Rolf Gogné, Heiko Fechner und Bernd Weisenstein (von links) sind bedingt optimistisch, dass sich bald eine Vogelfamilie in dem Horst niederlässt. Foto: Gepperth

Bruchköbel

Feldhamsterfreunde haben in Roßdorf einen Horst frei

Bruchköbel. Eigentlich haben sie sich zur Aufgabe gemacht, den Lebensraum des Feldhamsters zu erhalten. Nun aber sind die Roßdorfer Feldhamsterfreunde auch auf den Storch gekommen. Oberhalb von Roßdorf haben sie in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Vogelschutzverein einen Storchenmast errichtet. Es ist das vierte Nest in Roßdorf.

Von Jan Max Gepperth

Die Idee entstand im vergangenen Jahr durch Zufall beim Entrümpeln einer Scheune. Die Feldhamsterfreunde, im Übrigen kein eingetragener Verein, hatten einen zwölf Meter langen Mast gefunden. „Das ist doch ein einwandfreier Storchenmast“, befand Bernd Weisenstein, ein Mitglied der Feldhamsterfreunde. Die Idee war geboren. Heiko Fechner, einer der Initiatoren der Gruppe, kontaktierte daraufhin Rolf Gogné, den Vorsitzenden des Vogelschutzvereins in Roßdorf. Dieser war von der Idee der Gruppe begeistert und lieferte den Feldhamsterfreunden alle benötigten Informationen.

Bereits im Januar dieses Jahres begann man mit den Arbeiten am Fundament auf einem Feld, das Fechner gehört. Die Aufrichtung des Mastes erfolgte dann aber wesentlich später als ursprünglich geplant. Ursächlich dafür war vor allem das Wetter. Mitte März war es dann so weit, der Mast wurde im Boden verankert und aufgestellt. Auf der Spitze wurde eine Traktorfelge verschraubt. Diese bildet die Unterlage für das Storchennest. Die Felge wurde, wie der Mast auch, ebenfalls beim Aufräumen der Scheune entdeckt.

Bezug dauert ZeitMit einem schnellen Bezug des neuen Nests durch einen Storch dürfen die Feldhamsterfreunde nach Ansicht des Vogelexperten Gogné allerdings nicht rechnen: Manchmal gingen Jahre ins Land, bis Störche einen Horst bezögen. Das liege auch daran, dass Jungstörche zunächst einmal etwas Zeit brauchen, bis sie sesshaft werden und ihr erstes Lebensjahr in warmen Gefilden verbringen.

Nach der Geburt fliege der Jungstorch ohne seine Eltern nach Afrika, erzählt Gogné. „Die Jungtiere sind meist schon unten, bevor die Alten sich überhaupt auf den Weg machen.“ Also sei der weit verbreitete Glaube, dass die Eltern den Jungen den Weg zeigen, falsch. In seinem ersten Lebensjahr bleibt der Storch in Afrika. Erst im zweiten kommt er zurück an seinen Geburtsort. Zu diesem Zeitpunkt sieht er sich zwar nach Brutplätzen um, legt aber noch keine Eier. Dies liege vor allem daran, dass die Geschlechtsreife bei Störchen erst im dritten Lebensjahr erreicht werde, so Gogné. Komme der Storch also in seinem dritten Lebensjahr in seine Heimat zurück, könne er erst dann Eier legen und sich fortpflanzen.

18 Jahren für den FeldhamsterDie Feldhamsterfreunde werden das Geschehen um ihren Mast in den kommenden Jahren also im Auge behalten. Bei der Gruppe handelt es sich nicht um einen Verein; das stellen die Mitglieder klar. Der Name ist auf das Feldhamster-Projekt des Main-Kinzig-Kreises zurückzuführen, das dem Schutz des Tieres gewidmet ist. Die Landwirte bekommen eine finanzielle Unterstützung dafür, dass sie einen Teil des Feldes unbewirtschaftet lassen und somit den Lebensraum des Hamsters schützen. „An dem Programm nehme ich schon seit 18 Jahren teil“, erzählt Heiko Fechner. Vor zwei Jahren rührte er auf dem Hessentag die Werbetrommel für das Projekt. Es war zugleich die Geburtsstunde der Feldhamsterfreunde. Seither arbeiten Heiko Fechner, Bernd Weisenstein, Klaus Weisenstein, Axel Lind und Marcel Lind gemeinsam für die Umwelt. An dem Mast wurden beispielsweise noch Brutkästen für Stare befestigt. Der Star ist der Vogel des Jahres 2018.

Das nächste Projekt ist auch schon in Planung. So planen die Freunde ein sogenanntes Insektenhotel. Dieses soll den Krabbeltieren Raum zum Leben geben. Vor allem Gogné ist angetan von diesem Vorhaben. „Die Insektenpopulation ist in letzter Zeit stark zurückgegangen. Daher hat der Vogelschutzverein begonnen, Blumenstraßen zu errichten, damit die Insekten weiter Nahrung finden“, erläutert er. Gogné lobt die Gruppe ausdrücklich für ihr Engagement und hofft, dass auch der neue Storchenmast möglichst schnell von neuen Bewohnern entdeckt wird. Vielleicht kommt der eine oder andere Jungstorch ja doch ein wenig früher aus dem Süden in die Heimat zurück.

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