Fronleichnamsprozession in Bruchköbel: Eric Mambu führt die Gläubigen in der Innenstadt Bruchköbels an.
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Fronleichnamsprozession in Bruchköbel: Eric Mambu führt die Gläubigen in der Innenstadt Bruchköbels an.

Seit vier Jahren

Eine Brücke nach Afrika: Der Kongolese Eric Mambu ist Priester in Bruchköbel

  • Holger Weber-Stoppacher
    VonHolger Weber-Stoppacher
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Manchmal geht sein Temperament mit ihm durch. Dann fängt Eric Mambu bei der Messe plötzlich an, sich rhythmisch zu bewegen. „Ich beginne meine Predigt manchmal mit Gesang. Und wenn ich singe, dann tanz ich auch“, erzählt der 43-jährige Subsidiar und lächelt.

In der Kirchengemeinde Sankt Familia in Bruchköbel freuen sich die Christen darüber. Aber dass sich jemand von den Besuchern des Gottesdienstes erheben und ebenfalls tanzen würde, das werde man wohl so schnell nicht erleben, sagt Karina Reul und lacht. Sie ist Mitglied des Pfarrgemeinderates. In der Ausübung des Glaubens gibt es eben gewisse Unterschiede zwischen dem Afrikaner und seinen deutschen Schäfchen.

Priester muss sich an Gegebenheiten in Deutschland erst gewöhnen

Seit nunmehr vier Jahren ist der Kongolese in Bruchköbel als Unterstützungspfarrer vor allem für seelsorgerische und liturgische Aufgaben zuständig. Mit den Mentalitätsunterschieden komme er mittlerweile gut klar, sagt Mambu. Es gefällt ihm, dass in Deutschland alles so gut und straff organisiert sei.

Gewöhnen musste er sich jedoch daran, dass die Gläubigen hier bei der sonntäglichen Messe eher den Schnelldurchgang lieben und nach spätestens einer Stunde das letzte Gebet gesprochen sein sollte. In seiner Heimat kann der Gottesdienst dagegen gerne einmal zweieinhalb Stunden oder länger dauern. Da gingen die Menschen mitunter auch schon einmal zwischendurch auf die Straße, berichtet er.

Priester arbeitet zeitgleich an seiner Doktorarbeit

Mambu hat bei Sankt Familia nur eine halbe Stelle, weil er gleichzeitig an der philosophisch-theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt promoviert. Das ist beileibe keine ungewöhnliche Konstellation. Es gibt viele afrikanische Priester, die in Deutschland eine Doktorarbeit schreiben und gleichzeitig als Seelsorger arbeiten. Viele der sogenannten Weltpriester kommen aus Staaten wie Nigeria, Uganda oder eben aus dem Kongo.

Mit Geld aus Bruchköbel gebaut: die Kirche in Kikwit.

Was oft vergessen wird: Afrika gehört zu den Kontinenten, wo die katholische Kirche an Mitgliedern nach wie vor stark wächst und es auch keinen Priestermangel gibt. Hier sieht es bekanntlich anders aus: Ohne ausländische Pfarrer, dazu zählen im Übrigen auch Polen und Inder, müssten viele Gemeinden zusammengelegt werden, weil allerorts Geistliche fehlen. Er lebe und arbeite sehr gerne in Bruchköbel.

Mambu will Gesundheitssystem im Kongo verbessern

Mambu schreibt seine Doktorarbeit über ein medizinisch-ethisches Thema. Seine Wissenschaft solle einmal dazu beitragen, das Gesundheitssystem im Kongo zu verbessern. Vor allem die Armen, und das ist der weitaus größte Teil der Bevölkerung, sei von einer medizinischen Versorgung ausgeschlossen und lebe im Elend.

Die Kindersterblichkeit ist hoch. Auch vier der ursprünglich elf Geschwister Mambus sind gestorben. In dem von Bürgerkrieg und Korruption zerrütteten Land herrschen Rebellenbanden, die um Einfluss und Bodenschätze kämpfen. Millionen Menschen sind auf der Flucht. Auch Priester werden immer wieder Opfer von Gewalt.

Priester unterstützt Projekte in seinem Heimatland

Mambu vergisst das nicht. Und er vergisst auch die Brüder in seinem Bistum nicht. Mit einem Teil seines Gehalts unterstützt er zwei Waisenkinder sowie junge Seminaristen, die wie er Priester werden wollen. Für eine Vielzahl von Projekten in seinem Heimatland wird er auch von der Kirchengemeinde in Bruchköbel unterstützt. Man veranstaltet karitative Essen, es wird beim Gemeindefest gesammelt  und manch ein Mitglied öffnet auch einmal privat seine Schatulle für die Menschen in Kikwit.

Dadurch ist zwischen den Gemeinden in Bruchköbel und Kikwit eine enge Bindung entstanden. Mambu hat mit dem Geld bereits eine Kirche, eine Sakristei und eine Zisterne bauen lassen. Er berichtet regelmäßig über die Fortschritte der Projekte, die mit Hilfe aus Bruchköbel finanziert werden.

Erst vor Kurzem hat der Priester wieder eine Spende der Ortsgruppe der Katholischen Arbeiterbewegung entgegengenommen. Für die 2000 Euro sollen jetzt Priesterstühle und Kirchenbänke gekauft und hergestellt werden, die in dem Gotteshaus noch fehlen.

Mit Trikots von Eintracht Oberissigheim im Kongo

Integriert ist der afrikanische Priester im Übrigen nicht nur in der Kirchengemeinde. Auch die Fußballer der Eintracht Oberissigheim schätzen den Geistlichen, der der bei ihnen regelmäßig in der Altherrenmannschaft spielt und bei den Trainingseinheiten auch mal auf ein Bier bleibt.

In Trikots von Eintracht Oberissigheim: Fußballer im Kongo.

Bei einer seiner letzten Reisen in den Kongo gaben ihm seiner Fußballkameraden einen Koffer voll Trikots und auch einige Fußbälle mit. In Kikwit spielt man nun in Gelb-Schwarz.

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