Da war die Welt noch in Ordnung: Günter Maibach (rechts), hier mit Landrat Thorsten Stolz, beim Fassanstich zum 100-Jährigen der Feuerwehr in Roßdorf. Jetzt hat er ein Fass aufgemacht, das ihm viel Ärger einbringt. Archivfoto: Rainer Habermann

Bruchköbel

Disziplinarverfahren gegen Feuerwehr: Maibach fällt in Ungnade

Bruchköbel. Gut ein halbes Jahr vor seinem Abgang hat es sich Bruchköbels Bürgermeister Günter Maibach (CDU) mit einem Teil der Feuerwehr in Bruchköbel offenbar gründlich verscherzt.

Von Holger Weber

Der Grund ist ein Disziplinarverfahren, das der Verwaltungschef gegen die beiden Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehren in Roßdorf und Niederissigheim in die Wege geleitet hatte. Zwar teilte Maibach unserer Zeitung gestern auf Anfrage mit, dass es zu einem solchen Verfahren letztlich nicht kommen werde. Doch bei den Einsatzkräften ist mächtig Dampf im Kessel, das Verhältnis zum Bürgermeister nachträglich gestört.

Ursprung des Konflikts ist eine Informationsveranstaltung zur Bürgermeisterwahl in der Stadt. Der Roßdorfer Wehrführer Mathias Möller sowie sein Amtskollege aus Niederissigheim, Armin Demel, hatten dazu die sieben Kandidaten eingeladen. Bei der Veranstaltung am 14. Oktober standen die Bewerber im Schützenheim in Niederissigheim rund 40 Einsatzkräften aus beiden Ortsteilen Rede und Antwort. Weil Wehrführer während ihrer Amtszeit in einem Ehrenbeamtenverhältnis stehen, hatte Maibach den beiden Führungskräften eine solche Veranstaltung allerdings zuvor aus Gründen der Neutralitätspflicht untersagt.

Positives Fazit der Veranstaltung

Möller und Demel leisteten dem Verbot ihres Chefs Folge, die Veranstaltung fand aber dennoch statt, weil anstelle der Wehrführer nun die Vorsitzenden der jeweiligen Feuerwehrvereine, für Roßdorf Hans-Peter Bach und für Niederissigheim Max Köhler, die Einladung zu der Veranstaltung aussprachen. Diese bezeichneten nachher nicht nur die Feuerwehrleute selbst, sondern auch viele der Kandidaten als informativ und aufschlussreich. „Wir wollten den einzelnen Kandidaten auf den Zahn fühlen und wissen, wie deren Zukunftsperspektiven und Vorstellungen rund um das Thema Feuerwehr aussehen“, berichtet Max Köhler. Moderiert wurde die Veranstaltung von Bach und Köhler. Letzterer zog ein überaus positives Fazit: „Es war ein rundum gelungener Abend.“

Die Wehrführer wurden in dem Schreiben der Stadtverwaltung, in dem das Disziplinarverfahren angekündigt wurde, aufgefordert, zu einer Anhörung zu erscheinen, bei der neben Bürgermeister Maibach auch der Kreisbrandinspektor Markus Busanni sowie der Stadtbrandinspektor Klaus Lauterbach anwesend sein sollten. Auf Anraten ‧ihres Anwalts kamen die Wehrführer dieser Vorladung jedoch nicht nach. Dass es das Disziplinarverfahren letztlich nicht geben sollte, erfuhren sie dann von unserer Zeitung.

Bei der Feuerwehr herrscht großes Unverständnis. Da für die Veranstaltung alle Kandidaten eingeladen wurden und keiner bevorzugt oder benachteiligt worden sei, „ist der Vorwurf recht fraglich. In meinen Augen ist dies eine unverhältnismäßige und skandalöse Vorgehensweise des Bürgermeisters“, meint Köhler. Und weiter: „Ich weiß nicht, ob es notwendig ist, als oberster Dienstherr so mit 'seinen' ehrenamtlichen Wehrführern umzugehen. Bleibt jetzt nur noch zu hoffen, dass sich Maibach samt Berater und Gefolge haben gut beraten lassen.“

Vorgehensweise sei ein Versuch

Köhler mutmaßt, Maibachs Vorgehensweise sei ein Versuch, „zwei engagierte Wehrführer, die auch mal Vorgänge in ihrem Zuständigkeitsbereich hinterfragten und deshalb von ihren Vorgesetzten als unbequem empfunden werden, mundtot zu machen“.

Für seinen Amtskollegen Hans-Peter Bach ist der ganze Vorgang schleierhaft: „Die Wehrführer haben sich keines Vergehens schuldig gemacht. Ich weiß nicht, wer Günter Maibach da beeinflusst hat. Das ist eigentlich gar nicht seine Art.“

Innerhalb der eigenen Reihen erfahren sowohl Möller als auch Demel große Unterstützung. Man stehe geschlossen hinter den Wehrführern, heißt es aus Kreisen der Einsatzkräfte.

Ein Aktiver, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, sagt: „Sollen sie doch mal sehen, was passiert, wenn sie plötzlich keine mehr haben.“

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