Schuttberge, so weit das Auge reicht: Im Herbst soll nach Plänen der Verwaltung der "Wiederaufbau" in Bruchköbels Stadtmitte beginnen. Bis Ende April soll ein Investor gefunden sein.

Bruchköbel

Fragen und Antworten zum Bruchköbeler Innenstadtumbau

Bruchköbel. Wie geht's jetzt weiter in Sachen Stadtumbau in Bruchköbel? Konkretes wird man auch am kommenden Dienstag in der Stadtverordnetenversammlung noch nicht zu dieser Frage hören.

Von Holger Weber

Denn wie aus einer am gestrigen Mittwoch verschickten Pressemitteilung der Stadt hervorgeht, soll die Angebotsphase für die geplanten Baumaßnahmen nun jetzt erst Ende April eingeleitet werden. Der Knackpunkt bei den Verhandlungen im Rahmen des Wettbewerblichen Dialogs, der seit Oktober vergangenen Jahres läuft, ist die geplante Tiefgarage, die laut Mitteilung in einem – und nicht wie ursprünglich einmal geplant – in zwei Abschnitten gebaut werden soll.

Die Stadt informierte jetzt über den aktuellen Stand in einem Frage- und Antworttext, der hier kommentiert wiedergegeben wird:

Was ist geplant?Das Zentrum der Stadt werde sich in den kommenden Jahren stark verändern. Erste Entwicklungen seien mit dem Abriss des Rathauses und des Seniorentreffs deutlich im Stadtbild sichtbar. Das Ziel sei anspruchsvoll: Es werde ein urbanes, belebtes Zentrum mit viel Grün und einer großen Aufenthaltsqualität entstehen. Und: Die Stadt habe zentrale Bereiche und Funktionen hierbei in Eigenregie entwickelt, geplant und Mittel zur Umsetzung im Haushalt verabschiedet. Nur zwei Grundstücke zur Umsetzung des Gesamtkonzepts werde die Stadt veräußern. Dort werde allerdings vorgegeben, was dort umgesetzt werden soll. Dabei handelt es sich um die Flächen, auf denen bisher das Rathaus stand und immer noch das Bürgerhaus steht. Das städtebauliche Gesamtvorhaben gliedert die Stadt in drei Baubereiche:

  • Stadthaus und Platz mit Außenanlagen mit Krebsbach (Stadt Bruchköbel)
  • Vollversorgermarkt mit Außenanlagen (Investor)
  • Wohn- und Geschäftshaus (Investor).

Alle drei Bauvorhaben sollen nach Wunsch der städtischen Planer eine Tiefgarage erhalten. Die geplanten Grünflächen und der Platz darüber verdankten ihre Existenz dem Parken unter der Erde. Die Tiefgarage unter dem ersten und zweiten Abschnitt – Stadthaus, Stadtplatz und Vollversorgermarkt – werde aus einem Guss gefertigt. Die Zufahrt erfolge über die Hauptstraße, um künftig den Inneren Ring zu entlasten.

Wie und mit wem wird das Vorhaben umgesetzt?Das Stadthaus, der Platz, die Außenanlagen und die Tiefgarage seien von der Stadt bereits fertig geplant und umsetzungsreif. Hierbei handele es sich daher um einen Bauauftrag. Die Bereiche zwei und drei sollen Investoren erwerben. Ihre Aufgabe sei, die vorgegebenen Funktionen Vollversorgermarkt mit Tiefgarage, Außenanlagen und das Wohn- und Geschäftshaus umzusetzen. Nicht erwähnt wird jedoch, wer den städtischen Teil der Tiefgarage umsetzen soll, wer die Kosten trägt und wer die Tiefgarage insgesamt betreiben wird. Um der Pflicht der europaweiten Ausschreibung gerecht zu werden, habe die Stadt im Juni 2018 ein Dialogverfahren mit dem sogenannten „Wettbewerblichen Dialog“ eingeleitet.

Was sind die Vorteile dieses Verfahrens?Der Wettbewerbliche Dialog sei ein Verfahren, das bei der Vergabe besonders komplexer Aufträge angewandt werden könne. Beispielsweise, wenn der Auftraggeber (hier die Stadt Bruchköbel) daran interessiert sei, die beste technische Umsetzung für möglichst alle Bereiche eines Gesamtvorhabens mit mehreren Beteiligten zu ermitteln. Die Stadt könne bei diesem Verfahren mit den Bietern Lösungen für das Gesamtvorhaben erörtern. Dazu zähle der Mix aus bereits geplanten Bauwerken wie dem Stadthaus, dem Platz, den Außenanlagen und der Tiefgarage sowie die Entwicklung und Finanzierung der übrigen Teile.

Wer ist an den Gesprächen beteiligt?Die Gespräche führte Bürgermeister Günter Maibach mit Vertretern der Bauverwaltung, der immobilienrechtlichen Beratung, dem Stadtmarketing und der Rechtsberatung. Am 28. August wurde den Angaben zufolge zudem der Beirat zum Wettbewerblichen Dialog erstmals einberufen. Diesem gehörten Vertreter aller politischen Fraktionen an. Der Beirat habe in der nunmehr fünften Sitzung unter der Auflage der Verschwiegenheit den Fortgang der Bietergespräche begleitet. Er berate zum jeweiligen Verfahrensstand die Leitungsgruppe der Verwaltung für das weitere Vorgehen.

Was wurde ausgeschrieben und wo steht die Stadt?Die Dialogphase wurde im Oktober mit den Bietern eröffnet. In dieser Phase würden Lösungsvorschläge anhand von Plänen und Kalkulationen präsentiert und verhandelt. Während des Dialogs herrsche absolutes Stillschweigen, da die Konzepte der Bieter vertraulich zu behandeln seien. Sobald die Dialogphase ab‧geschlossen sei und vertragliche ‧Lösungswege für die Umsetzung des Gesamtkonzeptes vorlägen, werde die konkrete Angebotsphase eingeleitet. Dies werde voraussichtlich Ende April 2019 der Fall sein. Damit ist die Präsentation der Ergebnisse um einen weiteren Monat verschoben worden. Erst war Ende Februar, dann Ende März anvisiert worden.

Wie geht es dann weiter?Nach Beendigung der konkreten Angebotsphase würden alle Angebote nochmals geprüft. Das vertragliche Ergebnis werde durch den Magistrat und die Stadtverordnetenversammlung der Stadt verabschiedet. Das soll möglichst noch vor der Sommerpause dieses Jahres erfolgen. Im Herbst könnten dann die Bauarbeiten beginnen. Wenn alles nach Plan laufe, seien die Arbeiten der beiden ersten Baubereiche nach etwa zwei Jahren abgeschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren