Das sogenannte Erdbeerfeld: Hier, zwischen Bruchköbel und Niederissigheim, wäre noch ausreichend Platz für neue Häuser und Wohnungen. Allerdings müssten die Eigentümer der Fläche mitspielen.
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Das sogenannte Erdbeerfeld: Hier, zwischen Bruchköbel und Niederissigheim, wäre noch ausreichend Platz für neue Häuser und Wohnungen. Allerdings müssten die Eigentümer der Fläche mitspielen.

Wo kann gebaut werden?

Großer Bedarf, wenig Eigentum: Bruchköbel will wachsen, kann aber nicht

  • Holger Weber-Stoppacher
    vonHolger Weber-Stoppacher
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Der Druck ist groß. Viele junge Bruchköbeler würden gerne in ihrer Heimatstadt bleiben, können dort aber weder bauen noch finden sie dort Wohnungen. „Da besteht großer Handlungsbedarf“, betont Bürgermeisterin Sylvia Braun (FDP).

Bruchköbel –Das Problem ist jedoch: Die Stadt selbst besitzt derzeit kein Eigentum mehr, das im gültigen Flächennutzungsplan als Bauland ausgewiesenen werden könnte. Flächen gibt es zwar noch, 26 Hektar für Wohnbebauung und etwa 2,6 Hektar für Gewerbe. Doch die Eigentümer haben zumindest im Moment offenbar wenig Interesse, ihr Land zu verkaufen.

Die Problematik kam jetzt in einer gemeinsamen Sitzung von Bau- sowie Haupt- und Finanzausschuss zur Sprache, in der das Bruchköbeler Bauamt den Parlamentariern einen Überblick über die aktuelle Situation in der Stadt gab.

Zu den Flächen, die bereits als Bauland eingetragen sind, gehört beispielsweise das Gebiet Peller IV (Nummer 1) in unmittelbarer Nähe zu den Baugebieten Peller II und III im Süden der Stadt, wo die ersten Eigentümer ihre Häuser bereits bezogen haben und derzeit weiterhin kräftig gebaut wird. Peller IV befindet sich am Ortsausgang Richtung Erlensee links vom Kreisel, wenn man aus Richtung Innenstadt kommt.

Erdbeerfeld zwischen Bruchköbel und Niederissigheim könnte bebaut werden

Bebaubar wäre auch das sogenannte Erdbeerfeld, ein Acker an der Hammersbacher Straße sowie das gegenüberliegende Firmengelände der Baumschule Köhler (Nummer 2). Beide Flächen sind im regionalen Flächennutzungsplan für Wohnbebauung gekennzeichnet. Damit könnte der Lückenschluss zwischen Bruchköbel und Niederissigheim erfolgen.

Das Erdbeerfeld war schon unter Bürgermeister Günter Maibach (CDU) als mögliches Baugebiet immer wieder ins Gespräch gebracht worden. Von daher ist es wahrscheinlich, dass Nachfolgerin Sylvia Braun ebenfalls dort ansetzen wird, um die dringend benötigten Flächen entwickeln zu lassen. Voraussetzung ist natürlich immer, dass es zu einer Einigung mit den Eigentümern kommt.

Erschließung von Baugebiet erweist sich als schwierig

Als Bauland ausgewiesen ist ferner ein schmaler Streifen zwischen der Bundesstraße 45 und der westlichen Flanke Roßdorfs (Nummer 3). Allerdings sei hier eine Erschließung des Gebiets sehr aufwendig, so die Einschätzung der Stadt. Man müsste vermutlich einen Anschluss über die Bundesstraße 45 herstellen, was einem planungsrechtlichen Marathonlauf gleichkäme.

Eine kleine Fläche gibt es zudem im Süden zwischen dem Ausläufer der Kirlesiedlung und der Bahnstrecke (Nummer 5). In Oberissigheim wird in Kürze mit der Erschließung eines privaten Bauvorhabens (Nummer 4) begonnen. Da es sich jedoch vorwiegend um große Parzellen handelt, hat die Fläche so gut wie keine lindernde Wirkung auf den Wohnungsmarkt in der Stadt.

Der Plan: Wo in Bruchköbel gebaut werden dürfte.

Offen ist zudem, ob und wann es in Butterstadt (Nummer 6) weitergeht, wo für den Gartenbaubetrieb Odenwäller gleich zwei Bebauungspläne für sein Firmengelände in der Ortsmitte vorliegen. Odenwäller möchte mit dem Verkauf des Baulandes die Umsiedlung seines Betriebes vorantreiben, der im Ortskern seine Kapazitätsgrenze bereits erreicht hat.

Geschützter Wald: Keine Bauflächen südlich des Krebsbaches

Im Zuge der Fortführung des regionalen Flächennutzungsplanes, dessen Offenlegung für 2022 geplant ist, befindet sich die Stadt nach eigenen Angaben bereits im Dialog mit dem Regionalverband sowie dem Regierungsbezirk Darmstadt. Wie im Ausschuss berichtet wurde, geht es um 20 Vorhaben, die die Stadt in die Verhandlungen eingebracht hat.

Abgelehnt wurden seitens des Regionalverbandes offenbar bereits alle Flächen südlich des Krebsbaches, weil sie zu nah am geschützten Wald liegen. Geprüft wird jedoch die Idee, nördlich des Krebsbachs und unterhalb der Dreispitzhalle zusätzliche Gewerbeflächen zu schaffen. Unternehmen, die sich in Bruchköbel ansiedeln wollen, und davon gibt es laut Bürgermeisterin Sylvia Braun einige, können also Hoffnung schöpfen.

Möglichkeiten für Baugebiete stark eingeschränkt

Über die weiteren Vorschläge wurde im Rahmen der Sitzung nichts bekannt. Es ist allerdings davon auszugehen, dass sich auf der Wunschliste der Stadt auch der Bereich zwischen Schulzentrum in Bruchköbel Nord und Roßdorf befindet. Der SPD-Bürgermeisterkandidat Perry von Wittich hatte seinerzeit vorgeschlagen, dort ein Sportzentrum für alle Bruchköbeler Vereine zu bauen. Dazu wird es sicherlich nicht kommen, doch ein Lückenschluss zwischen Roßdorf und Bruchköbel Nord durch Wohnbebauung ist naheliegend.

Problematisch für die Ausweisung weiteren Baulandes in Bruchköbel sind die Vorgaben des künftigen regionalen Flächennutzungsplanes. So dürfen nach den Bestimmungen nur noch Baugebiete genehmigt werden, die in einem Radius von 1000 Metern zum Bahnhof liegen. „Da bleiben uns nicht so viele Möglichkeiten“, bedauert Bürgermeisterin Braun.

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