Verlässt die Frida-Kahlo-Schule: Die bisherige Leiterin Bettina Roeschen. 18 Jahre hat sie die Förderschule in Bruchköbel geprägt. Foto: Gabriele Reinartz

Bruchköbel

Direktorin Bettina Roeschen verlässt die Frida-Kahlo-Schule

Bruchköbel. Bettina Roeschen hat rund 20 Jahre lang die ‧Förderschule Frida-Kahlo in Bruchköbel als Direktorin geleitet. Zum Monatsende verabschiedet sie sich in den Ruhestand. Zumindest beruflich. Doch wer Roeschen kennt, weiß, dass auch ihr „Leben danach“ garantiert von gewissen „Unruhen“ geprägt sein wird.

Von Gabriele ReinartzSie hat ihren Beruf zu ihrer Berufung gemacht. Wenn Bettina Roeschen von „ihrer“ Schule, der Frida-Kahlo-Schule in Bruchköbel, erzählt, dann sprudeln ihr die Worte nur so über die Lippen. Kaum vorstellbar, dass diese Frau, die mit Leib und Seele Schuldirektorin ist, nun aus dem aktiven Schuldienst ausscheiden will. Und dies sogar viel früher, als sie eigentlich müsste. „Ich kann nichts nur halb machen. Daher habe ich mich entschieden, ganz aufzuhören, aus persönlichen Gründen. Es ist einfach die Zeit gekommen, mich neu zu orientieren.“

Dabei ist diese Frau mit der Schule so stark verwurzelt wie niemand sonst. „Ich habe vor über achtzehn Jahren diese Schule mit aufgebaut, so wie ich auch an den Schulneubauten der Fröbel-Schule in Maintal und einer Schule im Odenwald beteiligt war. Überhaupt ist meine persönliche Biografie eng verknüpft mit der Geschichte der Sonderpädagogik“, erzählt sie rückblickend. Sie habe dieses Fach in den Siebzigerjahren in Frankfurt auch mit dem Ziel studiert, Menschen mit Behinderung in Schule und Gesellschaft zu integrieren. Heute nennt man dies Inklusion. Weil sie etwas verändern, weil sie Kindern mit kognitiven Einschränkungen Handlungsorientierung geben wollte, damit auch sie möglichst eigenständig ihr Leben meistern können.

Ihr persönliches Leitmotiv

Und dieses persönlich aufgestellte Leitmotiv verfolgt sie bis heute, auch an ihrer Förderschule in Bruchköbel sowie in der Inklusion an zahlreichen Grund- und Gesamtschulen in der Region, die ebenfalls von den Lehrkräften der Frida-Kahlo-Schule begleitet und unterstützt werden. „Unsere Schule ist räumlich und personell sehr gut ausgestattet. Daher können wir jeden Schüler, insgesamt sind es 160 Kinder und Jugendliche, individuell fördern, damit er oder sie lernt, möglichst selbstbestimmt zu leben.“

Außer Lesen und Schreiben gehört auch das Erlernen einer selbstständigen Lebensführung dazu. Das fängt schon mit der Vorbereitung der gemeinsamen Mahlzeiten an: Die einen Schüler erarbeiten zusammen eine Einkaufsliste, die anderen gehen einkaufen und wiederum andere putzen zum Beispiel das eingekaufte Gemüse. Weil unter den Kindern auch welche sind, die aufgrund von schweren Mehrfachbehinderungen nicht sprechen können, wird zum Beispiel auch mit Symbolkärtchen gearbeitet. Heißt, die Kinder lernen, sich mit den Kärtchen auch „draußen“, in Geschäften, verständlich zu machen.

Blick auf eine spätere berufliche Beschäftigung

Ebenfalls mit Blick auf eine spätere berufliche Beschäftigung werden die Kinder und Jugendlichen, die zwischen sechs und 18 Jahre alt sind, gefördert. „Unsere Schüler absolvieren nicht nur mindestens vier Betriebspraktika, sondern in der Berufsorientierungsstufe auch schulische Praxistage.

Dazu gehören zum Beispiel der Garten- und Landschaftsbau. Hier lernen sie die Pflege der Pflanzen und müssen sich auch um den schuleigenen Kräutergarten kümmern. Dann gibt es noch die Gruppe „Holzgruppe“, die Anbrennholz herstellt und verkauft. Oder die Wäschegruppe, in der die Tischdecken für die Schulfeste selbst genäht und gereinigt werden“, listet Schuldirektorin Roeschen auf. Und im Kunstunterricht stellen die Klassen Weihnachtskarten und andere Produkte her, die sie dann auf dem Bruchköbeler Weihnachtsmarkt verkaufen.

„Ich bin davon überzeugt, dass unsere Schule ihr Ziel, den Schülern möglichst viel auf ihren weiteren Lebensweg mitzugeben, erreicht. Bisher haben alle Schüler, die die Schule beendet haben, gewusst, wie es für sie weitergehen wird.“ Und trotzdem macht sich Roeschen ein bisschen Sorgen, wie es für die Förderschulen in Deutschland generell weitergehen wird. „Wir müssen aufpassen, dass diese Schulform nicht zu kurz kommt. Es wird viel Energie in die Inklusion gesteckt, ‧inzwischen aber weniger in die Weiterentwicklung der Förderschulen, obwohl diese von vielen Eltern auch weiterhin als Schulform für ihre Kinder ausdrücklich gewünscht wird.“

Berufliche Änderungen

Hätte sie rückblickend beruflich etwas anders gemacht? „Ich hätte gern mehr Zeit für mein Kollegium gehabt, mehr Zeit für gemeinsame Gespräche“, sagt sie. Aber als Schuldirektorin hätte sie viel Verwaltungsarbeit erledigen müssen. Auch habe sie Verbandsarbeit gemacht, sei Landesreferentin gewesen und habe stark dazu beigetragen, dass die 70 Förderschulen mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung in Hessen gut miteinander vernetzt seien. „Und ich habe mich in der Fort- und Weiterbildung von Lehrern engagiert“, berichtet sie.

Wenn dann nun am 1. Februar ihr aktiver Schuldienst beendet ist, will sich Bettina Roeschen zunächst einmal der Muße hingeben. „Diese ist in den vielen Jahren einfach verloren gegangen“, sagt sie. Eine neue Orientierung sei angesagt. Aber langweilig werde es sicherlich nicht werden. „Mein Mann und ich sind Eintracht-Fans. Am Rosenmontag gehen wir ins Stadion. Dann singe ich seit sieben Jahren in einem A-cappella-Chor für Jazz und Pop, der mich stark fordert, sodass ich sogar im Auto übe, wen ich von Dieburg, wo ich wohne, in die Schule und zurück fahre.“ Und dann hätten ihr Mann und sie sich ein Wohnmobil gekauft, mit dem sie irgendwann mal länger durch Europa reisen möchten. „Ich freue mich schon sehr auf diese Zeit.“

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