Freuen sich auf eine enge Zusammenarbeit: Bruchköbels Bürgermeister Günter Maibach (von links), Pfarrer Jürgen Mankel und der zuständige Fachbereichsleiter im Rathaus, Daniel Weber. Foto: Holger Weber

Bruchköbel

Gemeinsame Sache Evangelische Kirchengemeinde und Stadtverwaltung

Bruchköbel. Der Jugendtreff der evangelischen Jakobusgemeinde öffnet am Freitag erstmals wieder seine Pforten. Dies ist möglich, da sich die Stadtverwaltung mit der Kirchengemeinde zusammengetan hat.

Von Holger Weber

Billardtisch, Kicker, eine gemütliche Sitzecke und eine lange Theke mit kleiner Küche: Jetzt fehlen nur noch die Jugendlichen. Am Freitagabend, 18 Uhr, öffnet erstmals wieder der Jugendtreff im Gemeindehaus der evangelischen Jakobusgemeinde in Bruchköbel. Neu ist, dass die Einrichtung nicht mehr nur von der Kirchengemeinde, sondern fortan in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung betrieben wird. Geleitet wird er von der städtischen Sozialarbeiterin Nicole Lenz und dem aus Rodenbach stammenden Jugendbetreuer Michael Zell, der von der Kirche bezahlt wird.

Umsetzung nach Erlenseer Konzept

Mit dem Jugendtreff folgen die Bruchköbeler zumindest teilweise dem Modell ihrer Nachbarstadt Erlensee, wo bereits seit 2003 die evangelische Gemeinde sowie die Stadt das Team Kinder- und Jugendarbeit (TKJE) im Gemeindehaus an der Fröbelstraße betreiben ‧ – wenngleich dort der Aufwand noch ungleich höher ist. In Erlensee arbeiten vier hauptamtliche Sozialarbeiter – zwei für die Stadt und zwei für die Kirche – Hand in Hand nach einem gesamtheitlichen Konzept. Dort können die Jugendlichen nicht nur ihre Freizeit verbringen, in den Räumen der Kirche erhalten sie beispielsweise auch Unterstützung, wenn es um die Planung der beruflichen Laufbahn geht.

In Erlensee arbeiten die Sozialarbeiter zudem mit einem großen Netz ehrenamtliche Mitarbeiter.Ähnliche Pläne verfolgt man auch in Bruchköbel, wenngleich Pfarrer Jürgen Mankel keinen Vergleich zum Angebot der Nachbarstadt ziehen möchte. „Das Modell in Erlensee steht für sich, wir werden unser eigenes haben.“ Einige Angebote wie eine Hausaufgabenhilfe gibt es in Bruchköbel schon, ein festes Programm hingegen noch nicht. „Das werden die Jugendlichen mit den Leitern selbst entwickeln“, betont Mankel.

Alternativen für Bruchköbel

Bruchköbels Bürgermeister Günter Maibach, der zuständige Fachbereichsleiter Daniel Weber auf städtischer Seite und Pfarrer Mankel hoffen, dass sie jetzt eine langfristige Lösung für Bruchköbels Jugendarbeit gefunden haben. Das Angebot für junge Menschen war in den vergangenen zwei Jahren in der Stadt auf ein Minimum geschrumpft. Eine Ursache dafür auf städtischer Seite war die Flüchtlingskrise, in deren Folge der ehemalige Jugendtreff am Parkhaus zur Begegnungsstätte umgewandelt und alle Sozialarbeiter für die Betreuung der Geflüchteten abgezogen worden waren. Auf kirchlicher Seite gab es vor allem durch die Elternzeit der zuständigen Diakonin einen personellen Engpass.

Zuletzt waren gleich mehrere Standorte in einer vor zwei Jahren gegründeten Jugend- AG diskutiert worden: das alte Rathaus am Freien Platz, das Fraktionshaus am Schwimmbad sowie zuletzt das ehemalige Fitnessstudio V8 an der Friedberger Landstraße. „Allerdings haben sich alle diese Alternativen als zu teuer und schlecht umsetzbar erwiesen“, so Maibach, der sich von der jetzigen Lösung auch Impulse für weitere Angebote wie die Ferienspiele erhofft.Eine aufsuchende Jugendarbeit, wie sie von einigen Parteien im Stadtparlament gefordert worden war, wird es aber zunächst nicht geben. „Davon hat man uns nicht zuletzt in Erlensee abgeraten“, so Maibach. Und auch Mankel weiß aus Erfahrung, „dass man niemals alle Jugendlichen erreichen wird“.

„Niemand, der zu uns kommt, muss getauft sein“

Beide Seiten betonen, dass es sich um ein offenes und religionsübergreifendes Projekt handelt. „Niemand, der zu uns kommt, muss getauft sein“, so Pfarrer Mankel. Platzprobleme fürchtet er im Übrigen nicht. Zu den vorgesehenen Öffnungszeiten gehöre das Gemeindehaus einzig und allein den Jugendlichen im Alter zwischen 13 und 17 Jahren. Das habe der Kirchenvorstand so beschlossen und damit auch Mindereinnahmen in Kauf genommen, weil das Gemeindehaus während der Jugendtreffzeiten nicht vermietet werden könne.Für Pfarrer Mankel ist der neue Jugendtreff das letzte große Projekt, bevor er im Sommer Bruchköbel nach 28 Jahren verlassen wird.

Öffnungszeiten Der Jugendtreff öffnet jeweils freitags und samstags in der Zeit zwischen 18 und 22 Uhr. Er befindet sich im Gemeindehaus an der Martin-Luther-Straße 2 in Bruchköbel. Weitere Informationen geben Michael Zell:michael.zell@web.de, 01 72/9 93 25 93 oder Nicole Lenz: nlenz@bruchkoebel.de, 0 61 81/97 52 73

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