungen als DJ bei Hochzeiten nun bereits sein zweites Buch veröffentlicht. Foto: Hellbrück

Bruchköbel

Bei Hochzeiten kann viel schief gehen - Thomas Sünder gibt Tipps

Bruchköbel. Er hat in zwölf Jahren mehr als 500 Hochzeiten erlebt: Der Bruchköbeler Buchautor und DJ Thomas Sünder weiß, was bei Hochzeiten alles schief gehen kann. In seinem neuen Buch „Wer hat eigentlich die Ringe?“ gibt er Trauzeugen und Co. Tipps, wie der schönste Tag im Leben des Paares auch ein solcher wird.

Von Alexandra Hellbrück Geheiratet wird immer. Gerade in den vergangenen Jahren boomen auch im ansonsten eher nüchtern geprägten Deutschland rauschende – und sündhaft teure – Hochzeitsfeste mit Reifrock und Krönchen, Kutsche und mehrstöckiger Torte, einer halben Armee an externen Profis sowie einer kompletten Armee an Hochzeitsgästen.Dass dabei so einiges in die Hose gehen kann, liegt auf der Hand. Damit das Brautpaar seinen schönsten Tag im Leben trotzdem ganz entspannt genießen kann, dafür hat Hochzeits-DJ und Buchautor Thomas Sünder abermals in seinem Erfahrungsschatz gewühlt und nach ,,Wer Ja sagt, darf auch Tante Inge ausladen“ nun ein zweites Werk herausgebracht, das sich diesmal explizit den Trauzeugen widmet.Mit „Wer hat eigentlich die Ringe?“ will der gebürtige Bruchköbeler, der inzwischen in Hamburg lebt, den wichtigsten Vertrauten des Hochzeitspaares einen Leitfaden an die Hand geben, der sie ermächtigt, fast ganz entspannt die zahlreichen Klippen zu umschiffen, die sich im Laufe des großen Tages unweigerlich vor ihnen auftun werden.Denn derer gibt es fürwahr reichlich. Mittels insgesamt 30 „Sünden“ wie „Planlosigkeit“, „Schockstarre“ oder „Blauäugigkeit“ beschreibt der Hochzeits-Profi, was von der ersten Idee über den berüchtigten Junggesellenabschied bis hin zum eigentlichen Fest alles schiefgehen kann.Eine stets verlässliche Quelle allen Unbills ist dabei – man ahnt es schon – der Mensch selbst, denn nichts ist für das Gelingen einer Feier, bei der es um zwei ganz bestimmte Leute geht, so abträglich wie die Wünsche von allen anderen.„Traditionelle Spiele“, zu viel und zu langes Unterhaltungsprogramm, vor allem zum verkehrten Zeitpunkt sowie die Missachtung der Wünsche des Brautpaares führen oft zu Langeweile und Frust auf allen Seiten. Damit es gar nicht erst so weit kommt, können sich jetzt alle Trauzeugen die Ratschläge zu Herzen nehmen, die Sünder auf über 300 Seiten zu Papier gebracht und mit überaus witzigen Fallbeispielen garniert hat.Im Interview mit unserer Zeitung hat er die wichtigsten Punkte genauer erläutert.

Herr Sünder, wer das Buch „Wer hat eigentlich die Ringe?“ durchgelesen hat, der hat doch keine Lust mehr auf seinen Job als Trauzeuge, oder?„Wenn man merkt, was da alles daneben gehen kann, oje.“

Sehen Sie die Gefahr, dass ein Trauzeuge nach der Lektüre abspringt?„Ganz im Gegenteil: Wer das Buch gelesen hat, dem werden die dort gezeigten Pannen nicht passieren. Es bietet sehr viele Anregungen, wie sich Trauzeugen sinnvoll einbringen können und beschreibt, wie sie als Zeremonienmeister effektiv durch den großen Tag ihres lieben Paars führen können. Die Leser haben den großen Vorteil, von meinem Erfahrungsschatz von zwölf Jahren auf über 500 Hochzeiten profitieren zu können – während sie selbst vielleicht zum ersten Mal in der Rolle als Trauzeugen sind. Die Lektüre verschafft ihnen ein hohes Maß an Sicherheit, das sie ohne diese Erfahrung bestimmt nicht hätten.“

Warum ist es für Trauzeugen eigentlich so schwer, nur die Wünsche des Brautpaares umzusetzen und die eigenen Befindlichkeiten hintenanzustellen?„Das habe ich mich oft gefragt. Vielleicht leben wir in einer Gesellschaft, in der die Menschen grundsätzlich ihre eigenen Bedürfnisse über die Anderer stellen. Ich glaube aber, die meisten Trauzeugen meinen es wirklich nur gut, sind aber total überfordert. Das führt häufig zu Aktionismus, der nach hinten los geht und die Brautpaare fragen sich dann, was das Ganze soll. Dabei ist die Anforderung an die Trauzeugen im Grunde ganz einfach: Sie sollen einfach nur das umsetzen, was sich die Brautleute wünschen, und alles andere von ihnen fern halten.“Welches war Ihr schlimmstes Erlebnis auf einer Hochzeit?„Als eine unangekündigte Brautentführung die ganze sorgfältig geplante Feier zerstört hat. Zunächst hat der Bräutigam gar nicht gewusst, was zu tun ist. Die Entführer waren nicht telefonisch erreichbar. Bis die Braut in einer Dorfspelunke gefunden war und mit einem sinnlosen Saufspiel ausgelöst werden musste, war bereits eine Ewigkeit vergangen, in der die ratlosen Gäste sich die Beine in den Bauch standen. Das Essen war dann kalt und der ganze Zeitplan um Stunden verspätet. Das war auch das Ende der Freundschaft zwischen den Entführern und dem Brautpaar. Mein Rat an alle Brautpaare, die unerwartet mit so etwas konfrontiert werden: Lasst es einfach und sagt klar Nein. Ihr seid die Gastgeber und niemand kann euch zwingen, so einen Quatsch mitzumachen.“Und welches Erlebnis war Ihr schönstes?„Als eine komplette Hochzeitsgesellschaft für das Brautpaar in einem Flashmob tanzte. Wirklich alle haben mitgemacht, auch Oma und Opa. Die Trauzeugin hatte das ganze spitze organisiert und alles lange vor der Feier per E-Mail mit den Gästen abgestimmt. Geübt wurde am Tag der Feier, als das Brautpaar mit dem Fotografen unterwegs war. Die beiden waren wirklich völlig überrascht, als dann beim Essen plötzlich einer nach dem anderen aufstand und synchron mit den anderen tanzte. Gänsehaut pur. Die Party im Anschluss war dann auch von Anfang an grandios, weil die Stimmung schon aufgelockert war.“

Sie sind selbst verheiratet; wer hat Ihre eigene Hochzeit organisiert und gab es da auch Pannen?„Unsere Hochzeit haben meine Frau und ich organisiert. Wir haben einfach nur standesamtlich geheiratet und waren dann mit den Trauzeugen essen. Eine große Feier kam für uns nicht in Frage, da ich solche Feste ständig beruflich erlebe. Ich könnte als Gastgeber gar nicht abschalten, und es würde sich für mich anfühlen wie ein Job. Tim Mälzer würde sich wohl auch kaum bei seiner eigenen Hochzeit in die Küche stellen und selbst kochen. So wie wir das gemacht haben, war es genau richtig für uns und es gab keine Pannen.“

Thomas Sünder, „Wer hat eigentlich die Ringe? Tipps vom Profi für alle Trauzeugen“, Verlag Blanvalet, 2017, 321 Seiten, ISBN 978–3–7341–0402–2, 9,99 Euro. Das Taschenbuch ist auch als E-Book erhältlich.

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