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Bruchköbel setzt Zeichen gegen Rassismus

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Gözleme, kross gebacken und von den Damen kredenzt: Die Beteiligten am Kochevent sorgten auf dem Freien Platz für Gaumenfreuden.
Gözleme, kross gebacken und von den Damen kredenzt: Die Beteiligten am Kochevent sorgten auf dem Freien Platz für Gaumenfreuden. © Ulrike Pongratz

Bruchköbel – „ Hier, bitte, nehmen Sie!“ Eine freundliche junge Frau faltet einen hauchdünnen, lecker gefüllten und kross gebackenen Fladen in eine Serviette. Unter dem Zeltdach sorgen einige Frauen, darunter Hristina Junozi vom Ausländerbeirat, am laufenden Band für Nachschub. Am Mittwochnachmittag unterstützten sie ehrenamtlich die Aktion „Kochen gegen Rassismus“.

Es ist eine von mehreren Veranstaltungen im Rahmen der Woche gegen Rassismus, an der sich die Stadt Bruchköbel zum ersten Mal beteiligt.

Tischkicker und Wurfspiele

„Wichtig ist, dass wir ein Zeichen setzen“, sagte David Dieschburg vom Jugendreferat. Gemeinsam mit den Jugendlichen wurde im Vorfeld ein Transparent angefertigt, das sich in Bildern mit dem Thema beschäftigen sollte. An das Malen hat sich niemand so recht herangetraut, stattdessen sind schön gestaltete Slogans wie „Die Farbe ist egal“ oder „Silence is violence“ entstanden. „Wir sind mit einigen Spielgeräten und Aktionen hier auf dem Freien Platz. Wer will, kommt vorbei und macht mit“, so Dieschburg. Tatsächlich werden Tischkicker und Wurfspiele von Kindern und Jugendlichen eifrig ausprobiert. Ein zwölfjähriger Junge sagte, er wolle beim Kochen mitmachen. Familien mit kleinen Kindern, Jugendliche und Senioren haben sich versammelt, genießen einen kleinen Snack, das gute Wetter und hören Schlager und Volksmusik in allen nur erdenklichen Sprachen: französische Chansons, türkische Lieder, Songs in Englisch, Deutsch und auch auf Ukrainisch. Die Kinder tanzen ausgelassen. Es gibt die Möglichkeit, an einer Stellwand rassistische Vorurteile zu notieren oder sich über Vorfälle zu äußern, die man selbst als rassistische Ausgrenzung erlebt hat. „Oft sind die Äußerungen nicht böse gemeint“, sagte Dieschburg. „Trotzdem sind sie verletzend. Wichtig ist, dass die Jugendlichen im Nachgang selbst reflektieren und überlegen.“

Das Jugendreferat hat an zwei Tagen „Mit-Mach-Aktionen“ gegen Rassismus auf dem Freien Platz organisiert. Am Dienstagnachmittag hatte die Trommel für große Aufmerksamkeit gesorgt. Zwischen 60 und 70 Besucher, darunter viele Kinder, dürfen als Erfolg gesehen werden. „Sehr beeindruckend war die szenische Lesung mit dem Jungen Theater Wachenbuchen und dem Hanauer Schriftsteller Gerhard Roth im Kunstraume Atrium“, sagte Dietmar Hussing, Flüchtlingskoordinator der Stadt Bruchköbel. Hussing war es auch, der das Jugendreferat, die Gemeinwesenarbeit, den Ausländerbeirat und die Seniorenarbeit zu gemeinsamen Aktionen gegen Rassismus motiviert hatte. Relativ kurz entschlossen und daher mit wenig Zeit für Vorbereitung haben die ressortübergreifenden Veranstaltungen ein sehr vielfältiges Publikum angesprochen. „Wir freuen uns auch, dass wir endlich das „Café Barrie-refrei“ wieder eröffnen kön-nen, das von Geflüchteten sehr gut angenommen wurde und immer ein guter Anlauf-punkt für Begegnungen und Gespräche war.“ Hier sind am Freitagnachmittag zum Abschluss der Veranstaltungsreihe noch einmal alle eingeladen. Ganz sicher, so Hussing, werden wir uns nächstes Jahr wieder beteiligen, dann vielleicht mit einer längeren Planungszeit.

Vordergründig schien Ras-sismus an diesem Nachmittag kein brisantes Thema zu sein, zumindest blieb die Stellwand ziemlich leer. Es sind eher die kleinen alltäglichen und unbedachten Bemerkungen, die wehtun. So sagte eine Gesprächspartnerin: „Ich weiß, es ist nicht böse gemeint, aber es schmerzt trotzdem, wenn ich am Tele-fon gefragt werde: ‚Sie spre-chen mit einem leichten Ak-zent. Darf ich fragen, wo sie herkommen.’“

Gözleme sind der Renner bei den Speisen

Gözleme heißen übrigens die gefüllten Teigtaschen, eine Spezialität der türkischen Küche. Der Teig muss ruhen, ehe er zu tellergroßen Fladen ausgerollt wird. Füllungen gibt es in verschiedenen Varianten, in Bruchköbel waren Gözleme mit Tomate, Moz-zarella und Kartoffeln zube-reitet – mehr wurde nicht verraten. Ohne Fett wurden die Fladen auf einer besonderen Heizplatte, dem Sac, kross gebacken. In der Pfanne, das stellten die Frauen an diesem Nachmittag fest, ge-lingen sie nicht so richtig.

Abschluss der Veranstaltungsreihe ist im „Café Barrierefrei“ heute von 15 bis 17 Uhr im Kunstraum Atrium, Innerer Ring 1a-d. (Von Ulrike Pongratz )

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