Grundschulkinder von berufstätigen Eltern brauchen einen Hortplatz, damit sie auch nach dem Unterricht gut betreut sind. In Bruchköbel ist die Suche nach einer Schulkindbetreuung aber schwierig, meinen einige Eltern. Foto: Pixabay

Bruchköbel

Eltern von Grundschulkindern müssen um Betreuung bangen

Bruchköbel. Wenn die Kitazeit zu Ende geht, freuen sich die angehenden Schulkinder darauf, dass sie endlich in die Schule kommen. Viele berufstätige Eltern der künftigen Erstklässler in der Kernstadt freuen sich nicht, denn sie wissen nicht, ob sie einen Hortplatz bekommen.

Von Monica Bielesch

So wie Seyo Coskun. Die Mutter zweier Kinder hat ihr ältestes Kind vor einem Jahr für einen Hortplatz in der Kita Südwind angemeldet. Diese städtische Kita war früher vornehmlich für Hortkinder ausgelegt, das bietet sich durch ihre Lage direkt neben der Haingartenschule an. Mittlerweile sind laut Stadt nur noch 45 von insgesamt 125 Plätzen von Grundschulkindern belegt.

Dort und beim privaten Betreuungsverein Orkalanda hatte Seyo Coskun ihr sechsjähriges Kind angemeldet. Nun erhielt sie vor einiger Zeit vom Orkalanda eine Absage. Von der Stadt, so erzählt Coskun, hätte sie weder eine Zu- noch eine Absage erhalten.

Erst als sie dort anruft, erfährt sie, dass ihr Kind keinen städtischen Hortplatz erhalten hat. Die Stadt würde nur Zusagen versenden, wird ihr am Telefon erklärt. Da ist es schon fast Ende April. Nun bangt die 35-Jährige, die seit über zehn Jahren mit ihrer Familie in Bruchköbel lebt, ob sie noch rechtzeitig bis zum Beginn des Schuljahres im August einen Betreuungsplatz für ihr Kind organisieren kann.

Von der Stadt sei sie an die privaten Betreuungsvereine verwiesen worden. Das empfindet sie als eine wenig bürgerfreundliche Auskunft. Schließlich kostet allein der Betreuungsplatz bei den Honigbienchen, die ebenso wie das Orkalanda auf dem Gelände der Grundschule ansässig sind, monatlich 180 Euro. Hinzukommen 85 Euro für die Essensverpflegung sowie 15 Euro pro Ferienwoche. Coskun hält das für zu teuer. Eine Betreuung ihrer Kinder durch die Großeltern sei leider nicht möglich. „Beide Großeltern sind selbst berufstätig.“

Angst vor möglichen Nachteilen

Eine weitere Mutter meldete sich bei unserer Zeitung, weil auch sie keinerlei Nachricht von der Stadt auf ihre Bewerbung um einen Hortplatz erhalten hatte. „Von einer Freundin, die bei der Stadt deswegen angerufen hat, habe ich nun erfahren, dass die Stadt nur Zusagen, aber keine Absagen verschickt“, erzählt auch diese Frau, die ihren Namen aus Angst vor möglichen Nachteilen bei der Platzvergabe nicht in der Zeitung sehen möchte.

Sie hat bereits ein älteres Kind in der städtischen Kita Zauberweide in der Gleiwitzer Straße. Erst vor einigen Wochen hätte es in der Einrichtung einen Elternabend für die Eltern der künftigen Erstklässler gegeben. Dabei seien die Eltern nicht darüber informiert worden, dass es zu wenig Hortplätze gebe. „Das Schlimmste ist, das man als Eltern nicht erfährt, dass man keinen Platz kriegt“, sagt die berufstätige Mutter. Und das, obwohl sie ihr Kind bereits vor fünf Jahren für einen Hortplatz in der Zauberweide angemeldet hat.

Weil die Familie auf beide Gehälter angewiesen ist, ist die Frau verzweifelt, als sie sich in unserer Redaktion meldet. „Nicht arbeiten gehen, ist keine Option für mich, sonst können wir unsere Miete nicht mehr zahlen.“ Auch in diesem Fall sind beide Großeltern-Paare noch berufstätig beziehungsweise wohnen viele Hundert Kilometer weit weg.

Ende gut, alles gut?

Am Ende hat diese Familie Glück: Einen Tag nach dem Telefonat mit unserer Redaktion erhält sie einen Hortplatz in einer städtischen Einrichtung. Auch die privaten Betreuungsvereine spüren die größere Nachfrage. Das Orkalanda-Team hat eine Warteliste, weil es sie nicht mehr als 50 Kinder aufnehmen kann. Und die Honigbienchen wollen im kommenden Schuljahr wieder auf zwei Gruppen mit jeweils 22 Kindern aufstocken.

Hier hat eine weitere berufstätige Mutter, die ihren Namen nicht nennen will, in letzter Minute noch einen Hortplatz erhalten. Auch sie erfuhr nur durch Hörensagen, dass die Stadt keine Absagen verschickt. Sofort meldete sie ihr Kind daher bei den Honigbienchen an. Nach einigen Tagen des Bangens, ob sie im schlimmsten Fall ihren Job kündigen müsste, erhielt sie zwar eine Zusage.

Aber sie meint: „Ich kann Frauen verstehen, die nicht viel verdienen und eine Jobkündigung den hohen Betreuungskosten durch private Vereine vorziehen, da es sich finanziell nicht lohnt. Aber die Stellung der Frau an sich im Berufsleben bleibt dabei auf der Strecke. Das macht mich wütend und ist aus Sicht der Frau extrem frustrierend.“

Frustriert ist auch Seyo Coskun. Sie hat mittlerweile Post von der Stadt erhalten. „Eine offizielle Absage vom Bürgermeister persönlich.“

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