Kostenfreie Ausweichparkplätze: Es gibt sie in der Stadt. Man muss nur wissen, wo sie zu finden sind. Grafik: PM

Bruchköbel

Erster Stresstest für den Handel: Rewe-Parkplatz wird gesperrt

Bruchköbel. In der kommenden Woche hat der Bruchköbeler Einzelhandel seinen ersten Stresstest zu bestehen. Ab Montag soll für voraussichtlich zwei Tage der zentrale Parkplatz vor dem Rewemarkt in der Innenstadt gesperrt werden.

Von Holger Weber

Der Grund sind Baumfällarbeiten. Zudem wird der letzte noch verbliebene und an den Parkplatz angrenzende Teil der Rathauses abgerissen.

Für viele Geschäftstreibende in der Bruchköbeler Innenstadt ist der Wegfall der kostenfreien Parkmöglichkeiten in der Innenstadt eine „Horrorvorstellung“, wie es eine Händlerin gegenüber unserer Zeitung ausdrückt. „Die leichte und kostengünstige Erreichbarkeit ist für mich lebenswichtig“, sagt die Einzelhändlerin, die nicht namentlich in der Zeitung genannt werden will. „Ansonsten haken mich einige Kunden gleich ab“, so ihre Befürchtung.

Viele Unklarheiten sorgen bei Einzelhändlern für Unsicherheit

Sorgen bereitet den Einzelhändlern weniger die kurzzeitige Sperrung, zumal zumindest das Parkdeck in der kommenden Woche auch weiterhin angefahren werden kann. Es sind vor allem die Perspektiven, die für große Unsicherheit sorgen. Wie lange dauern die Bauarbeiten? Können genügend und vor allem ausreichende Ausgleichsflächen geschaffen werden? Wie sieht das künftige Parkraumkonzept der Stadt aus? All das sind Fragen, auf die es bisher noch keine verlässlichen Antworten gibt.

Und auch in der städtischen Stadtmarketing-Abteilung gibt es darauf noch keine Antworten, weil viel von der Frage abhängt, wer den neuen Innenstadtkomplex bauen wird. Ein Investor wird bekanntlich derzeit im Rahmen eines Wettbewerblichen Dialogs gesucht, der nach letztem Stand der Information kurz vor dem Abschluss steht.

Festplatz am Kirleweg öffnet am Montag

Sicher scheint zu diesem Zeitpunkt, dass die Baugrube für die Tiefgarage in einem ausgehoben wird und somit alle 230 Parkplätze, die sich auf den zentralen Parkplatz sowie die drei Ebenen des Parkdecks verteilen, auf einen Schlag wegfallen. Anfänglich war man davon ausgegangen, dass die Grube in zwei verschiedenen Bauabschnitten ausgehoben wird und somit wechselseitig Parkflächen geschaffen werden könnten. Dies, so die Planer, wäre aber insgesamt teurer und auch mit einer längeren Bauzeit verbunden gewesen.

In der Verwaltung laufen die Planungen, wo Ersatzflächen geschaffen werden können. Bereits am Montag soll der Festplatz am Kirleweg als Alternative eröffnet werden. Dort stehen 130 Parkplätze zur Verfügung. „Es gibt bereits einige Überlegungen, wie der Nachteil des längeren Fußwegs in die Innenstadt kompensiert werden kann“, berichtet Stadtmarketing-Chefin Andrea Weber.

Velotaxis und Lastenfahrräder sind in Planung

Zu den erwogenen Maßnahmen zählt der Einsatz von Velo-Taxis und Lastenfahrrädern. Ob der Service kostenfrei angeboten werden kann, stehe freilich noch nicht fest. An dem Konzept werde noch gearbeitet, auch suche man einem möglichen Sponsoring-Partner für die Idee. In Webers Abteilung werden auch Konzepte erarbeitet, wie die Stadt trotz Baulärm und Dreck attraktiv bleiben kann (siehe Kasten unten).

Darüber hinaus machen sich viele Einzelhändler selbst schon darüber Gedanken, was sie tun können, um ihre Kundschaft zu halten. Direkt betroffen ist etwa Buchhändlerin Sandra Corell. Sie bietet schon seit Jahren einen Auslieferservice für ihre Kunden. Die Bestellungen nimmt sie mittlerweile per Whatsapp entgegen. Und ihren Kunden verspricht sie eine passgenaue Auslieferung. In den sozialen Netzwerken wirbt sie offensiv und mit Humor: „Wir kommen nicht mit einem gelben Auto, und es liegt dann auch kein Zettel im Briefkasten, sondern wir kommen, wenn es Ihnen passt.“ Corell ist zuversichtlich, dass ihre Stammkundschaft ihr die Treue hält, auch wenn es mit dem Parken schwieriger wird.

Auslieferservice als Maßnahme zur Kundenbindung

Auch Barbara Schadeberg, Inhaberin des SchokoLädchens, spielt mit dem Gedanken, zum Kunden zu fahren, wenn dieser nicht kommen kann. Doch befindet sich die Unternehmerin mit ihrem Laden am Zentrumsrand noch in einer privilegierten Lage mit eigenem Parkplatz. Den zu erwartenden Schaden während der Bauzeit hält sie für überschaubar: „Bruchköbel war noch nie eine Stadt, in der man bummeln geht. Die Leute suchen ihre Händler doch gezielt auf.“ Trotz aller zu erwartender Widrigkeiten sind sich Corell und Schadeberg einig: Es sei wichtig, dass sich das Stadtbild verändere.

Begleitende Maßnahmen während der BauzeitÄhnlich wie bei der Sanierung der Hauptstraße vor einigen Jahren sollen die Arbeiten zum Innenstadtumbau auch durch Veranstaltungen begleitet werden. Diese sollen dazu beitragen, dass die Innenstadt trotz aller Widrigkeiten attraktiv bleibt und gerne von den Bürgern aufgesucht wird. Im Fokus stehen dabei vor allem der Freie Platz, aber auch andere kleine Plätze der Stadt. Zusätzlich zum Weihnachtsmarkt, Mais- und Kürbisfest sowie dem Stadtdinner soll es Events geben, die für Leben sorgen und die Menschen in die Innenstadt locken. Das Kulturprogramm könne künftig im Alten Rathaus stattfinden, aus dem der Geschichtsverein gerade auszieht. Auch sollen Bürger mit Newsletter, über die sozialen Netzwerke und die Tagespresse über den Fortgang der Bauarbeiten auf dem Laufenden gehalten werden. Rund 50 Bauzäune sollen als Werbeflächen dienen, aber auch als Ausstellungsfläche für das Innenstadtprojekt. Dort können die Bürger sich laut Stadtmarketing über die künftige Innenstadt informieren, aber auch einen Blick auf die Historie der Bruchköbeler Innenstadt werfen. how

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