Dimitar Kolev ist Mitglied des Südhessischen Kammerorchesters. Montags, dienstags und samstags fährt er nach Bruchköbel und arbeitet mit den diversen Spielgruppen des Akkordeon-Orchesters. Zudem erteilt er noch Privatunterricht. Foto: Weber

Bruchköbel

Dimitar Kolev leitet seit über 20 Jahren Akkordeon-Orchester

Bruchköbel. Das Bruchköbeler Akkordeon-Orchester wäre ohne diesen Mann kaum denkbar: Seit nunmehr 23 Jahren hält Dimitar Kolev in den Spielgruppen des Vereins den Taktstock in der Hand.

Von Holger Weber

Am kommenden Sonntag laden der Vollblutmusiker und rund 80 Aktive aus den verschiedenen Spielgruppen des Vereins zur Weihnachtsfeier in die Mehrzweckhalle nach Niederissigheim ein. Die Kombination aus Konzert und gemütlichem Beisammensein hat ausdrücklich öffentlichen Charakter und beginnt um 15 Uhr.

Kolev ist eigentlich ein freundlicher und ruhiger Mann, der sehr viel lächelt. Wenn der Schüler am Akkordeon mal in die falsche Taste haut, sieht er meist wohlwollend darüber hinweg. Nur den Rhythmus, den sollte man nicht verlieren. Sonst kann der 68-Jährige, dessen rechter Fuß beim Vorspielen stets den Takt vorgibt, schon mal ganz schön piensig werden. In leicht ungeduldigem Unterton ermahnt er dann: „Daran müssen Sie aber noch arbeiten.“ Kolev lächelt verschmitzt, wenn man ihn auf seine durchaus strenge Ader anspricht. „Ja“, seufzt er, „ist nicht immer einfach, als Profimusiker mit Hobbyspielern zusammenzuarbeiten.“

Musik als LebensaufgabeGanz am Anfang, erzählt er, als er seine Arbeit als Dirigent und Akkordeon-Lehrer in Bruchköbel begonnen habe, hätte er vor der Wahl gestanden: „Entweder ich gehe auf das Niveau herab, oder ich hebe es.“ Kolev entschied sich für Letzteres. Und damit sei er gut gefahren in den vergangenen beiden Jahrzehnten. Auch wenn es manchmal Tränen gegeben habe, wie er lächelnd hinzufügt.

Um ihn zu verstehen, muss man sich seine Vita anschauen, in der sich eigentlich alles nur um die Musik dreht. „Ich kann nichts anderes, ich habe nur Musik gelernt und für alles andere zwei linke Hände“, sagt er.

Musikalische Anfänge mit der KlarinetteKolev ist 1949 in Varna, Bulgarien, geboren. Ausgebildet wurde er an einem staatlichen Musik-Gymnasium an der Klarinette. Mit dem Akkordeonspielen begann er bereits als Neunjähriger. Seine Mutter hat ihm erzählt, er sei abends mit dem Instrument auf dem Bauch eingeschlafen. Schon als Kind war er zielstrebig, wusste was er wollte. Mit 14 gab er sein erstes Konzert im öffentlichen Rundfunk. Er spielte auf dem Akkordeon Paganinis Perpetuum Mobile. Ein anspruchsvolles Instrumentalstück.

Nach der Schule studierte Kolev an der Musikhochschule in Sofia, besuchte die Meisterklasse und gewann in der Folge mit seiner Klarinette zahlreiche nationale Preise. Somit wurde er auch ins Philharmonische Orchester Sofia aufgenommen. Ein Tummelplatz für hoch dekorierte Musiker. Ohne Preise hätte man dort keine Chance bekommen, weiß er.

ProfimusikerBulgarien war zu dieser Zeit jedoch tiefster Ostblock. Anfang der 80er war das Land fest im Griff des Kalten Krieges. Nach einigen Auftritten im Ausland, vor allem in Italien, wurde Kolev schnell klar, „dass ich mir ein Leben in meiner Heimat nicht weiter vorstellen wollte“.

Er bewarb sich auf eine Stellenanzeige des Südhessischen Kammerorchesters, wurde genommen und lebt seitdem in Bad Orb. Seine Frau, die heute eine Galerie in Gelnhausen betreibt, und seinen Sohn holte er kurze Zeit später nach, seine Tochter wurde in Deutschland geboren. Kolev ist bis heute Mitglied des Südhessischen Kammerorchesters. Montags, dienstags und samstags fährt er nach Bruchköbel und arbeitet mit den diversen Spielgruppen des Akkordeon-Orchesters. Zudem erteilt er noch Privatunterricht.

LobEr liebt das Akkordeon wegen seines sauberen Klangs. „Eigentlich kann man das Instrument nicht falsch spielen“, sagt er.

Die Orchester in Bruchköbel haben verschiedene Ansprüche und Spielstärken. Auch sind die musikalischen Vorlieben der Mitglieder unterschiedlich. Da ist es gar nicht einfach, als musikalischer Leiter alle Aktiven bei Laune zu halten. „Dimitar Kolev macht das hervorragend“, findet Axel Giesecke, der Vorsitzende des Vereins. In zwei Jahren feiert das Orchester sein 50-jähriges Bestehen. Zum Jubiläum soll es natürlich ein großes Konzert geben. Da wartet auf Kolev noch viel Arbeit.

Und zwischendurch greift er manchmal auch selbst zum Instrument. Dann spielt er einen Tango oder einen Walzer. Das Akkordeon sei so ein vielseitiges Instrument, schwärmt er. Man müsse es einfach spielen.

Nachwuchs gesucht Das Akkordeon-Orchester in Bruchköbel sucht weiterhin Nachwuchs – sowohl erfahrene Spieler als auch Anfänger seien willkommen, so Vorsitzender Axel Giesecke. Dessen Frau Gabi bietet Melodika-Kurse für Kinder an. Die Melodika ist ein Blasinstrument mit einer kleinen Klaviatur und somit das Einsteiger-Instrument fürs Akkordeon. Der Kurs koste nur einen Euro pro Woche, also 50 Euro im Jahr, sagt Giesecke.

Am Sonntag werden bei der öffentlichen Weihnachtsfeier des Vereins auch Gutscheine verkauft. „Ein ideales Weihnachtsgeschenk für alle Eltern und Großeltern, die noch kein Geschenk für ihre Kinder beziehungsweise Enkel haben“, findet der Vereinsvorsitzende, der selbst im Stammorchester des Vereins spielt. Die Weihnachtsfeier in der Mehrzweckhalle in Niederissigheim beginnt um 15 Uhr. Es gibt Kaffee und Kuchen und viel Musik.

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