Nicole Güth: Jetzt ist sie Liberale

Bruchköbel

Fahnenwechsel im Stadtparlament: Nicole Güth (SPD) zur FDP

Bruchköbel. Sechs Wochen vor der Bürgermeisterwahl in Bruchköbel geht es in der städtischen Politik mal wieder turbulent zu. Am Mittwoch verkündete die Sozialdemokratin Nicole Güth ihren Wechsel in die FDP-Fraktion.

Von Holger Weber

Sie habe schon länger eine größere Diskrepanz zwischen dem Denken und Handeln der Fraktion und ihrer eigenen Position zu den verschiedenen Sachthemen gefühlt, begründete Güth ihren Schritt. „Hier möchte ich beispielhaft nur die Innenstadtentwicklung beziehungsweise den Umgang mit dem Rathaus, die Trinkwasserversorgung, Grundsteueranhebung oder den nicht stattfindenden sozialen Wohnungsbau anführen“, so die Roßdorferin.

„Meiner Ansicht nach wurde mir bei für mich elementar wichtigen Themen einfach nicht zugehört beziehungsweise fühlte ich mich nicht ernst genommen. Durch diesen Umstand ist mir in der jüngsten Vergangenheit der Spaß an der kommunalpolitischen Arbeit etwas vergangen“, so Güth, die zudem anführt, dass ihr die Entscheidung nicht leichtgefallen sei.

Mehrheitsverhältnisse unverändert

FDP-Fraktionschefin und Bürgermeisterkandidatin Sylvia Braun begrüßte die Entscheidung ihrer neuen Fraktionskollegin. „Es stärkt die Position der FDP und es stärkt auch meine Position als Bürgermeisterkandidatin“, so die Liberale gestern. Der Fahnenwechsel Güths dürfte für die meisten nicht überraschend gekommen sein. Es habe sich vielmehr um einen schleichenden Prozess gehandelt, sagte Braun.

Die FDP hat nun mit Braun, Katja Lauterbach und Dr. Volker Wingefeld vier Mandatsträger im Parlament. An den Mehrheitsverhältnissen ändert der Wechsel Güths jedoch nichts. Die Koalition aus SPD und CDU hat immer noch einen Vorsprung von drei Mandaten gegenüber den anderen Parteien im Bruchköbeler Parlament.

Der SPD-Bürgermeisterkandidat Perry von Wittich, der weder im Vorstand der Partei noch in der Fraktion ist, bedauerte den Abschied Güths im Gespräch mit unserer Zeitung. „Wenn ich nicht Bürgermeister werde, liegt es sicherlich nicht an ihr, und wenn ich es werde, dann genauso wenig“, sagte er. Von Wittich akzeptiert nach eigenen Worten, dass sie sich nicht mehr mit den Positionen der SPD in Bruchköbel identifizieren kann. Er verurteilt aber, dass sie ihr Mandat nicht zurückgebe. „Das ist fehlende Loyalität gegenüber den Wählern.“

Politisch nicht mehr auf einer Wellenlänge

Mittwochabend meldete sich auch noch der SPD-Ortsverband zu Wort und zeigte sich ungewöhnlich zahm ob der Entwicklung in der eigenen Partei: „Bereits seit geraumer Zeit hatte Frau Güth Probleme mit den politischen Entscheidungen, die in der Fraktion durch Mehrheitsentscheide getroffen wurden. Sicherlich ist die politische Arbeit innerhalb einer Fraktion nicht immer ganz einfach, da man sich grundsätzlich um politischen Konsens bemühen̈ muss und die damit einhergehenden Kompromisse oft nicht einfach für jeden mitzutragen sind“, so der Fraktionsvorsitzende Peter Ließmann.

Auch sollten die eingegangenen Kompromisse, mit denen man einverstanden war, klar überwiegen, so Ließmann weiter. „Dies war bei Frau Güth mehrfach nicht der Fall, weshalb sie sich nach einer anderen politischen Heimat umgesehen hat.“

„Eine demokratische Partei muss mit solchen zutiefst persönlichen Entscheidungen umgehen können“, so der Ortsvereinsvorsitzende Norbert Viehmann. „Und deshalb wünschen wir Frau Güth für ihren weiteren politischen Weg alles erdenklich Gute.“

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