Die Haingartenschule aus der Luft: Für das neue Konzept müssten umfangreiche bauliche Veränderungen vorgenommen werden. Foto: Axel Häsler

Bruchköbel

Haingartenschule will zur Ganztagsschule werden

Bruchköbel. An der Haingartenschule in Bruchköbel verfolgen Schulleiter Matthias Doebel und sein Kollegium ehrgeizige Pläne: Die Einrichtung soll künftig am Pakt für den Nachmittag beziehungsweise Ganztag teilnehmen.

Von Holger Weber

„Bei uns soll jeder Schüler eine verlässliche Betreuung bis mindestens 14.30 Uhr erhalten können“, sagt der Direktor. Für die Stadt, die zuletzt den Bedarf an Hortplätzen nur dank privater, aber im Vergleich zum städtischen Angebot teurerer Anbieter decken konnte, wäre dies eine hervorragende Nachricht.

Kantine für 250 Kinder ist notwendig

Der Schulleiter steht auf der grünen Wiese zwischen zwei Gebäudetrakten seiner Schule und breitet die Arme aus: „Hier soll einmal die Mensa stehen“, sagt er. Ohne eine Kantine für rund 250 Kinder, die dort täglich zu Mittag essen können, würde das Konzept nicht funktionieren. Zudem braucht es zusätzliche pädagogische Fachräume, mehr Lehrpersonal und viel Hilfe von außen. „Dieses Projekt ist eigentlich eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe für die ganze Stadt“, fasst der Schulleiter zusammen. Denn für die außerschulische Betreuung sollen auch Ehrenamtler, Vereine und Hortmitarbeiter der Stadt ins Boot geholt werden. Als Modell für den Ganztag an der Haingartenschule dient eine Grundschule in Darmstadt, in der Doebel und die im Jahr 2014 ins Leben gerufene Projektgruppe Ganztag hospitiert haben.

Dort ist der Schultag in drei Blöcke unterteilt: Der erste beginnt um 8 Uhr und endet um 9.30 Uhr mit der Pause. Der zweite Unterrichtsblock geht von 9.50 bis 11.20 Uhr. Was dann kommt, wäre gänzlich neu. Für die Schüler beginnt dann laut Konzept die „Zeit zum Ausatmen“, wie Doebel es nennt. Der Klassenverbund wird für gut eineinhalb Stunden aufgelöst. Die Kinder bekommen nun Zeit zum Mittagessen, für ihre Hausaufgaben, bei denen sie betreut werden, und ein freizeitpädagogisches Angebot, eine Art AG. Dabei kann das Programm beispielsweise sportlich oder musikalisch sein. Gestaltet werden soll es von Ehrenamtlern, örtlichen Vereinen oder auch Musikschulen.

Kooperation mit Sport- und Kulturvereinen

Möglichkeiten gebe es viele, bereits jetzt kooperiert die Schule mit vielen Institutionen aus dem sportlichen und kulturellen Leben der Stadt. Um 13 Uhr beginnt laut Planung der letzte Unterrichtsblock des Tages, der um 14.30 Uhr endet. Danach gehen die Schüler nach Hause. Und wer über diesen Zeitraum weiteren Betreuungsbedarf habe, der müsste diesen bei den privaten Anbietern kaufen.

Innerhalb der schulischen Gremien findet das Konzept großen Anklang. Sowohl der Schulelternbeirat, das Kollegium als auch die Schulkonferenz haben dem Projekt mit großer Mehrheit zugestimmt. Und auch die Stadt Bruchköbel werde alles tun, um das Projekt zu unterstützen, so Bürgermeister Günter Maibach. Um den Hortbedarf zu decken, seien zuletzt große Anstrengungen unternommen worden, doch durch die Baugebiete Peller II und III und die Bindwiesen werde dieser weiterhin zunehmen, ist sich Maibach sicher. „Deshalb müssen wir die Angebote weiter ausbauen, wir können das nur gemeinsam mit der Haingartenschule tun.“ Die Stadt müsste laut Vorstellungen von Doebel einen Teil des Betreuungspersonals zur Verfügung stellen, der bisher noch in den städtischen Einrichtungen beschäftigt ist.

Bisher gehen die „Hortkinder“ der Haingartenschule nach dem Unterricht in fünf Einrichtungen, drei städtische und zwei private. „In den städtischen würde dann nicht mehr so viel Personal benötigt, das bei uns eingesetzt werden kann“, so das Kalkül Doebels.

Kreis muss Finanzierung gewährleisten

Mit der verlässlichen Betreuung bis in den Nachmittag hinein würde Bruchköbel Neuland betreten und die Stadt für junge Familien noch attraktiver machen, sind sich Doebel und Maibach sicher. Nun muss nur noch der Main-Kinzig-Kreis mitspielen, der als Schulträger die baulichen Anpassungen finanzieren muss. „Billig wird das Ganze nicht“, weiß Doebel. Doch ein Blick in die Nachbarkommune Erlensee, wo der Kreis gerade rund 7,5 Millionen Euro in einen Schulneubau in Langendiebach investiert, stimmt ihn zuversichtlich.

„Wir waren bis vor Kurzem mit 400 Kindern die größte Grundschule im Kreis“, hebt er die Bedeutung seiner traditionsreichen Einrichtung hervor. Gespräche mit dem Main-Kinzig-Kreis stehen jedoch noch aus. „Wir möchten nach dem fertigen baulichen Konzept im Herbst mit dem Kreis in Kontakt treten und so zu einer zügigen Realisierung der Pläne beitragen“, stellt Bürgermeister Maibach in Aussicht.

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