Sie vertreten die Eigentümergemeinschaft: Detlef Meister (von links), Kai Hagenkötter und Dieter Greulich. Foto: Weber

Bruchköbel

Hochhausbewohner fürchten um Gebäudestabilität

Bruchköbel. Die Anwohner des Hochhauses im Bruchköbeler Stadtzentrum befürchten, dass der Bau einer Tiefgarage die Stabilität ihres Gebäudes gefährden könnte. Die Wohnungseigentümergemeinschaft hat Ende Dezember eine Frankfurter Kanzlei beauftragt und diese jetzt Stellung zu den Bebauungsplänen nehmen lassen.

Von Holger Weber-Stoppacher

Dieter Greulich hat dieser Tage immer das Bild der Kraterlandschaft vor Augen, das sich dem Beobachter hinter dem Kreuz Rostock auf der Autobahn 20 bietet. Dort hat bekanntlich der Moorboden nachgegeben, die Fahrbahn ist abgesackt und auf unabsehbare Zeit unbefahrbar geworden. „Auch bei uns könnte der Boden wegsacken, wenn der Grundwasserspiegel abgesenkt wird. Unser Hochhaus ist auf Torf gebaut. Es könnte Tote geben“, wählt der Rentner, einer von rund 180 Bewohnern des Gebäudes, drastische Worte.

Die Kanzlei schildert die Sorge der Anwohner gleichwohl weniger dramatisch: Es dränge sich die Frage auf, so heißt es im Schreiben der Anwälte, ob es durch die großflächige Aushebung einer Baugrube zu Verschiebungen im Boden des Nachbargebietes kommen könne, schließlich ziehe sich die Fläche der geplanten Tiefgarage bis direkt an die Grenze des Hochhaus-Grundstücks, Innerer Ring 2.

Aus Sicht der Stadt Bruchköbel ist die Sorge der Anwohner unbegründet. Man habe bei der Wahl des Verfahrens die Grundwasserverhältnisse und die Nachbarbebauung berücksichtigt. Geplant sei ein grundwasserschonender und wasserdichter Spundwandverbau. Die für dieses Projekt gewählten Verbauverfahren würden auch bei tiefen, innerstädtischen Baugruben zum Beispiel in Frankfurt mit noch dichter angrenzenden Nachbargebäuden angewendet und hätten sich in der Praxis bewährt, teilt das städtische Bauamt auf Nachfrage unserer Zeitung mit.

Anwohner fordern weitergehende UntersuchungenDer auch im Baugrundgutachten aufgeführte Hinweis, dass eine negative Auswirkung der Grundwasserabsenkung innerhalb der nach außen dichten Baugrube bei sachgerechter Ausführung praktisch ausgeschlossen werden könne, reicht den Anwohnern jedoch nicht aus.

Sie fordern weitergehende Untersuchungen und bemängeln zudem, dass die für das Bodengutachten durchgeführten Bohrungen nicht auf die Nachbargrundstücke ausgeweitet worden sind. „Niemand weiß doch, wie der Boden bei uns beschaffen ist“, sagt Detlef Meister, ein weiterer Anwohner. Dazu die Stadt: „Zu einem normgemäßen Nachweis einer Baugrube nach den Regeln der Technik gehört auch die Berücksichtigung von Nachbarbauwerken, wenn diese im Einflussbereich der Baugrube liegen.“

Gefahr wittern die Anwohner jedoch nicht nur für die Stabilität, sondern auch die Sicherheit im Falle eines Brandes während der Bauarbeiten. Denn durch die Baustelle werde auch die Zufahrt für die Feuerwehr unmöglich. In diesem Punkt widerspricht das Bauamt der Stadt ebenfalls, beschränkt sich dabei jedoch auf nur einen Satz: „Die Feuerwehrzufahrt ist im Umfang der Baugenehmigung, Innerer Ring 2, weiterhin gewährleistet.“

Hochhausbewohner befürchten steigende LärmbelästigungBefürchtungen, die neue Stadtmitte könne auch eine Lärmbelästigung für die Bewohner des Hochhauses sein, beziehen sich nicht nur auf die voraussichtlich einige Jahre andauernden Bauarbeiten. Auch die Außengastronomie, die in den Sommermonaten bis 23 Uhr geöffnet sein soll, macht Meister Sorgen. Die Stadt verweist darauf, dass Überschreitungen der in einem Lärmgutachten aufgeführten Richtwerte nur in seltenen Fällen zu erwarten seien.

Der Hausverwalter der Eigentümergesellschaft, Kai Hagenkötter, moniert vor allem, dass die Stadt bisher auf die Stellungnahme noch nicht eingegangen sei. „Es geht uns doch vor allem auch darum, dass die Bedenken der Anwohner ernst genommen werden.“

Befinden müssten über die im Rahmen der Bürgerbeteiligung eingehenden Stellungnahmen die Stadtverordneten in ihrer Sitzung vom 24. April, heißt es bei der Stadt.

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