Frank Rollmann Bruchköbel Radverkehrsbeauftragter Radwege Radfahren Rathaus Stadtradeln
+
Frank Rollmann Bruchköbel Radverkehrsbeauftragter Radwege Radfahren Rathaus Stadtradeln

Viel Geduld und langer Atem

Frank Rollmann ist Radverkehrsbeauftragter und plant Projekte langfristig

  • Monica Bielesch
    vonMonica Bielesch
    schließen

Bruchköbel – Nicht nur im Sattel braucht Frank Rollmann einen langen Atem, auch wenn er in seinem Bürostuhl im Bruchköbeler Rathaus sitzt, muss er ausdauernd sein. Rollmann ist im Bauamt tätig und Radverkehrsbeauftragter für Bruchköbel. Er muss bei der Verwirklichung von besseren Radwegeverbindungen in Zeiträumen von mehreren Jahren denken.

Für das Thema ist der Bauingenieur, der seit 13 Jahren in der Bruchköbeler Verwaltung arbeitet, prädestiniert. Jeden Tag fährt er 15 Kilometer von seinem Wohnort Großkrotzenburg mit den Fahrrad zu seinem Arbeitsplatz. „Einfache Strecke“, schiebt er nach. Aktuell macht er sogar noch mehr Kilometer auf dem Rad, schließlich radelt er im Team „Rathaus“ bei der Aktion Stadtradeln, an der Bruchköbel erstmals teilnimmt.

Rollmann koordiniert gemeinsam mit dem Stadtmarketing die Aktion für die Stadt, betont aber: „Es war die Idee der Bürgermeisterin.“ Und Sylvia Brauns (FDP) Vorschlag, der auch vom Stadtparlament unterstützt wird, ist gut angekommen in der Bevölkerung, Mittlerweile 380 aktive Teilnehmer haben in knapp zwei Wochen rund 60 000 Kilometer auf dem Fahrrad zurückgelegt. Das Stadtradeln geht noch bis zum 11. September und hat, so hofft Rollmann, noch mehr Menschen animiert, aufs Rad zu steigen.

Er meint, dass mittlerweile ein Umdenken stattgefunden habe, das Fahrrad hätte sich als Verkehrsmittel etabliert und finde immer mehr Anhänger. So hätte eine Umfrage des Stadtmarketings rausgefunden, dass rund 30 Prozent der Bruchköbeler Bürger mit dem Fahrrad in die Innenstadt fahren.

Aber: „Die Infrastruktur muss mit den Bedürfnissen der Menschen Schritt halten“, findet Rollmann. Dafür braucht es gut ausgebaute und ausgeschilderte Radstrecken. Und diese zu bauen braucht Zeit, Geduld und – einen langen Atem. So hat er bereits vor zehn Jahren eine bessere Radwegeverbindung zwischen Bruchköbel und Hanau im Sinn gehabt. Schließlich besucht ein Großteil der Bruchköbeler Jugendlichen eine weiterführende Schule in der Brüder-Grimm-Stadt. Jetzt endlich gibt es konkretere Gespräche mit dem Hanauer Radverkehrsbeauftragten Felix Waitz. „Es ist wichtig, dass die Radwege nicht an den Stadtgrenzen enden“, sagt Rollmann.

Aktuell gibt es drei bis vier Routen, alle führen durch den Bruchköbeler Wald und sind laut Rollmann nicht optimal. Gerade hat er eine Betrachtung der vorhandenen Strecken ausgearbeitet und eine Idealtrasse vorgeschlagen. „Die direkteste und beste Strecke wäre meiner Meinung nach der Kirlebrücke direkt an den Gleisen entlang nach Hanau.“ Aber diese direkte Linienführung muss von allen Beteiligten erst noch geprüft werden. Wie etwa vom Forstamt, das beispielsweise entscheiden müsste, ob und welche Beleuchtung im Wald denkbar wäre, um gerade dort die Strecke sicherer zu machen.

Auch die Beschilderung der Radwege fällt in den Aufgabenbereich des Radverkehrsbeauftragten.

Bis eine solche neue Strecke umgesetzt werden könnte, würden allerdings mindestens noch drei Jahre vergehen, prognostiziert Rollmann. Das hänge von vielen Faktoren ab, ob etwa ein Planfeststellungsbeschluss nötig ist (der länger dauert) oder im Rahmen von einfachem Baurecht gebaut werden könnte. Auch die Finanzierung hat Rollmann bedacht. „Es könnten Landesmittel beantragt werden, es gibt viele gute Förderprogramme.“ Aber zuerst müssten sich alle Beteiligten auf eine Trasse einigen. Sei der Kontakt einerseits mit Hanau durch dieses Projekt beim Thema Radwege intensiv, fehle er anderseits mit den Nachbarkommunen Erlensee, Neuberg oder Nidderau, gibt Rollmann zu. „Das müsste man forcieren.“

Ein weiterer neuer Radweg in Bruchköbel soll vom Saalburgring nach Roßdorf führen. Dieses Projekt enlang der Landstraße 3195 ist zwar schon fortgeschritten, bis zum Pferdchen-Kreisel würde das Land Hessen Bauherr sein, ab dort die Stadt Bruchköbel. Aber: „Noch müssen einige Besitzverhältnisse von Grundstücken an der geplanten Strecke geklärt werden,“ erklärt Rollmann warum es für die Realisierung noch kein Zeitfenster gibt.

Konkreter ist der Plan, mehr Fahrradstellplätze in der Innenstadt zu schaffen. Allein an der Neuen Mitte sollen 80 überdachte Abstellplätze stehen. Am Freien Platz soll schon im nächsten Jahr unter anderem die ehemalige Bushaltestelle mit dem im Boden versenkten Unterstand ebenerdig aufgefüllt und dort ebenfalls ein Radunterstand gebaut werden. Die weiteren stadtweiten Rad-Stellplätze sollen ebenfalls im kommenden Jahr umgesetzt werden.

Zwar sei in den vergangenen Jahren schon viel für Radfahrer in Bruchköbel gemacht worden, konstatiert Rollmann. Beispielsweise der Radweg am Bahnhof, die 40 überdachten Abstellplätze plus zehn feste Miet-Fahrradboxen dort oder die Schutzstreifen entlang der Hauptstraße, Bahnhof- und Hammersbacher Straße. Allerdings wünscht sich Rollmann, dass auf vielen weiteren Routen der Radverkehr Vorrang vor dem Autoverkehr hat. Beispiel: der heutige Fußweg von der Görlitzer Straße an der Kita Wirbelwind bis zum Rewe-Markt in der Waldseestraße. Dieser Weg wäre für Radfahrer bequemer zu fahren, wenn er ebenerdig über die Autostraße führen würde. „Die Anrampung müsste für die Autos sein und die Radfahrer müssten Vorrang haben.“

Rollmann kümmert sich in seiner Funktion als Radverkehrsbeauftragter auch um die Instandhaltung der Beschilderung an den Bruchköbeler Radwegen. Alle zwei Jahre werden die rund 300 Schilder an 100 Standorten abgeradelt.

Bei soviel Radfahren ist Rollmann froh, dass es bei seinem Arbeitgeber, der Stadtverwaltung, eine Dusche für die Mitarbeiter gibt. Denn auch solche Infrastruktur ermöglicht es Arbeitnehmern überhaupt erst, mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema